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Es war einer dieser Abende im Januar, an denen Caracas unter Flutlicht glüht und 42.000 Zuschauer im Stadion El Nacional das Gefühl hatten, Zeugen eines kleinen Fußballkunstwerks zu werden. Real Caracas, die Mannschaft von Trainer Eiko Henke, spielte sich im Halbfinale des Pokals in einen wahren Rausch - 4:0 hieß es am Ende gegen Lladeros Guanare, und das war nicht einmal zu hoch. Dabei begann die Partie harmlos, fast höflich. Beide Teams tasteten sich ab, und wenn man ehrlich ist, war die erste Halbzeit eher ein Bewerbungsvideo für defensive Stabilität. 51 Prozent Ballbesitz für Caracas, 49 für Guanare - das klang nach Gleichgewicht, sah aber nach gepflegtem Stillstand aus. "Ich hab in der Pause gesagt: Jungs, ihr dürft ruhig mal in Richtung Tor schießen", grinste Henke später. Dann kam Minute 55, und plötzlich explodierte das Spiel. Georg Berg, 34 Jahre jung, Fußballarbeiter mit dem Charme eines alten Fiat, drosch den Ball nach einem Abpraller ins Netz - 1:0. Das Stadion vibrierte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Berg später lachend zu, "aber der Ball hatte andere Pläne." Von da an war Caracas nicht mehr zu halten. Nur sieben Minuten später legte Laurent Lenentine nach. Der Rechtsaußen, sonst eher der Mann für den letzten Pass, zog einfach mal ab - quer durch die Beine eines verdutzten Verteidigers, vorbei am Torwart Ingo Manu. 2:0, und die Tribünen bebten. Lladeros Guanare, bis dahin bemüht, aber harmlos, wirkte konsterniert. Michel Yaguez versuchte, das Spiel an sich zu reißen, rannte, schimpfte, gestikulierte - vergeblich. Ihre besten Chancen vergaben Nevio Andrade und Ingo Viana, deren Distanzschüsse eher Erinnerungen an Feldhockey weckten als an Fußball. Dann der Auftritt von Xavi Eusebio, dem eleganten Mittelfeldlenker der Gastgeber. In der 68. Minute spielte er einen Doppelpass mit seinem Innenverteidiger Tomas Fritz - ja, richtig gelesen, der Innenverteidiger - und schob den Ball seelenruhig ins linke Eck. 3:0, das Finale winkte. "Wir hatten in diesem Moment einfach Spaß", sagte Eusebio später. "Und wenn du Spaß hast, triffst du auch." Nur fünf Minuten danach revanchierte sich Fritz für die Vorlage, indem er selbst traf. Nach einer Ecke von Berg stieg er in der 73. Minute am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ein. 4:0, die Entscheidung. Von da an war es ein Schaulaufen. Caracas kombinierte, Guanare kämpfte - aber der Ausgang stand fest. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen, aber in Wahrheit trennte die Teams ein ganzer Ozean. 14 Torschüsse für Caracas, sieben für Guanare - doch während die Hausherren zielstrebig wirkten, verirrten sich die Gäste in der eigenen Ideenlosigkeit. Trainer Henke blieb trotzdem bescheiden: "Wir haben Glück, dass unsere Jungs im richtigen Moment wach wurden. In der ersten Halbzeit hätte ich auch fast eingeschlafen." Guanare-Coach, dessen Name die Reporter nicht überliefert haben, stapfte nach Abpfiff mit gesenktem Kopf vom Platz und murmelte etwas von "unglücklichen Minuten". Seine Spieler wirkten, als wollten sie am liebsten im Bus verschwinden, bevor die Presse sie findet. Im Gegensatz dazu feierten die Fans von Real Caracas eine kleine Fiesta. Bengalos, Gesänge, Trommeln - und auf dem Rasen tanzte Georg Berg, der Held der ersten Stunde, mit einer Pappkrone auf dem Kopf. "Wenn wir schon im Finale stehen, dann will ich da auch ein Tor machen", rief er in die Mikrofone. "Oder wenigstens wieder flanken." Am Ende blieb der Eindruck einer Mannschaft, die im richtigen Moment explodierte. Die taktischen Daten verraten wenig Spektakuläres - alles "balanced", alles "standard", nichts mit Pressing oder wildem Offensivfeuerwerk. Und doch: vier Tore aus dem Nichts, als hätte jemand in der Kabine einen Schalter umgelegt. Caracas steht nun im Pokalfinale, verdient, souverän und mit einem Augenzwinkern. Und vielleicht, ganz vielleicht, wird man in einigen Jahren sagen: Das war der Abend, an dem aus Routine Magie wurde. Oder, wie Trainer Henke es trocken formulierte: "Wir haben das Spiel nicht gewonnen, weil wir besser waren. Wir haben es gewonnen, weil wir’s einfach mehr wollten - und weil Georg Berg anscheinend doch kein Außenverteidiger ist." Ein Abend für die Geschichtsbücher - und für alle, die glauben, Fußball sei manchmal einfach nur Mathematik. In Caracas hat er an diesem Freitagabend bewiesen, dass er immer noch Poesie sein kann. 31.12.643987 13:23 |
Sprücheklopfer
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