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Es war ein Samstagabend in Caracas, wie er im venezolanischen Fußballbuch steht: 38.259 Zuschauer, laute Trommeln, gebratene Arepas in der Luft - und ein Spiel, das mit einem Paukenschlag begann. Sporting Petare, der ewige Nachbar und ungeliebte Rivale, legte los, als wollte man den Heimfans gleich zu Beginn das Herz brechen. Schon in der 5. Minute netzte Hugo Meira für die Gäste ein - nach einem sauberen Querpass von Felipe Niguez, der auf der rechten Seite mehr Platz hatte als ein Sonntagsfahrer auf leerer Landstraße. "Wir wollten ein Zeichen setzen", sagte Meira später. "Leider war es eher ein Ausrufezeichen mit Bleistift." Das frühe 0:1 schien Real Caracas allerdings kaum zu beeindrucken. Trainer Eiko Henke, der an der Seitenlinie stoisch in seinen Notizblock kritzelte, murmelte irgendetwas von "Geduld und Balance" - und tatsächlich: Sein Team fand die Ruhe wieder. Schon elf Minuten später, in der 16. Minute, schlug der Rechtsverteidiger Veljko Tosic zu, als wäre er plötzlich zum Stürmer umgeschult worden. Nach einem herrlichen Zuspiel von Julian de Almeida drosch Tosic den Ball humorlos unter die Latte. 1:1 - und das Stadion erwachte endgültig. "Ich hab’ einfach gedacht: Wenn keiner schießt, dann mach ich’s halt", grinste Tosic nach Abpfiff. Trainer Henke schüttelte dazu den Kopf: "Das war so nicht im Plan, aber ich beschwer’ mich natürlich nicht." Von nun an war Real Caracas das tonangebende Team. 51 Prozent Ballbesitz, 13 Schüsse aufs Tor - und das Gefühl, dass da noch mehr drin war. Petare hingegen kämpfte, bissig, aber ohne klare Linie. "Wir haben offensiv gespielt, aber irgendwie fehlte der letzte Funke", sinnierte Gäste-Coach Miguel Ferron - und meinte damit wohl weniger die Taktik als den Mut. In der 40. Minute fiel dann die Entscheidung: Francisco Gallardo, der flinkfüßige Linksaußen, nahm eine Vorlage von Iker Peyroteo elegant mit, drehte sich einmal um die eigene Achse und schob den Ball an Torwart Enrique Moutinho vorbei. 2:1 - und Real Caracas war endgültig Herr im eigenen Haus. Peyroteo, der Antreiber im Mittelfeld, jubelte nicht einmal groß: "Ich hab’s kommen sehen. Paco war einfach heiß. Ich musste ihn nur füttern." Zur Pause standen die Zeichen klar auf Sieg, und auch wenn Petare in der zweiten Hälfte noch ein paar Akzente setzte - etwa durch den jungen Pedro Segura, der in der 46. Minute aus spitzem Winkel scheiterte - blieb der große Umschwung aus. Real Caracas spielte die Partie clever herunter, ohne zu glänzen, aber mit der Abgeklärtheit eines Teams, das weiß, dass drei Punkte auch ohne Feuerwerk zählen. In der 48. Minute brachte Henke frische Beine: Der 21-jährige Agemar Manuel kam für den müden Carlos Panero, und auch Daniel Gebhardt ersetzte Altmeister Laurent Lenentine. "Zwei Wechsel, um die Linien dicht zu halten", erklärte Henke später. "Und um Laurent einen Kaffee zu gönnen." Manuel, der Jungspund, hatte noch zwei gute Szenen - in der 63. und 91. Minute prüfte er Moutinho mit ordentlichen Schüssen -, doch das 3:1 wollte nicht mehr fallen. Petare versuchte es weiter, meist über den engagierten Guillermo Semedo, doch Real Caracas verteidigte mit der nötigen Ruhe. Nur einmal, in der 79. Minute, wurde es noch hitzig: Petare-Verteidiger Helmut Mai holte Gallardo rustikal von den Beinen und sah Gelb. "Ich hab’ doch nur den Ball gespielt", protestierte Mai - worauf Gallardo trocken antwortete: "Welchen Ball?" So blieb es beim 2:1-Endstand, einem Arbeitssieg mit Stil, und Henke durfte sich nach Abpfiff feiern lassen. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte er, "und manchmal ist das wichtiger als Schönheit." Die Statistik unterstreicht das: Real Caracas mit leichter Überlegenheit im Ballbesitz (51%), mehr Torschüssen (13:7) und besserer Zweikampfquote (54% zu 46%). Ein verdienter Sieg, auch wenn Petare zu Beginn gefährlicher wirkte. Zum Schluss stand Henke noch einmal vor der Kurve, hob die Faust und grinste. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Wenn wir schon gewinnen, dann wenigstens mit Drama." Mission erfüllt. Und während die Fans sangen und Gallardo seinen kleinen Sohn über den Rasen trug, blieb ein Gedanke hängen: In Caracas wird nicht nur Fußball gespielt - hier wird er gelebt, gelitten und manchmal auch mit einem Augenzwinkern gewonnen. 10.08.643993 18:17 |
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
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