Noticiero VeneVision
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Real Caracas lässt Anzoátegui alt aussehen - jugendliche Unbekümmertheit siegt

Ein lauer Abend in Caracas, 26.483 Zuschauer, eine Flutlichtstimmung wie gemalt - und zwei Teams, die eigentlich beide "ausgeglichen" spielen wollten, zumindest laut Taktikzettel. Was folgte, war eine erste Halbzeit, die eher an ein Bewerbungsschreiben der Jugendabteilung von Real Caracas erinnerte als an ein klassisches Ligaspiel. Am Ende stand ein verdienter 2:0‑Erfolg gegen Atlético Anzoátegui, der den Hauptstadtklub zumindest für eine Nacht an die Tabellenspitze der 1. Liga Venezuelas beförderte.

Schon in der 11. Minute wackelten die Zuschauer auf den Betonstufen, als der erst 19‑jährige Vitor Andrade einen Pass des routinierten Innenverteidigers Phillip Stephan eiskalt im Netz versenkte. Stephan, sonst eher für rustikale Grätschen als für feine Vorlagen bekannt, grinste danach: "Ich wollte eigentlich nur klären - aber Vitor hat’s als Assist verstanden." Trainer Eiko Henke kommentierte trocken: "Dann nennen wir das eben taktisch geplantes Chaos."

Nur neun Minuten später legte der 17‑jährige José Adao nach - und das ebenfalls nach Vorarbeit eines jungen Kollegen: Daniel Gebhardt hatte den Ball mit einer Mischung aus jugendlicher Naivität und übermütigem Selbstvertrauen steil in die Spitze gespielt. Adao nahm ihn elegant mit, tanzte noch kurz um Verteidiger Morais herum und schob zum 2:0 ein. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte der junge Flügelstürmer später mit einem schelmischen Grinsen. "Vielleicht war das das Geheimnis."

Anzoátegui, das nominell mehr Ballbesitz hatte (51,5 %), wirkte fortan wie ein Team, das zwar den Ball, aber keine Idee hatte, wohin damit. Acht Torschüsse verzeichnete die Statistik - die meisten davon endeten im Fangnetz oder in den sicheren Armen von Real‑Keeper Helmut Ackermann. Der brüllte nach einer Parade in der 59. Minute so laut, dass selbst die Ersatzspieler kurz zusammenzuckten: "Nicht durch die Mitte, Jungs!" Man hätte ihm fast ein Megafon reichen wollen.

Real Caracas präsentierte sich dagegen zielstrebiger. Ganze 16 Torschüsse, viele davon gefährlich, und auch nach der Pause ließ das junge Team nicht locker. Besonders Adao blieb ein ständiger Unruheherd - seine Schüsse in der 73., 76., 84. und sogar in der 90. Minute hätten das Ergebnis leicht in die Höhe treiben können. "Der Junge hat mehr Energie als mein gesamter Kaffeekonsum in drei Tagen", witzelte Henke nach dem Spiel.

Atlético‑Trainer, der die Pressekonferenz lieber mit einem müden Lächeln als mit Antworten eröffnete, meinte schließlich: "Wir hatten Kontrolle, aber Caracas hatte Mut. Und Mut gewinnt manchmal Spiele." Fast hätte man ihn bemitleiden können, zumal sein Team in der Schlussphase auch noch Pech hatte: Rechtsverteidiger James Caroll verletzte sich in der 88. Minute und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Iker da Costa - der dann gleich eine Flanke ins Nichts schlug.

Die Partie war über weite Strecken fair - zwei Gelbe Karten, eine für Adriano Machado (Real, 19.) und eine für Morais (Anzoátegui, 45.), waren eher Ausdruck von Frust als von Bosheit. "Gelb ist das neue Rot für mich", scherzte Machado, "ich sammel sie wie Panini‑Bilder."

In der zweiten Halbzeit versuchte Atlético mit langen Bällen etwas Druck aufzubauen, doch Real Caracas spielte die Partie mit erstaunlicher Reife zu Ende. Selbst als Coach Henke in der 65. Minute den erfahrenen Frederic Prentiss durch den 17‑jährigen Lukasz Piszczek ersetzte, blieb die Ordnung stabil. "Ich hab ihm gesagt: Wenn du nervös bist, tu so, als würdest du FIFA spielen", verriet Henke augenzwinkernd. Offenbar half der Tipp.

Statistisch gesehen war das Spiel ein Musterbeispiel für Effizienz: weniger Ballbesitz, aber mehr Chancen, mehr Torgefahr, bessere Zweikampfquote (52,9 % gewonnene Duelle). Und wenn man den Gesichtern der Fans beim Abpfiff Glauben schenken darf, war es auch ein Abend, an dem Real Caracas ein Stück weit sein neues Gesicht zeigte - jung, mutig, frech.

"Wir haben gezeigt, dass Alter nur eine Zahl ist", sagte Andrade, der Torschütze des ersten Treffers, noch auf dem Weg in die Kabine. Ein Reporter fragte ihn, ob er jetzt schon an die Nationalmannschaft denke. "Vielleicht nächste Woche", grinste er.

Atlético Anzoátegui dagegen wird sich fragen müssen, wie man mit mehr Ballbesitz so wenig anfangen kann. Vielleicht lag es an der fehlenden Durchschlagskraft, vielleicht an der guten Defensive der Hausherren - oder einfach an einem dieser Abende, an denen der Fußball beschließt, dass er lieber den Mutigen gehört.

Und so verließ das Publikum das Stadion zufrieden, manche summend, manche diskutierend, alle aber mit dem Gefühl, etwas gesehen zu haben, das in seiner jugendlichen Leichtigkeit fast nostalgisch wirkte. Real Caracas hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte, sondern auch ein bisschen Hoffnung auf eine aufregende Saison gewonnen.

Denn wenn 17‑ und 19‑Jährige so spielen, als hätten sie nie etwas von Druck gehört - dann darf man träumen.

20.06.643990 21:35
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