Noticiero VeneVision
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Real Caracas tanzt Caradodo FC mit 4:2 vom Platz

Ein warmer Februarabend, 34.729 Zuschauer im Estadio Nacional von Caracas, und ein Spiel, das mal wieder bewies: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. Real Caracas besiegte am 17. Spieltag der 1. Liga Venezuela den Caradodo FC mit 4:2 - und das, obwohl die Gäste gefühlt mehr Zeit mit dem Ball verbrachten als ein Kind mit seinem ersten Smartphone.

Trainer Eiko Henke grinste nach dem Schlusspfiff in die Kameras und sagte trocken: "Die Statistik kann man sich einrahmen - wenn man draufsteht, dass man verloren hat." Sein Team hatte nur rund 45 Prozent Ballbesitz, aber 20 Torschüsse. Caradodo? 55 Prozent Ballbesitz, acht Schüsse, zwei Treffer - also eine Lektion in Effizienz aus der falschen Richtung.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Schon nach zwölf Minuten köpfte Innenverteidiger Adriano Machado nach einer Ecke von Iker Peyroteo zum 1:0 ein. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte der sonst eher bodenständige Abwehrhüne später. Nur zwölf Minuten danach legte der quirlige Agemar Manuel nach - nach traumhafter Vorarbeit des jungen Silvestre Meireles. 2:0, Caracas tobte, und der Gästeblock stand unter Schock.

Doch der erfahrene Nuno Jemez, 34 Jahre alt und immer noch mit der Eleganz eines Toreros unterwegs, brachte Caradodo kurz vor der Pause zurück. In der 39. Minute traf er nach Pass von Vincent Chalana zum 2:1. "Wir wollten zeigen, dass wir auch noch leben", meinte Jemez später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Charme und Trotz lag.

Die zweite Halbzeit begann so, wie sie enden sollte: mit viel Feuer, aber wenig Ordnung. Henke brachte zur 52. Minute den erfahrenen Miguel Costa, um das Mittelfeld zu stabilisieren - was ungefähr so funktionierte wie ein Regenschirm im Orkan. Caradodo drückte, und tatsächlich gelang David Caballero in Minute 58 der Ausgleich. Plötzlich stand es 2:2, und das Spiel kippte. Kurzzeitig.

Denn Real Caracas reagierte mit jugendlichem Übermut. Der 21-jährige Agemar Manuel, der an diesem Abend kaum zu bremsen war, traf in der 77. Minute erneut - diesmal nach einem cleveren Zuspiel von Abwehrmann Adriano Machado. "Ich hab ihn einfach angelacht, und er hat mir den Ball gegeben", grinste der Doppeltorschütze nach der Partie.

Als Caradodo dann alles nach vorne warf, passierte, was passieren musste: In der 88. Minute konterte Caracas blitzsauber. Der 19-jährige Vitor Andrade sprintete die linke Linie entlang, legte quer - und Iker Peyroteo vollendete zum 4:2-Endstand. Ein Tor aus dem Lehrbuch, und gleichzeitig der Moment, in dem die letzten Zweifel an diesem Sieg verflogen.

Caradodo-Trainer Miguel Torres (der nach Spielende lieber wortlos in der Kabine verschwand) hatte seine Elf von Beginn an offensiv eingestellt - "mit Pressing? Nein, danke!", wie es die Taktikdaten verrieten. Offensiv ja, aggressiv nein, und am Ende stand man etwas ratlos da. Auch wenn Caradodo über weite Strecken den Ball laufen ließ, blieb der Ertrag mager.

Henke hingegen durfte sich bestätigt fühlen. Sein "balanciertes" System funktionierte wie ein Uhrwerk mit kleinen Kratzern. "Wir wollten nicht schön aussehen, sondern gewinnen", meinte er später, während er sich genüsslich in die Trainerbank sinken ließ. Und das taten sie - mit jugendlichem Elan, etwas Glück und einer Prise Straßenfußball.

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Auf der Pressetribüne hörte man einen Kollegen murmeln: "Wenn das so weitergeht, muss Real Caracas bald Eintritt für das Spektakel verlangen."

Statistisch gesehen war es ein Lehrstück: 20:8 Torschüsse, mehr gewonnene Zweikämpfe (54 Prozent) und vier verschiedene Torschützen-Beteiligungen - von Verteidigern bis zu Flügelstürmern. Henke nannte es später "kollektives Chaos mit System".

Damit bleibt Real Caracas im oberen Tabellendrittel und beweist, dass man auch ohne Ballbesitz glänzen kann - solange man weiß, wohin das Tor steht.

Oder, wie Doppeltorschütze Agemar Manuel es formulierte, während er sich noch den Schweiß von der Stirn wischte: "Wenn du triffst, fragt keiner mehr, wie oft du den Ball hattest."

Und das, liebe Freunde des gepflegten venezolanischen Fußballs, ist wohl die ehrlichste Statistik des Abends.

11.12.643990 11:32
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Rainer Calmund
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