Canadian Soccer
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Quebec tanzt, Montreal stolpert - Blues überrollen Power mit 3:0

Es war ein Abend, an dem Montreal Power seinem Namen so gar nicht gerecht wurde. 36.000 Zuschauer im Stade du Nord sahen am 3. Spieltag der 1. Liga Kanada eine Lehrstunde in Sachen Effizienz, Leidenschaft - und vielleicht auch ein bisschen Spott. Die Quebec Blues siegten verdient mit 3:0 (2:0) und ließen die Gastgeber ratlos zurück.

Schon nach drei Minuten war klar, dass es kein gemütlicher Abend für die Power werden würde: Thomas Masse holte sich früh Gelb ab - vermutlich, um wenigstens einmal in den Spielbericht zu kommen. Trainer von Montreal, sichtlich genervt, brummte später: "Wenn du nach drei Minuten Gelb siehst, weißt du: Das wird ein langer Abend." Er sollte recht behalten.

Denn Quebec, angeführt vom quirlig-aggressiven Offensivensemble um Kobe Piersens, spielte von Beginn an wie eine Band, die endlich wieder vor Publikum auftreten darf. Piersens selbst eröffnete in der 28. Minute den Torreigen - nach Vorarbeit von Innenverteidiger Gustav Barre, der plötzlich als Spielmacher glänzte. "Ich hab einfach gesehen, dass Platz ist", grinste der Abwehrmann. "Und Kobe trifft ja sowieso immer, wenn er will."

Keine zwei Minuten später legte Tom Brees nach - 29. Minute, 0:2. Wieder war Montreal defensiv in Gedanken wohl schon in der Pause. Joseph Johnstone hatte den Treffer vorbereitet, und als der Ball im Netz zappelte, reckte Trainer Lutz Lindemann von Quebec nur kurz die Faust. "Das war der Moment, in dem wir das Spiel endgültig unter Kontrolle hatten", sagte er später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Schadenfreude lag.

Die Statistik sprach ohnehin eine deutliche Sprache: 18 Torschüsse der Blues, nur sechs bei Montreal. Der Ballbesitz war mit 51 zu 49 Prozent fast ausgeglichen, aber das täuschte - Quebec spielte zielstrebig, Montreal quer. Wäre Ballbesitz in Meter pro Rückpass gemessen worden, die Power hätten haushoch gewonnen.

Nach der Pause versuchte Montreal, sich aufzubäumen. Thomas Masse (49.), James Jones (51.) und Daniel Scharboneau (59.) durften ihre Schusskünste präsentieren - allerdings blieb das Resultat stets dasselbe: der Ball irgendwo zwischen Tribüne und Torwart Jerome Leachman. Der Blues-Keeper musste sich selten strecken, und wenn, dann vermutlich nur, um sich warmzuhalten.

In der 58. Minute besiegelte Piersens mit seinem zweiten Treffer endgültig das Schicksal der Gastgeber. Nach schöner Vorlage von Mittelstürmer Jaime Mourino traf er eiskalt zum 0:3. Montreal wirkte daraufhin wie ein Boxer nach dem dritten Niederschlag - noch auf den Beinen, aber geistig längst in der Kabine.

"Wir wollten eigentlich defensiv stabil stehen", murmelte ein konsternierter Montreal-Spieler nach Abpfiff. "Hat wohl nicht ganz geklappt." Trainer Lindemann von Quebec wirkte dagegen fast überrascht über die Deutlichkeit: "Wir wussten, dass Montreal kompakt stehen kann. Heute haben sie uns den Gefallen getan, es nicht zu tun."

Ein kleiner Schreckmoment ereignete sich in der 85. Minute, als der junge Pehlivan Sekman verletzt ausgewechselt werden musste - Ernst Held kam für ihn. Sekman humpelte vom Feld, Held klopfte ihm auf die Schulter und rief: "Jetzt darf der Alte mal ran!" Humor war bei Montreal an diesem Abend das Einzige, was noch funktionierte.

Abseits der Tore gab es wenig Erfreuliches für die Gastgeber: eine Zweikampfquote von 44 Prozent, kaum Durchschlagskraft im Mittelfeld und ein Publikum, das spätestens nach dem 0:3 lieber den Hotdogstand frequentierte.

Für Quebec hingegen war es ein Statement-Sieg. Ihr Offensivkonzept - offensiv, aggressiv, zielstrebig - ging voll auf. Lindemann hatte seine Jungs perfekt eingestellt, das Pressing saß, die Pässe kamen, und selbst die Einwechslungen wirkten wie feingetunte Uhrwerke.

Nach dem Spiel scherzte Piersens in der Mixed Zone: "Wenn wir so weitermachen, müssen sie uns bald in die NHL stecken." Und sein Mitspieler Tom Brees ergänzte lachend: "Oder wir gründen einfach unsere eigene Liga - die Quebec Blues Show."

Montreal dagegen muss sich neu sortieren. Die Fans fordern Wiedergutmachung, und die Liga-Tabelle ist nach drei Spieltagen schon weniger freundlich als erwartet. Doch wer weiß - vielleicht war dieser Abend genau der Weckruf, den die Power brauchte.

Ironischerweise spielte das Stadion-Licht nach Abpfiff kurz verrückt und flackerte - ein Sinnbild für Montreals Leistung: mal an, mal aus, am Ende dunkel.

Fazit: Die Blues tanzten, die Power stolperte - und am Ende blieb nur ein klarer Sieg für Quebec und ein leises Pfeifkonzert in Montreal. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Immerhin war das Bier kalt."

04.12.643993 17:15
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer
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