Noticiero VeneVision
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Real Caracas siegt spät - Gallardo lässt Merida verzweifeln

Ein milder Februarabend in Mérida, 25.099 Zuschauer im Estadio Nacional und das Gefühl, dass Jürgen Klopp heute wieder etwas Magisches aus dem Hut zaubern könnte. Doch am Ende stand der Deutsche mit verschränkten Armen und dem typischen "Wie konnte das passieren?"-Blick an der Seitenlinie, während Eiko Henke, der sonst so nüchterne Trainer von Real Caracas, fast tanzte. Sein Team gewann beim Colegio Merida mit 2:1 - und das, obwohl die Gastgeber über weite Strecken das Spiel kontrollierten.

Dabei hatte alles nach einem typischen Klopp-Abend ausgesehen. Merida spielte offensiv, mit viel Ballbesitz (53 Prozent) und sichtlichem Drang nach vorn. Schon in der ersten Minute prüfte Egidius Brinkerhoff den Caracas-Keeper Helmut Ackermann mit einem satten Schuss, der aber zu zentral kam. Klopp klatschte, grinste - "So will ich das sehen!", rief er seinem Team zu.

Doch Real Caracas war eiskalt. In der 14. Minute kombinierten sich die Gäste über die rechte Seite nach vorn, der 17-jährige Rafael Leao legte clever quer, und Carlos Panero schob trocken zum 0:1 ein. Ein Tor, so präzise wie unverschämt einfach. "Ich hab’ einfach gespürt, dass er den Ball so spielt", sagte Panero später mit einem Zwinkern. Henke kommentierte trocken: "Das war kein Zufall, das war Training. Naja, fast."

Doch Merida antwortete - und zwar mit Wucht. Nach 26 Minuten stieg Innenverteidiger Jakob Schultz nach einer Ecke höher als alle anderen und köpfte zum 1:1 ein. Brinkerhoff hatte die Flanke geliefert, und die Fans explodierten. Schultz grinste später: "Ich hab’ kurz vergessen, dass ich Verteidiger bin." Klopp brüllte an der Seitenlinie in bester Liverpool-Manier, die Faust in der Luft.

Bis zur Pause blieb es beim 1:1, auch weil Real Caracas zwar gefährlicher wirkte, aber im Abschluss nachlässig war. Francisco Gallardo vergab gleich drei gute Chancen, einmal traf er sogar den Pfosten. "Ich wollte den Ball da reinmalen, aber mein Pinsel war krumm", sagte der Stürmer später lachend.

Nach der Pause blieb das Spiel offen. Merida suchte den Weg nach vorn, doch Caracas verteidigte cleverer und lauerte auf Konter. In der 52. Minute sah Paulo Marquez Gelb, nach einem taktischen Foul, das mehr Frust als Notwendigkeit verriet. Klopp gestikulierte wild, redete mit dem vierten Offiziellen, vermutlich über Gerechtigkeit im Weltfußball.

Dann kam die 70. Minute - und mit ihr die Entscheidung. Ausgerechnet Gallardo, der zuvor Chancen am Fließband vergeben hatte, traf nach Pass von Rechtsverteidiger Veljko Tosic zum 2:1 für Real Caracas. Der Schuss war halb Volley, halb Befreiungsschlag, aber er saß. Henke jubelte mit geballter Faust und sagte später: "Ich hatte das Gefühl, Francisco musste einfach so oft danebenhauen, bis er endlich das richtige Ziel fand."

Merida warf danach alles nach vorn. Schultz, der Torschütze, verwandelte sich kurzzeitig in einen Mittelstürmer, Roger Bergen und Antonio Arino prüften Ackermann in der Schlussphase mehrfach - doch der Torwart hielt, was zu halten war. Bei einem Schuss in der 86. Minute flog er so spektakulär, dass selbst die Heimfans applaudierten.

Statistisch gesehen hätte Merida zumindest ein Unentschieden verdient gehabt: mehr Ballbesitz, mehr Passkontrolle, zwei Gelbe Karten (die zwar unnötig, aber immerhin leidenschaftlich waren). Doch Fußball wird nicht nach Prozenten entschieden.

Nach Abpfiff schüttelten sich die Trainer die Hände. "Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht", meinte Klopp und fügte mit einem Lächeln hinzu: "Aber Real Caracas war heute einfach ein bisschen gemeiner." Eiko Henke grinste breit: "Manchmal ist gemein die bessere Taktik."

Während die Spieler von Caracas noch auf dem Rasen tanzten, stapfte Klopp mit Händen in den Taschen Richtung Kabine. Schultz rief ihm nach: "Chef, kein schlechtes Spiel, oder?" Klopp drehte sich um, lachte und meinte: "Nein, nur das Ergebnis!"

Und so ging ein Abend zu Ende, der alles hatte: Tempo, Emotionen, ein bisschen Chaos und einen Helden namens Gallardo. Für Real Caracas war es der zweite Sieg in Folge - für Colegio Merida ein Dämpfer, aber einer mit Stil.

Vielleicht lag es an der dünnen Höhenluft von Mérida, vielleicht an der jugendlichen Frische eines 17-jährigen Leao - oder einfach daran, dass der Fußball manchmal keine Gerechtigkeit kennt. Wie auch immer: Real Caracas nimmt drei Punkte mit nach Hause, und Merida bleibt mit der Erkenntnis zurück, dass Dominanz allein noch keine Tore schießt.

Oder, wie Klopp es nachdenklich zusammenfasste: "Wir hatten den Ball - sie das Glück. Und leider zählt das Letztere auf der Anzeigetafel."

26.07.643990 15:01
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