El Mercurio
+++ Sportzeitung für Chile +++

Rafael Morais trifft spät - Concepcion ringt Vina del Mar nieder

Es war ein Spiel, das wohl niemand der 12.500 Zuschauer im Estadio Municipal so schnell vergessen wird - nicht, weil es von Anfang an spektakulär gewesen wäre, sondern weil es bis zur letzten Minute auf der Kippe stand. UD Concepcion gewann am 12. Spieltag der 1. Liga Chile mit 1:0 gegen Vina del Mar - dank eines Treffers von Rafael Morais in der 90. Minute. Und wie Trainer Benjamin Merkel danach trocken meinte: "Wir haben uns den Sieg verdient - irgendwann musste ja mal einer reingehen."

Dabei sah lange Zeit alles nach einem jener Abende aus, an denen der Fußballgott schlicht keine Lust auf Tore hat. Concepcion begann mutig, hatte in den ersten 15 Minuten gleich drei gute Abschlüsse. Javier Doreste prüfte nach vier Minuten den gegnerischen Keeper Callum Cromwell, kurz darauf versuchte es Rafael Morais zweimal in Serie - allesamt solide Chancen, aber eben ohne Happy End. Auf der Tribüne murmelte ein älterer Fan sarkastisch: "Wenn die so weiterschießen, brauchen wir bald ein neues Tornetz - vom vielen Streicheln."

Vina del Mar antwortete mit gepflegtem Ballbesitz (am Ende 51,6 Prozent), aber wenig Durchschlagskraft. In der 28. Minute zog Ivan Moutinho erstmals gefährlich ab, doch Javi Zahinos im Tor der Gastgeber war zur Stelle. Auch Jose Mocana (31.) und später erneut Moutinho (47.) fanden in ihm ihren Meister. "Zahinos hatte heute Hände wie Magneten", lobte Concepcion-Verteidiger Mario Derlei später - allerdings nicht, ohne süffisant hinzuzufügen: "Nur bei Abstiegen zu hoher Flanken wird er manchmal zum Philosophen - er denkt zu lange nach."

Die erste Hälfte endete 0:0, und man konnte das Gefühl nicht loswerden, dass beide Teams mit angezogener Handbremse spielten. Trainer Merkel wirkte an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade den defekten Toaster reparieren möchte - mit Geduld, aber wachsender Wut. "Ich hab ihnen in der Pause gesagt: Traut euch was. Fußball ist kein Bewerbungsgespräch", verriet er später.

Nach dem Seitenwechsel wurde es giftiger. Miguel Santoy von Vina del Mar sah in der 46. Minute Gelb, nachdem er den flinken Doreste etwas zu herzlich in die Bande schickte. Die Partie nahm an Intensität zu, was nicht immer schön, aber immerhin spannend war. Concepcion drückte - Vogel (25.) hatte schon in Halbzeit eins einen seiner berühmten "Warum-nicht-mal"-Schüsse abgegeben, Doreste versuchte es in der 80. Minute erneut. Doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie.

Dann kam die 90. Minute. Eine letzte Flanke von Doreste von links, halb Schuss, halb Gebet. Und plötzlich war da Rafael Morais, der alte Haudegen, 32 Jahre jung, mit der Ruhe eines Mannes, der schon zu viele Chancen vergeben hat. Ein kurzer Schritt, ein gezielter Schuss - und das Stadion explodierte. 1:0. Die Fans auf der Haupttribüne sprangen auf, als wäre Weihnachten und Karneval zusammengefallen. "Ich hab einfach gehofft, dass er diesmal nicht den Pfosten sucht", grinste Doreste nach Spielende.

Vina del Mar versuchte noch einmal alles, brachte den Ball aber nicht mehr gefährlich vor das Tor. Ingo Moreno setzte in der 85. Minute den letzten nennenswerten Schuss knapp über die Latte - sinnbildlich für einen Abend, an dem die Gäste zwar viel wollten, aber wenig fanden. "Wir haben ordentlich gespielt, aber Fußball ist kein Wunschkonzert", sagte Innenverteidiger Gabri Dominguez achselzuckend.

Statistisch gesehen war die Partie ausgeglichen: Concepcion mit acht Torschüssen, Vina del Mar mit vier - die Hausherren etwas robuster und mit leicht besserer Zweikampfquote (53 Prozent). Die taktischen Daten verraten, dass Concepcion am Ende alles nach vorn warf - offensives Flügelspiel, starkes Pressing, voller Einsatz. Es war also kein Zufall, dass der Siegtreffer fiel, als andere längst auf den Abpfiff hofften.

Und dann war da noch die Szene in der Nachspielzeit: Trainer Merkel brüllte seine Jungs zusammen, während Ersatzkeeper Silvestre Morte, gerade erst eingewechselt, von der Bank aufsprang und winkte, als hätte er selbst den Siegtreffer erzielt. "Man spürt, dass da was wächst", sagte Merkel hinterher. "Selbst die Teenager auf der Bank glauben jetzt, dass wir jeden schlagen können - zumindest in der Nachspielzeit."

Ein bisschen Pathos darf sein, schließlich war es ein Sieg der späten Erlösung. UD Concepcion klettert mit diesem Dreier weiter nach oben, während Vina del Mar nachdenklich die Heimreise antrat. "Wir haben uns selbst geschlagen", murrte Trainer Callum Schröder - nein, Moment, der spielt ja rechts im Mittelfeld. Der eigentliche Coach schwieg lieber. Vielleicht dachte er, dass Schweigen manchmal die ehrlichste Taktik ist.

So bleibt das Fazit eines Abends, an dem Geduld belohnt wurde: Wer bis zur 90. Minute an sich glaubt, darf auch mal jubeln. Und Concepcion tat das - laut, erleichtert und mit einem Augenzwinkern Richtung Himmel: "Danke, Fußballgott. Wurde auch Zeit."

26.05.643987 09:02
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