Canadian Soccer
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Quebec Blues tanzen Surrey City mit 4:0 aus dem Pokal

Ein bitterkalter Abend im Februar, aber im Stadion von Quebec kochte die Luft: 43.500 Zuschauer sahen, wie die Quebec Blues Surrey City mit 4:0 aus dem Pokal-Achtelfinale fegten - und das mit einer Mischung aus Leidenschaft, Schlitzohrigkeit und einer Prise Selbstironie, die man in der Fußballwelt selten so stilsicher erlebt.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, wer hier das Kommando hat. Jaime Mourino schlich sich nach einem unglücklichen Abwehrversuch von Surreys Yves Carey in die Gasse, nahm den Ball mit der Brust und drosch ihn unhaltbar in den Winkel - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Mourino später, "aber manchmal hört der Ball einfach nicht auf mich." Trainer Lutz Lindemann stand da nur mit verschränkten Armen und einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Stolz und Verwunderung pendelte.

Surrey City, angetreten mit einer betont ausgewogenen Taktik, wirkte in dieser Phase eher wie ein Team, das im falschen Film gelandet war. Nach 13 Minuten hatte ihr Innenverteidiger Carey bereits Gelb gesehen - wohl ein frühes Zeichen, dass Frust und Kälte keine gute Mischung sind. "Wir wollten eigentlich ruhig bleiben", murmelte Surrey-Coach (der sich nach Spielschluss lieber gar nicht namentlich zitieren ließ), "aber dann schneit’s Tore."

Das zweite fiel in der 26. Minute, als Julien Malfoy - 35 Jahre alt, aber offenbar mit den Beinen eines 20-Jährigen - sich mit einem trockenen Schuss aus halbrechter Position in die Torschützenliste eintrug. Den Pass dazu lieferte Innenverteidiger Rhys Hamlin, der nach eigenen Angaben "einfach mal was anderes ausprobieren wollte als hinten rausbolzen". 2:0, und das Stadion tobte.

Zur Pause hatte Quebec bereits sechs Torschüsse mehr als Surrey, Ballbesitz war nahezu ausgeglichen (49 zu 51 Prozent), aber das war auch schon alles, was Surrey retten konnte: die Statistik. Nach dem Seitenwechsel blieb Lindemanns Elf weiter offensiv, als gäbe es kein Morgen. Die Einwechslung des 18-jährigen Destiny Udogie für den gelbverwarnten Matthijs Coster zur Halbzeit brachte frischen Wind auf links und später sogar eine Vorlage: Der Youngster sollte beim vierten Tor noch glänzen.

In der 72. Minute war es erneut Malfoy, der seine persönliche Gala fortsetzte. Nach feinem Zuspiel von Oscar Sancho traf der Routinier zum 3:0 - und rannte jubelnd zu den Fans, als wolle er sich dort gleich eine Dauerkarte sichern. "Wir haben Spaß am Spiel", sagte Malfoy hinterher, "und manchmal sieht Spaß eben wie Dominanz aus."

Surrey City versuchte derweil, wenigstens ein Ehrentor zu erzwingen. Marco, Futre und Morrison hatten ihre Chancen (insgesamt sechs Torschüsse), doch im Tor der Blues stand Thomas Trottier wie eine Wand aus Eis. Besonders in der 75. Minute, als Morrison aus 20 Metern abzog und Trottier mit einer Parade antwortete, die wohl noch in den Highlights des Jahrzehnts laufen wird.

Dann kam die 84. Minute - und der Moment, in dem das Stadion endgültig zum Tanzparkett wurde. Der eingewechselte Carsten Döring, bedient von eben jenem Udogie, schob den Ball mit einer Leichtigkeit ins Eck, als sei er in einem Trainingsspiel. 4:0, der Deckel drauf. Lindemann klatschte, grinste und sagte später mit einem Augenzwinkern: "Ich habe selten ein Spiel gesehen, in dem wir so wenig Ballbesitz und so viel Spaß hatten."

Die Blues beendeten den Abend mit 15 Torschüssen, 53,8 Prozent gewonnener Zweikämpfe und dem Gefühl, dass dieser Pokal vielleicht doch ein bisschen nach Quebec gehört. Surrey City hingegen verließ das Feld mit gesenkten Köpfen - und der Erkenntnis, dass "ausgewogen" keine gute Taktik gegen entfesselte Blues ist.

Ein Reporter fragte Döring nach dem Spiel, ob er den Assist seines 18-jährigen Mitspielers erwartet habe. "Nein", lachte er, "aber der Junge hat mehr Mut als ich mit 30 - und weniger Angst vorm Friseur."

Am Ende hallten die Gesänge der Fans noch lange durch das Stadion, während die Blues in die Kabine verschwanden, als hätten sie gerade eine kleine Fußballoper beendet. Surrey City dagegen dürfte in den kommenden Tagen viel zu analysieren haben - und vielleicht ein bisschen Trost im Wissen, dass man gegen solche Blues einfach keine Chance hat, wenn sie einmal spielen dürfen, wie sie wollen.

Ein sarkastisches Schlusswort gefällig? Surrey City wird sich trösten: Auch ein 4:0 ist nur eine Niederlage - aber immerhin eine, die man stilvoll überstehen kann. Quebec hingegen träumt weiter vom Pokal - und wer sie gestern gesehen hat, weiß: Dieser Traum könnte verdammt real werden.

27.01.643991 18:45
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Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte
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