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Ein kühler Abend in Quebec, 40.389 Zuschauer mit Mützen, Schals und der Hoffnung auf ein bisschen Fußballromantik - und sie bekamen exakt das: die Quebec Blues spielten am 9. Spieltag der 1. Liga Kanada die Halifax Huskies in Grund und Boden. 3:0 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt, das war noch schmeichelhaft für die Gäste. Schon in der Anfangsphase zeigte sich, wohin die Reise gehen würde. Nach 20 Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz. Julien Malfoy, 36 Jahre alt und offenbar noch immer mit einem jugendlichen Sinn für Spektakel ausgestattet, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Paul Musgrave in den rechten Winkel. Während die Fans jubelten, grinste Malfoy Richtung Ersatzbank und rief: "Ich hab’s noch drauf, Coach!" - Lutz Lindemann, der Trainer der Blues, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Julien redet viel, aber wenn er trifft, darf er das", sagte Lindemann später süffisant. Die Halifax Huskies versuchten, mit defensiver Ordnung und gelegentlichem Konterspiel gegenzuhalten - laut Statistik hatten sie zwar 53 Prozent Ballbesitz, aber das war Ballbesitz der unproduktiven Sorte. Drei kümmerliche Torschüsse, kaum Gefahr, und ein Zsolt Czibor, der vorne meist allein auf weiter Flur stand. Trainer Julian Resch wirkte an der Seitenlinie wie ein Mann, der seinen Bus verpasst hat: viel Gestik, wenig Wirkung. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte er nach dem Spiel. "Aber wenn du ständig hinterherläufst, wird’s schwierig, kompakt zu bleiben." Kurz vor der Pause wurde’s dann ruppig. Quebecs Gustav Barre sah Gelb, nachdem er Czibor etwas zu herzlich in den Rasen gedrückt hatte. "Das war kein Foul, das war ein freundlicher Hinweis auf den Bodenbelag", witzelte Barre nach dem Spiel. Der Schiedsrichter sah es etwas anders. Halifax kam immerhin zu einer Halbchance, doch Torwart Thomas Trottier im Kasten der Blues musste kaum eingreifen. 1:0 zur Pause, die Blues hatten alles im Griff. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig - außer, dass Quebec jetzt Lust auf mehr bekam. In der 54. Minute war wieder Paul Musgrave der Ausgangspunkt. Der Linksverteidiger, der offenbar beschlossen hatte, sich an diesem Abend als Assist-König zu bewerben, flankte präzise auf Julio Ordonez. Der nahm den Ball volley und ließ Halifax-Keeper Dagfinn Kjeldsen keine Chance. 2:0, und der Jubel im Stadion klang nach Frühlingserwachen. Ordonez grinste: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn ich nachdenke, geht’s meistens schief." Die Huskies versuchten, mit gelben Karten ein bisschen Härte zu zeigen - Carlos Bischoff (47.) und Bahri Erkin (63.) holten sich Erinnerungen an den Schiedsrichter ab. Doch spielerisch blieb Halifax harmlos. Valentino Mancuso probierte es aus der Distanz (53.), aber Trottier pflückte den Ball locker herunter. "Ich hatte mehr Angst, dass mir der Kaffee ausgeht, als vor deren Schüssen", spöttelte der Torwart später. In der 68. Minute kam’s dann ganz dick für die Gäste: Christopher Berard, der im Mittelfeld der Blues wie ein Dirigent agierte, schickte Joseph Johnstone steil - und der Rechtsaußen traf trocken zum 3:0. Ein Tor, so klar und einfach, dass man fast Mitleid mit Halifax bekam. Johnstone jubelte mit beiden Armen in der Luft, Lindemann applaudierte, und Resch vergrub sein Gesicht in der Kapuze. "Wir haben ihnen zu viel Raum gelassen", murmelte er nachher, "und sie haben ihn genutzt. Drei Mal." Die letzten 20 Minuten waren Schaulaufen. Lindemann wechselte munter durch - der 19-jährige Olivier Young durfte für den müden Malfoy ran und zeigte gleich zweimal, dass in Quebec Nachwuchsarbeit kein Fremdwort ist. Zwei Torschüsse in den letzten zehn Minuten, beide knapp vorbei. "Olivier hat das Feuer, das man braucht", lobte Lindemann. "Er trifft bald - nur heute halt nicht." Statistisch war alles klar: 17:3 Torschüsse für die Blues, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das mit weniger Ballbesitz. Effizienz schlägt Statistik - ein alter Fußballgrundsatz, den Quebec an diesem Abend zelebrierte wie ein Jazz-Solo. Als der Abpfiff ertönte, standen die Zuschauer längst. Die Blues hatten das Publikum mitgerissen, Halifax dagegen sah aus, als wolle man direkt in den Bus steigen und nie wieder nach Quebec zurückkehren. "Wir waren heute zu brav", sagte Resch zum Schluss, und man glaubte ihm sofort. Lutz Lindemann hingegen strahlte: "So will ich Fußball sehen - mutig, schnell, mit Spaß. Wenn wir so weitermachen, kann die Liga uns nicht übersehen." Und während der Regen in feinen Tropfen auf das leere Stadiondach klopfte, summte irgendwo ein Fan: "Blues are shining tonight." - und das war keine Übertreibung. 12.02.643994 03:57 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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