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Es war einer dieser Abende im BC Place Stadium, an denen man sich fragt, ob man nicht lieber beim Eishockey gelandet ist. 39.770 Zuschauer sahen am 30. Spieltag der 1. Liga Kanada, wie die Vancouver Whitecaps den Quebec Blues fünfmal hinterherblickten - und das, obwohl die erste Halbzeit noch so harmlos wie ein Winterspaziergang war. Am Ende stand ein bitteres 0:5 (0:0) auf der Anzeigetafel, und selbst der Stadion-DJ schien irgendwann Mitleid zu haben. Dabei hatte es gar nicht so schlecht angefangen. Vancouver spielte mutig nach vorn, hielt den Ball mit 51 Prozent Ballbesitz sogar leicht länger in den eigenen Reihen - aber was nützt das, wenn der Gegner aus fast jedem Angriff Gefahr beschwört? Die Statistik spricht Bände: 22 Torschüsse der Blues gegen ganze drei der Whitecaps. Quebec-Coach Lutz Lindemann grinste nach dem Spiel breit: "Wir haben in der Kabine gesagt: Wenn sie uns den Ball schenken, nehmen wir ihn halt. Und dann haben wir ihn behalten." Die erste Halbzeit war ein taktisches Schachspiel mit stumpfen Figuren. Quebec drückte, Vancouver wehrte sich, Torhüter Jean Cauchon hielt, was zu halten war - und das war einiges. Besonders in der 35. Minute, als Tom Brees mit einem wuchtigen Schuss aus der zweiten Reihe die Latte zum Klingen brachte. "Da habe ich kurz gedacht, der Ball hat’s geschafft", scherzte Cauchon später, "aber er hatte Erbarmen mit uns." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Drehbuch schlagartig. Quebec schaltete um auf Vollgas und Pressing - und Vancouver bekam keine Luft mehr. In der 62. Minute war es schließlich so weit: Kobe Piersens, der flinke Linksaußen der Blues, vollendete nach einem langen Ball von Innenverteidiger Leon Bureau eiskalt und eröffnete den Torreigen. "Ich dachte, der Pass kommt nie runter", lachte Piersens später, "aber als er kam, musste ich einfach draufhalten." Und dann rollte der Quebec-Express. Nur acht Minuten später erhöhte André Paré auf 2:0, nach feinem Zusammenspiel mit Piersens. Kaum hatten die Whitecaps den Schock verdaut, traf Julio Ordonez in der 71. Minute mit einem satten Linksschuss - und das nach Vorlage von Linksverteidiger Matthijs Coster, der sich offenbar dachte: Wenn schon, dann richtig. Ab der 80. Minute wurde es dann richtig bitter für Vancouver. Jaime Mourino, der bullige Mittelstürmer, traf zweimal innerhalb von zwei Minuten (81., 83.) - beide Male aus kurzer Distanz, beide Male mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der weiß, dass er heute alles richtig macht. "Ich hätte gern noch ein drittes gemacht", grinste Mourino, "aber mein Trainer hat gemeint, ich soll aufhören, sonst fangen die Fans an, Mitleid zu haben." Vancouver hingegen wirkte wie eingefroren. Trainer der Whitecaps - dessen Name nach diesem Abend wohl lieber ungenannt bleiben möchte - stand regungslos an der Seitenlinie, als wolle er per Gedankenübertragung die Defensive stabilisieren. Vergebens. Seine Spieler wirkten hilflos, die Offensive blieb komplett blass. Vincent Craven, der einzige mit zwei Torschüssen, fasste es resigniert zusammen: "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, und ich bin mir nicht sicher, ob wir getroffen hätten." Die Blues hingegen zeigten eine beeindruckende Mischung aus Spielfreude und Kaltschnäuzigkeit. Lindemann nutzte die komfortable Führung sogar, um zwei 17-Jährige zu bringen - Didier Lessard und Samuel Eliot. Und was tat der Nachwuchs? Lessard legte prompt das 5:0 auf. "Ich hab einfach nur gedacht: Nicht stolpern, nicht stolpern", sagte der junge Rechtsverteidiger mit einem Grinsen, das breiter war als das Tor, an dem er vorbeigehuscht war. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Blues noch einmal ab, als hätten sie gerade Training beendet. Vancouver hingegen schlich vom Feld. Die Fans pfiffen nicht einmal - sie schienen zwischen Schock und Ratlosigkeit zu schwanken. "Das war Lehrstoff für uns", meinte Whitecaps-Verteidiger Charlie Billet tapfer. "Leider war es die Art Unterricht, bei der man am Ende freiwillig sitzenbleibt." Fazit: Quebec Blues in Galaform, Vancouver Whitecaps im Winterschlaf. 5:0 - und das völlig verdient. Wenn die Blues so weitermachen, wird in Quebec bald nicht nur der Ahornsirup gefeiert, sondern auch der Fußball. Oder, wie Lindemann es beim Hinausgehen trocken formulierte: "Ich mag’s, wenn’s laut ist - und heute war’s nur laut, wenn wir getroffen haben." 01.01.643988 17:11 |
Sprücheklopfer
Da fasse ich mir doch an den Kopf. Die ticken doch alle nicht ganz richtig. Hertha spielt doch grausamen Fußball.
Mario Basler über Titelambitionen von Hertha BSC Berlin