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Es war ein Abend, der für Real Caracas alles bereithielt: frühe Nervosität, jugendliche Unbekümmertheit, gelbe Karten wie Kamillentee - und am Ende ein Punkt, der sich eher nach Arbeit als nach Feier anfühlte. 31.898 Zuschauer im Estadio Metropolitano sahen beim 29. Spieltag der 1. Liga Venezuela ein 2:2, das beiden Seiten schmeichelte und doch niemanden wirklich glücklich machte. Die Gäste von Adagua FC kamen mit offenem Visier. Trainer Eiko Henke hatte seine Elf zwar "balanciert" ausgerichtet, aber was nützt die Theorie, wenn Rhys Farquharson schon in der 38. Minute beschließt, den Gastgebern einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen? Nach feinem Zuspiel von Bogdan Juran zog der 21-Jährige von rechts nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - 0:1. Caracas’ Torwart Helmut Ackermann sah dem Ball so hilflos hinterher, als habe ihm jemand die Fernbedienung weggenommen. "Wir haben in der ersten Halbzeit einfach zu brav gespielt", schimpfte später Henkes Gegenüber in der Coachingzone, Adagua-Coach (Name unbekannt, aber im Protokoll stand kein anderer). "Caracas hat uns eingeladen, Fußball zu spielen - und wir haben höflich angenommen." Doch die zweite Halbzeit sollte das Spiel kippen. Kaum war wieder angepfiffen, da zeigte die Jugend von Real Caracas, warum sie in dieser Liga für Gesprächsstoff sorgt. In der 49. Minute bediente der 19-jährige Tiago Bauza seinen gleichaltrigen Kollegen Silvestre Meireles, der den Ball aus 18 Metern trocken in die Maschen setzte. 1:1 - und das Stadion erwachte. Vier Minuten später drehte sich das Spiel endgültig. Jorge Ximenes, gerade einmal 20 Jahre jung, traf nach Vorarbeit von Ferenc Soos zum 2:1. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Ximenes später. "Wenn man jung ist, denkt man nicht so viel nach." Trainer Henke, sonst ein Mann der ruhigen Worte, sprang da schon jubelnd an der Seitenlinie - allerdings nur kurz. Denn Adagua FC schlug zurück. In der 74. Minute, als Real Caracas gerade dabei war, die drei Punkte einzutüten, stieg Innenverteidiger Agustin Peyroteo nach einer Ecke von Carl Morte am höchsten und köpfte zum 2:2 ein. Dass ein 33-jähriger Abwehrmann das Tor erzielte, passte ins Bild: Erfahrung gegen jugendlichen Überschwang - ein Abend der Gegensätze. Von da an wurde es ruppiger. Sechs Gelbe Karten zückte der Schiedsrichter, verteilt auf beide Lager. Besonders Adriano Machado (68.) und Veljko Tosic (86.) bei Caracas mussten sich zurückhalten. "Ich wollte doch nur den Ball spielen", verteidigte sich Tosic später mit einem unschuldigen Lächeln, das selbst der Vierte Offizielle nicht glauben konnte. Henke reagierte auf die nachlassende Konzentration seines Teams mit gleich drei Wechseln binnen weniger Minuten: Phillip Stephan und Veljko Tosic kamen in der 77., Georg Berg folgte in der 80. Minute. "Ich wollte frische Beine bringen", erklärte der Trainer. "Bekommen habe ich frische Fouls." Statistisch gesehen war Caracas das aktivere Team (13 Torschüsse zu 8), doch Adagua hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent) und die reifere Spielanlage. Die Gastgeber liefen viel, pressten kaum und vertrauten auf den Moment - manchmal zu sehr. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", sagte Kapitän Alex Barros, der in der 27. Minute Gelb sah. "Aber Kontrolle ist nicht unsere größte Stärke, eher Chaos mit Stil." Die letzten Minuten gehörten Caracas. Ximenes prüfte in der 85. Minute noch einmal Keeper Joseba Veloso, doch der reagierte glänzend. Als der Schlusspfiff ertönte, atmeten beide Seiten auf - Real Caracas, weil sie den Punkt nicht hergeschenkt hatten, und Adagua, weil sie ihn sich redlich verdient hatten. Im Presseraum klang Henke dennoch kämpferisch: "Wir haben Charakter gezeigt. Zwei Teenager-Tore, das ist unsere Zukunft." Auf die Frage, ob er mit dem Ergebnis zufrieden sei, grinste er schief: "Sagen wir so - ich bin nicht unzufrieden genug, um das Training morgen abzusagen." Und so blieb es bei einem 2:2, das wohl keinem Trainer graue Haare erspart und keinem Fan das Herz gebrochen hat. Ein Spiel zwischen jugendlicher Euphorie und abgezockter Routine - und ein weiterer Beweis, dass Fußball in Caracas selten leise endet. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das Balanciertheit war, will ich gar nicht wissen, wie Offensiv aussieht." 31.12.643987 13:24 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet