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36191 Zuschauer im Estadio Nacional von Caracas sahen am Mittwochabend ein Spiel, das man getrost als "Lehrfilm in Effizienz" bezeichnen darf - zumindest aus Sicht von Real Caracas. Die Gastgeber fertigten Sporting Nuble mit 3:0 ab und wirkten dabei, als hätten sie noch genug Energie, um anschließend gemeinsam eine Samba-Nacht einzulegen. Dabei hatten die Chilenen von Nuble eigentlich mehr Ballbesitz (52,8 Prozent) und galten vor Anpfiff als leicht favorisiert. Doch was nützt es, wenn man den Ball hat, aber nicht weiß, wohin damit? Real Caracas hingegen spielte schnörkellos, präzise und mit jener Prise Selbstvertrauen, die man bekommt, wenn der rechte Stürmer Carlos Panero einen dieser Tage hat, an denen alles gelingt. Schon früh schien Panero zu ahnen, dass das seine Bühne werden würde. In der 10. Minute prüfte er erstmals den gegnerischen Keeper Arnau Morte - noch ohne Erfolg. Doch als Xavi Eusebio ihm in der 32. Minute mit einem butterweichen Pass den Ball in den Lauf spielte, zögerte Panero keine Sekunde: flach ins lange Eck, 1:0. "Ich habe einfach gespürt, dass der Torwart kurz gezuckt hat", grinste Panero später, "und dann dachte ich mir: Na gut, dann schick ich ihn gleich ganz in die falsche Ecke." Sporting Nuble reagierte zwar mit wütenden Angriffen, kam aber kaum zu gefährlichen Abschlüssen. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das ist in der Amerikaliga eher ein Rezept für eine ruhige Nacht des gegnerischen Torwarts. Real-Keeper Sergio Cortes hatte jedenfalls Zeit, die Zuschauer zu grüßen und sich über das neue Flutlicht zu freuen. Kurz vor der Pause legte Panero nach. Pierre Silvestre, der linke Verteidiger mit dem Offensivdrang eines Mittelstürmers, tankte sich über die Seite durch und flankte punktgenau. Panero stieg hoch, nickte ein - 2:0. "Pierre hat den Ball geflankt, als wäre er mit einem Laserpointer gelenkt", schwärmte Trainer Eiko Henke später. "Ich hab ihm nach dem Spiel gesagt: Wenn du so weitermachst, musst du mir bald erklären, warum du nicht vorne spielst." Der zweite Durchgang begann mit drei Dingen: Sonne, Schweiß und der Erkenntnis, dass Nuble zwar weiter anrannte, aber Real Caracas das Spiel längst im Griff hatte. Henke brachte in der 58. Minute den jungen Daniel Gebhardt, der prompt für frischen Wind sorgte. Und als Francisco Gallardo in der 82. Minute nach Gebhardts Vorlage zum 3:0 traf, war der Abend endgültig perfekt. Gallardo jubelte mit ausgestreckten Armen, als wolle er die ganze Stadt umarmen. "Daniel hat den Ball so schön reingezirkelt, ich musste ihn nur noch reinschieben", sagte Gallardo bescheiden. Für Nuble blieb am Ende nur Frust. Filipe Tristan sah in der 63. Minute Gelb, als er einmal zu spät kam - sinnbildlich für den ganzen Auftritt der Gäste. Trainer Manuel Ortega (der sich nach Abpfiff wortkarg zeigte) murmelte lediglich: "Wir hatten den Ball, sie die Tore. Vielleicht sollten wir das mal tauschen." Statistisch war es ein Spiel der Kontraste: 18:3 Torschüsse für Caracas, aber weniger Ballbesitz. Doch die Hausherren gewannen 57 Prozent ihrer Zweikämpfe und wirkten in jeder Situation entschlossener. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur mitspielen, sondern bestimmen können", sagte Henke. "Und Carlos hat das heute eindrucksvoll übernommen." Ein wenig Ärger gab’s trotzdem: Panero kassierte in der 36. Minute Gelb, weil er nach einem harmlosen Zweikampf den Ball etwas zu temperamentvoll wegschlug. "Ich wollte ihn nur aufheben", behauptete er mit einem verschmitzten Lächeln - niemand im Stadion glaubte ihm. Als der Schlusspfiff ertönte, tanzten die Spieler von Real Caracas ausgelassen im Mittelkreis, während die Fans "Caracas, mi amor!" skandierten. Henke nahm es mit Humor: "Wenn sie so weiterspielen, tanze ich beim nächsten Sieg mit." Und wer weiß: Vielleicht sehen wir dieses Team bald nicht nur tanzen, sondern auch ganz oben in der Amerikaliga-Tabelle. Sporting Nuble hingegen wird sich fragen müssen, wie man mit so viel Ball und so wenig Wirkung weitermachen will. Ein Rat aus Caracas: Vielleicht einfach mal auf Carlos Panero schauen - der weiß, wo’s langgeht. 11.12.643990 11:38 |
Sprücheklopfer
Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer