Noticiero VeneVision
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Real Caracas dreht das Spiel - Tachira verzweifelt an der Effizienz

Es war ein lauer Samstagabend in San Cristóbal, doch auf dem Rasen des Estadio Polideportivo de Pueblo Nuevo ging es heiß her. 20.000 Zuschauer sahen ein Duell, das alles bot - Tempo, Emotionen, jugendliche Unbekümmertheit und die eine oder andere Szene zum Kopfschütteln. Am Ende stand ein 1:2 aus Sicht von UD Tachira gegen Real Caracas, ein Ergebnis, das man im Heimlager wohl noch länger nicht verdaut haben wird.

Tachira begann, wie man es von einer Mannschaft erwartet, die zu Hause spielt - offensiv, mutig, fast ein wenig übermütig. Trainer Eiko Henke auf der Gegenseite hatte sein Caracas-Team zunächst vorsichtig eingestellt, doch die Gastgeber wollten von Beginn an zeigen, wem das Stadion gehört. Schon in der 6. Minute prüfte Vitorino Alcantara den Gästetorwart Helmut Ackermann mit einem satten Linksschuss. "Da dachte ich, jetzt geht’s los”, grinste Alcantara nach dem Spiel. Und tatsächlich, nur 19 Minuten später fiel das 1:0: Alcantara flankte, Carlos Veloso stieg am höchsten und köpfte wuchtig ein - ein Bilderbuchtor.

Das Stadion tobte. "In dem Moment dachte ich, wir reißen heute Caracas auseinander”, sagte Veloso später mit einem bitteren Lächeln. Doch Fußball hat seine eigenen Gesetze - und eines davon lautet, dass Chancen nicht zählen, wenn man sie nicht nutzt. Tachira hatte zwölf Torschüsse, spielte 54 Prozent der Zeit den Ball, doch Real Caracas war klinischer, kälter, reifer.

Kurz vor der Halbzeit, als die Heimfans schon über die Pausenempanadas nachdachten, kam der Schock. Der 19-jährige Silvestre Meireles setzte sich auf der linken Seite durch, flankte flach in den Strafraum - und Agemar Manuel stocherte den Ball in der 44. Minute über die Linie. 1:1. "Ich hab’ einfach den Fuß hingehalten”, lachte der 21-Jährige nach dem Spiel. "Trainer Henke hat gesagt: Wenn ihr schon nicht zaubert, dann wenigstens stochern - hat funktioniert.”

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Tachira drückte, Caracas lauerte. Der Heimtrainer - dessen Name der Club wie ein Staatsgeheimnis hütet - schrie sich an der Seitenlinie die Seele aus dem Leib, aber seine Spieler fanden den Weg ins Tor nicht mehr. Stattdessen drehte der Teenager Vitor Andrade in der 66. Minute auf: ein schneller Doppelpass mit dem kurz zuvor eingewechselten Tiago Bauza, ein Haken nach innen, ein Schuss - 1:2. Eiskalt, präzise, wunderschön.

"Vitor spielt, als würde er auf dem Schulhof kicken - völlig ohne Angst”, schwärmte Henke nach der Partie. Der Coach, sonst eher nüchtern, ließ sich ein seltenes Schmunzeln entlocken: "Manchmal ist Unbekümmertheit die beste Taktik.”

Tachira warf in der Schlussphase alles nach vorne. Eric LaClaire verfehlte in der 90. Minute per Volley knapp, und selbst Torhüter Mario Postiga tauchte in der Nachspielzeit im gegnerischen Strafraum auf - erfolglos. "Ich wollte wenigstens mal den Ball anfassen”, grummelte Postiga später, "aber der Schiri hatte wohl was dagegen."

Die Zahlen erzählten am Ende eine bittere Wahrheit: Gleich viele Torschüsse (12:12), leicht mehr Ballbesitz für Tachira (54 Prozent), aber null Punkte. Real Caracas zeigte, dass Effizienz kein Zufall ist, sondern eine Kunst.

Nach dem Abpfiff standen die Spieler beider Teams erschöpft, aber respektvoll beieinander. Andrade, der Matchwinner, wurde von den Heimfans sogar mit Applaus verabschiedet - eine seltene Geste. "Ich hab’ Gänsehaut bekommen”, sagte der 19-Jährige, "das war größer als das Tor.”

Und Tachira? Die Fans sangen trotzdem weiter, als wolle man den Frust wegsingen. Trainer Henke meinte dazu nur trocken: "Wenn man auswärts gewinnt und trotzdem ausgebuht wird, dann weiß man, dass man alles richtig gemacht hat.”

Ein Spiel, das kein Fußballlehrbuch schöner hätte schreiben können: ein erfahrener Gastgeber, der das Heft in der Hand hat, und eine junge, eiskalte Truppe aus Caracas, die aus drei Chancen zwei Tore macht. Tachira spielte, Caracas siegte - und irgendwo in der Abendluft von San Cristóbal lag dieses unausgesprochene Gefühl: Es war ein gerechtes, wenn auch schmerzhaft ehrliches Ergebnis.

Vielleicht tröstet Tachira der Gedanke, dass Schönheit im Fußball manchmal zweitrangig ist. Oder, wie es Veloso mit einem Schulterzucken ausdrückte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Punkte - unentschieden ist das nicht.”

18.11.643990 07:50
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