Noticiero VeneVision
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Real Caracas triumphiert in Monagas: Routine schlägt Leidenschaft

Wenn 28.167 Zuschauer in Maturín am Samstagabend Fußball sehen wollen, dann bekommen sie ihn - manchmal in seiner zähen, manchmal in seiner eleganten Form. Beim 0:2 (0:1) zwischen AD Monagas und Real Caracas zeigte sich beides: beherzte Gastgeber, die den Ball liebten, und abgebrühte Gäste, die das Tor trafen.

Von Beginn an war klar, dass Real Caracas an diesem 34. Spieltag der 1. Liga Venezuelas nichts anbrennen lassen wollte. Schon in der dritten Minute prüfte Georg Berg den Monagas-Keeper Manfred Behrens mit einem satten Linksschuss. Drei Minuten später wiederholte er das Kunststück - diesmal flog der Ball knapp über den Querbalken. "Ich dachte, wenn ich’s dreimal probiere, geht einer rein", grinste der 34‑jährige später. Er sollte recht behalten.

Nach einer halben Stunde hatten die Gastgeber zwar mehr Ballbesitz (am Ende 53,6 Prozent) und versuchten sich in gepflegtem Kurzpassspiel, doch Real Caracas lauerte. In der 35. Minute kombinierten sich Xavi Eusebio und Georg Berg über die linke Seite, und Berg drosch den Ball trocken ins lange Eck - 0:1. Der Jubel im Gästeblock war lauter als der Protest des Stadionsprechers gegen die "mangelnde Defensivordnung". Trainer Eiko Henke streckte nur kurz den Daumen hoch und setzte sich wieder. Routine.

AD Monagas suchte danach verzweifelt nach dem Anschluss. Julio Adao prüfte den gegnerischen Torwart gleich mehrfach (30., 33., 36., 53. Minute), und Jose Maria Viejo versuchte es aus spitzem Winkel (21., 57.), doch Real‑Keeper Sergio Cortes hatte offenbar einen magnetischen Handschuhtag erwischt. "Ich hätte auch mit einer Zeitung in der Hand halten können", witzelte er nach dem Spiel, "so fest geschossen war da heute nichts."

Die Partie blieb umkämpft, aber nie unfair - vier Gelbe Karten (zwei pro Team) verteilte der Schiedsrichter, und nur einmal wurde es wirklich hitzig, als Monagas‑Youngster Ruben Santos (19) nach einem rustikalen Einsteigen in der 63. Minute verwarnt wurde. Santos beschwerte sich noch: "Ich habe doch den Ball gespielt!" - worauf Real‑Kapitän Tomas Fritz trocken antwortete: "Stimmt, aber leider erst nach mir."

Trainer Henke reagierte taktisch klug: In der 52. Minute brachte er den 18‑jährigen Vitor Andrade für Francisco Gallardo, der sich aufrieb, aber glücklos blieb. Später kam Laurent Lenentine (65.) für den jungen Daniel Gebhardt auf rechts - ein Wechsel, der sich auszahlen sollte.

Monagas rannte weiter an, hatte am Ende sogar mehr Schüsse aufs Tor (7 versus 10 für Caracas sagt die Statistik, aber gefühlt war’s ein Dauerbeschuss aus der zweiten Reihe), doch die Gäste blieben eiskalt. In der Nachspielzeit, als die Hausherren alles nach vorne warfen, konterte Real Caracas schulbuchmäßig: Lenentine flankte, und Innenverteidiger Tomas Fritz, aufgerückt wie ein verkappter Mittelstürmer, köpfte in der 92. Minute zum 0:2-Endstand ein.

"Wenn der Abwehrchef trifft, weißt du, dass der Plan funktioniert hat", lächelte Henke nach dem Abpfiff. "Wir wollten kompakt stehen und auf unsere Chancen warten. Fußball ist manchmal einfach, wenn man ihn nicht kompliziert denkt."

Bei Monagas war die Stimmung dagegen gedrückt. Trainer (Name unbekannt - aber sein Gesicht sprach Bände) stand lange am Spielfeldrand, die Hände in den Taschen, und murmelte: "Wir hatten das Spiel in der Hand, nur nicht im Netz." Kapitän Fabio Garcia ergänzte: "Wir wollten schön spielen, sie wollten gewinnen - da liegt der Unterschied."

Statistisch war’s ein Spiel der kleinen Unterschiede: Fast ausgeglichene Zweikampfquote (49 zu 51 Prozent), ähnliche Taktikausrichtung (beide Teams "balanced" in allem, was man messen kann), aber Real Caracas zeigte, warum Erfahrung manchmal mehr zählt als Ballbesitz.

In den Katakomben des Stadions fragte ein Reporter Georg Berg, ob er mit 34 noch jeden Sprint überlebt. "Nur wenn ich danach die Eistonne finde", lachte der Doppeltorschütze - pardon, Torschütze eins mit Torvorlage durch Eusebio. "Solange der Trainer mich aufstellt, renne ich. Und wenn nicht, rufe ich ihn eben an."

Eiko Henke verließ das Stadion mit einem zufriedenen Nicken. Kein Spektakel, aber drei Punkte - und ein Team, das genau das tat, was es sollte.

Monagas dagegen bleibt auf der Suche nach Effizienz. Der Ball lief, das Publikum tobte, nur das Netz blieb still. Vielleicht wäre weniger "SURE" und etwas mehr "ANYTIME" beim Torschussverhalten gar nicht so schlecht gewesen.

Am Ende applaudierten die Fans trotzdem. In Venezuela weiß man: Wer kämpft, darf verlieren - solange er es mit Stil tut. Und Stil hatte dieses Spiel, wenn auch in zwei völlig unterschiedlichen Farben Blau und Rot.

05.05.643990 14:43
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