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Ein lauer Abend in Adagua, 20.000 Zuschauer, gute Stimmung - und am Ende ein kalter Schauer für die Heimfans: Real Caracas siegt beim Adagua FC mit 2:0 (1:0) und lässt die Hausherren ratlos zurück. Es war kein rauschendes Fußballfest, eher eine Lektion in Effizienz und Nervenstärke - vorgetragen von einem 21-jährigen Wirbelwind namens Agemar Manuel. Schon früh zeichnete sich ab, dass Real Caracas mehr Ernsthaftigkeit ins Spiel brachte. Kaum war die erste Minute angebrochen, sah Linksverteidiger Benjamin Celine Gelb - offenbar wollte er gleich klarmachen, dass man hier nicht zum Blumensammeln gekommen war. Trainer Eiko Henke grinste nach dem Spiel: "Benjamins Tackling war so übermotiviert, dass ich kurz dachte, er will sich selbst auswechseln." Adagua hatte zwar mit knapp 52 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, aber mit Ballbesitz allein gewinnt man bekanntlich keine Pokale. Fünf Torschüsse in 90 Minuten - das war so, als würde man mit einem Löffel statt einem Hammer auf den Nagel hauen. Real Caracas dagegen schickte elfmal die Kugel Richtung Tor und traf zweimal punktgenau ins Herz der Gastgeber. Der erste Stich kam in der 18. Minute: Ein schneller Angriff über die rechte Seite, der 17-jährige Lukasz Piszczek flankt flach hinein, und Agemar Manuel, jung, flink und ohne Respekt, schiebt eiskalt ein. 1:0 Caracas. Während die Fans von Adagua noch protestierten, dass der Ball angeblich im Aus war, jubelten die Gäste ausgelassen. "Ich hab einfach geschossen, weil keiner kam", erklärte Manuel später mit einem Grinsen. Adagua versuchte, sich aufzurappeln. Carl Morte prüfte den Keeper Helmut Ackermann in der 9. Minute, Ricardo Assis tat es ihm in der 41. gleich, doch Ackermann war an diesem Abend ein Fels. Selbst als Rhys Farquharson kurz vor der Pause aus spitzem Winkel abzog, blieb der Torwart stoisch - als hätte er einen Magneten im Handschuh. Kurz vor der Halbzeit dann ein Schreckmoment für Caracas: Innenverteidiger Adriano Machado blieb nach einem Kopfballduell liegen und musste kurz darauf raus. Trainer Henke brachte Kai Marx, der später lakonisch meinte: "Ich kam rein, um Beton anzurühren - und das hat offenbar funktioniert." Die zweite Halbzeit begann mit einem kurzen Aufflackern von Adagua-Hoffnung. Trainerkommandos hallten durchs Stadion, "mehr über außen!" war zu hören. Doch die präzisen Flanken blieben Fiktion. Stattdessen zeigte Real Caracas die reifere Spielanlage - ruhig, abgeklärt, mit Passstaffetten, die fast schon provozierend wirkten. In der 54. Minute hatte Farquharson die vielleicht größte Chance für die Gastgeber, doch sein Schuss segelte über die Latte und landete irgendwo zwischen Popcornstand und enttäuschtem Fan. Da konnte man fast Mitleid haben - fast. Dann wurde es kurz hitzig: In der 68. Minute verletzte sich Ricardo Assis, das Publikum hielt den Atem an. Er wurde durch den jungen David Xavier ersetzt, der prompt sein Debüt gab und später sagte: "Ich hatte nicht mal Zeit, meine Schuhe richtig zu binden." Dazu passte, dass Paulo Pere in der 86. Minute Gelb sah - ein Foul aus Frust, wie es im Lehrbuch steht. Und während Adagua noch nach der letzten Idee suchte, machte Agemar Manuel in der 88. Minute alles klar. Wieder ein schneller Gegenstoß, diesmal über Daniel Gebhardt, der perfekt querlegte. Manuel musste nur noch den Fuß hinhalten - 2:0. Das Stadion verstummte, nur der Gästeblock tobte. "Wir haben heute unsere Chancen genutzt, das war der Unterschied", bilanzierte Trainer Henke sachlich. Sein Gegenüber, Adaguas Coach - der sich nach dem Schlusspfiff wortlos in die Kabine verzog - ließ nur ausrichten: "Wir hatten den Ball, sie die Tore." Treffender lässt sich das Spiel nicht zusammenfassen. Real Caracas zeigte, dass Effektivität manchmal schöner ist als Ballbesitz-Fußball. Und Agemar Manuel? Der 21-Jährige grinste beim Verlassen des Platzes: "Zwei Tore, kein Selfie - heute war ich altmodisch." In Adagua dagegen blieb nur die Erkenntnis: Wer zu viel den Ball streichelt, vergisst irgendwann, ihn ins Tor zu schießen. Vielleicht üben sie bis zum nächsten Heimspiel einfach mal drauflos - ganz ohne Taktiktafel. 29.11.643990 17:49 |
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