Canadian Soccer
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Quebec Blues zerlegen Surrey City beim Saisonauftakt - 6:0!

Es gibt Fußballabende, an denen alles schiefgeht - und dann gibt es Abende wie diesen Montag in Surrey, an denen die Katastrophe fast schon choreografiert wirkt. 38.001 Zuschauer sahen, wie die Quebec Blues beim 1. Spieltag der 1. Liga Kanada Surrey City mit 6:0 (5:0) auseinandernahmen. Ein Ergebnis wie aus einem schlechten Traum für die Gastgeber - oder einem feuchten für Trainer Lutz Lindemann, der nach Abpfiff nur milde grinste: "Ich hatte meinen Jungs gesagt: Wenn wir schon weit fliegen, dann wenigstens mit Toren im Gepäck."

Schon nach neun Minuten begann das Unheil. Kobe Piersens, der bullige Linksaußen der Blues, nahm eine Flanke von Joseph Johnstone direkt - zack, 0:1. Surrey-Keeper Didier Lansbury streckte sich, doch der Ball zischte ihm fast elegant über die Handschuhe. Drei Minuten später folgte die nächste Ohrfeige: Polikarp Iwanow, der als rechter Verteidiger eigentlich andere Aufgaben hat, stürmte mutig nach vorne und schlenzte den Ball von der Strafraumkante ins lange Eck. "Ich weiß auch nicht, warum ich da war", lachte Iwanow später, "aber wenn man schon spazieren geht, dann doch bitte mit Ball."

Surrey City wirkte überfordert, obwohl sie mit 52 Prozent Ballbesitz theoretisch mehr vom Spiel hatten. Nur: Was nützt der Ball, wenn man ihn nicht in die Nähe des Tores bringt? Die Blues dagegen spielten wie im Rausch. Kaum war der Jubel über das zweite Tor verklungen, legte Piersens in der 14. Minute nach - erneut nach Vorarbeit von Johnstone. Drei Tore nach einer Viertelstunde, und auf den Rängen breitete sich betretenes Schweigen aus.

Dann kam die Phase des Daan Bolsius. Der Mittelfeldmotor der Blues traf in der 32. Minute nach feinem Zuspiel von Innenverteidiger Rhys Hamlin aus zentraler Position. Acht Minuten später legte Bolsius mit einem Distanzschuss nach, den man wohl nur noch als "Lehrfilm für Schusstechnik" bezeichnen kann. 0:5 zur Pause - und manch ein Surrey-Fan suchte schon den Ausgang.

"Ich habe in der Kabine gesagt: Wir tun so, als stünde es 0:0", erzählte Surreys Kapitän Philippe Beaupre später. "Leider hat Quebec das nicht mitbekommen." Denn auch nach Wiederanpfiff änderte sich wenig. Zwar versuchte Jean Maxime in der 52. Minute mit einem beherzten Schuss, das Debakel zu mildern, doch Quebecs Torhüter Jerome Leachman blieb unbeeindruckt.

In der 64. Minute machte Bolsius seinen Hattrick perfekt. Ein abgefälschter Schuss, unhaltbar für Lansbury - und das halbe Stadion applaudierte aus reiner Verzweiflung. Danach schalteten die Blues einen Gang zurück, wechselten fröhlich durch (Pare und Sonnenschein durften unter die Dusche, Mourino und Vidigal kamen), während Surrey höchstens die Gelbe Karte für Beaupre in der 85. Minute als sichtbares Lebenszeichen verbuchte.

Statistisch betrachtet war das Spiel kurios: Surrey hatte mehr Ballbesitz, die Blues aber 17 Torschüsse (gegenüber vier kümmerlichen Versuchen der Gastgeber) und eine Zweikampfquote, die mit 57 Prozent fast an Körperverletzung grenzte. Das lag wohl auch daran, dass Quebec taktisch von Beginn an auf Offensive gesetzt hatte - und zwar kompromisslos. "Wir haben gesagt: Pressing nur, wenn’s knapp wird", verriet Trainer Lindemann augenzwinkernd. "Aber es wurde halt nie knapp."

Nach dem Schlusspfiff standen die Surrey-Spieler wie nach einem Hagelschauer auf dem Platz, während die Gäste Arm in Arm tanzten - eine Szene, die allen zeigte, wer an diesem Abend der Chef im Ring war. Der dreifache Torschütze Bolsius wurde zum Mann des Spiels gewählt und meinte trocken: "Eigentlich wollte ich mich schonen. Aber dann fiel mir ein, dass Tore auch Kalorien verbrennen."

Surrey-Coach - der Name blieb ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - fand immerhin Humor: "Wir haben mehr Ballbesitz gehabt. Das ist ja schon mal was. Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal auch etwas mit dem Ball anfangen."

Ein 0:6 zum Auftakt - das ist kein Fehlstart, das ist ein Neubeginn mit Hindernissen. Für Quebec dagegen der perfekte Startschuss. Sechs Tore, keine Gegentreffer, und ein Team, das offenbar schon im März in Sommerform ist.

Fazit mit Augenzwinkern: Surrey City hat am Montagabend nicht nur ein Spiel verloren, sondern auch jede Illusion, dass Ballbesitz gleichbedeutend mit Kontrolle ist. Die Quebec Blues dagegen haben gezeigt, dass man mit Tempo, Mut und einem gewissen Sinn für Grausamkeit Fußball spielen kann, der sogar neutralen Zuschauern ein Grinsen entlockt. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Das war kein Spiel - das war ein Musikstück. Leider in Moll für Surrey."

11.11.643993 13:44
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