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Wenn Statistiken sprechen könnten, hätten sie am Dienstagabend in Harrisburg wohl höflich gehustet und auf das Ergebnis gezeigt: 0:3. Denn obwohl die Harrisburg Isles stolze 56 Prozent Ballbesitz hatten, zwölfmal gefährlich aufs Tor schossen und 52.000 Zuschauer lautstark hinter sich wussten, waren es die Gäste aus Venezuela, die am Ende lächelnd vom Platz gingen. Real Caracas, clever, kompakt und mit einem Mittelfeld, das an diesem Abend jede Symphonie wert gewesen wäre, nahm die Punkte mit - und die Isles die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein noch keine Tore schießt. Schon nach 16 Minuten begann das Unheil für die Hausherren. Xavi Eusebio, der 29-jährige Taktgeber im Mittelfeld der Gäste, zog nach feinem Pass von Daniel Gebhardt aus rund 20 Metern ab und traf so präzise, dass Isles-Torhüter Samuel Lester wohl noch beim Einschlafen an diesen Ball denken wird. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Eusebio hinterher, "aber dann dachte ich mir: Warum nicht mal die Latte anvisieren - nur etwas tiefer?" Harrisburg reagierte durchaus ansprechend, brachte durch Leo Thuringer und den jungen Lukas Cizek Tempo ins Spiel, doch Real Caracas verteidigte mit südamerikanischer Coolness. Und als die Isles gerade dabei waren, sich an die venezolanische Mauer zu gewöhnen, schlug Eusebio erneut zu. In der 30. Minute dribbelte er kurz an, bekam von Julian de Almeida einen butterweichen Rückpass und schob überlegt zum 0:2 ein. Zwei Tore, zwei Vorlagen aus dem Mittelfeld - Trainer Eiko Henke zeigte an der Seitenlinie nur ein knappes Lächeln: "Ich sage Xavi immer, er soll Verantwortung übernehmen. Heute hat er mich beim Wort genommen." Zur Pause wirkte Harrisburgs Kabine wie eine Mischung aus Ratlosigkeit und Trotz. Der 18-jährige Cizek, der später noch Gelb sehen sollte, soll laut Zeugen gerufen haben: "Wir spielen ja gar nicht schlecht - nur eben ohne Tore!" Sein Trainer, der lieber ungenannt bleiben wollte, antwortete trocken: "Dann fangt halt mal an." Doch auch nach der Halbzeit blieb das Spiel ein Spiegelbild der ersten 45 Minuten. Die Isles kombinierten gefällig, Elliot Almond prüfte Caracas-Keeper Sergio Cortes gleich mehrfach (46., 49., 82.), doch das Tor schien wie vernagelt. Und dann kam Minute 60: Miguel Costa, eben noch der ruhige Taktgeber, fasste sich ein Herz und zog aus der zweiten Reihe ab. Wieder Assist von de Almeida, wieder keine Chance für Lester - 0:3, die Entscheidung. Real Caracas spielte den Rest mit der stoischen Ruhe einer Mannschaft herunter, die wusste, dass heute alles funktioniert. Henke nutzte die komfortable Führung, um frisches Blut zu bringen: Der 19-jährige Silvestre Meireles durfte für de Almeida ran und zeigte gleich, dass er nicht nur einen schönen Namen trägt. Kurz vor Schluss bekam sogar der 17-jährige Jose Adao noch seine Premiere - ein Debüt, das er mit einem breiten Grinsen quittierte. "Ich hab den Ball einmal berührt", witzelte er später, "aber das war ein schöner Kontakt!" Harrisburg versuchte es bis zum Ende, angefeuert von einem Publikum, das Fairness bewies und trotz der klaren Niederlage applaudierte. Als Cizek in der 76. Minute Gelb kassierte, war der Frust kurz greifbar, doch der junge Mittelfeldmann entschuldigte sich sofort. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch kämpfe", meinte er. Real Caracas’ Innenverteidiger Cesc Benito bekam in der 84. Minute ebenfalls Gelb, was Henke mit einem Schulterzucken kommentierte: "Wenn Cesc keine Karte pro Spiel hat, mache ich mir Sorgen, dass er krank ist." Am Ende blieb es beim 0:3 - ein Ergebnis, das klarer klingt, als es über weite Strecken war, aber dennoch völlig verdient ist. Real Caracas schoss seltener aufs Tor (zehnmal), aber eben präziser. Harrisburg hatte mehr vom Ball, Caracas mehr vom Spiel. Der Rest ist Statistik - und die schreibt bekanntlich keine Punkte gut. Vielleicht fasste es Isles-Stürmer Leo Thuringer am besten zusammen: "Wir haben getanzt, aber die Musik kam aus Caracas." Und so verließen 52.000 Zuschauer das Stadion mit gemischten Gefühlen - enttäuscht über das Ergebnis, beeindruckt von der Effizienz der Gäste und mit der Hoffnung, dass ihre Isles beim nächsten Mal endlich den richtigen Takt treffen. 04.10.643990 01:20 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft