Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Quebec Blues tanzen London United mit 3:0 aus

Wenn an einem kalten Märztag in Quebec 43.500 Menschen in ein Stadion strömen, dann wissen sie: Die Blues spielen. Und sie kamen diesmal voll auf ihre Kosten. Mit 3:0 schickten die Quebec Blues am 4. Spieltag der 1. Liga Kanada die Gäste von London United zurück über den Atlantik - mit schweren Beinen, gesenkten Köpfen und wohl auch der Frage, ob sie wirklich im selben Sport angetreten waren.

Dabei sah es anfangs gar nicht nach einem klaren Spiel aus. London hatte leicht mehr Ballbesitz (52,7 Prozent), aber was nützt das, wenn die Gastgeber 17 Torschüsse abfeuern und die Gäste gerade mal sechs zustande bringen? Schon in den ersten Minuten wirbelten die Blues jeden britischen Aufbauversuch durcheinander. "Wir wollten sofort zeigen, dass sie hier nicht zum Tee eingeladen sind", grinste Trainer Lutz Lindemann nach Abpfiff mit nordamerikanischer Gelassenheit.

Das erste Mal bebte das Stadion in der 21. Minute: Linksverteidiger Matthijs Coster, sonst eher für rustikale Tacklings bekannt, tauchte plötzlich im Strafraum auf und jagte den Ball nach einem cleveren Zuspiel von Innenverteidiger Leon Bureau humorlos ins Netz. 1:0 - und London fragte sich wohl, ob Quebec neuerdings offensive Verteidiger züchtet. "Ich hatte einfach Lust", erklärte Coster später lachend. "Leon hat so schön geschrien: ’Mach’s selbst!’ - da konnte ich ja schlecht nein sagen."

London United versuchte, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Trainerin Kathinka Santoz fuchtelte wild an der Seitenlinie, rief "Calma!" und "Short passes!", doch ihre junge Elf, mit einem 17-jährigen Luís Mendes im Sturm, wirkte zunehmend nervös. Spätestens nach der Gelben Karte für Rechtsverteidiger Thierry Pilat (19.) war klar: Das wird kein ruhiger Abend.

Zur Pause führte Quebec verdient mit 1:0 - und hätte sogar höher führen können, wenn Barend Veeder oder Olivier Krieger ihre Chancen genutzt hätten. Doch Lindemann blieb gelassen. "Wir machen’s halt in der zweiten Halbzeit hübscher", witzelte er, als er in den Kabinengang verschwand.

Gesagt, getan. In der 63. Minute war es dann André Paré, der sich ein Herz fasste und nach feinem Zuspiel des rechten Verteidigers Polikarp Iwanow den Ball trocken ins lange Eck drosch. 2:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Zuschauer sangen, während Santoz an der Seitenlinie resigniert ein Notizbuch zuklappte. "Wir waren da einfach zu brav", erklärte sie später. "Die Blues haben uns nicht spielen lassen - und wir haben ihnen dabei auch noch zugesehen."

London versuchte noch einmal, das Blatt zu wenden, aber spätestens nach der Einwechslung von Routinier Jaime Mourino (70.) war das Spiel endgültig in Blues-Hand. Mourino brachte Ruhe, Paré verabschiedete sich mit Applaus, und Barend Veeder beschäftigte die Londoner Abwehr bis zur Erschöpfung.

In der Nachspielzeit setzte Daan Bolsius schließlich den Deckel drauf. In der 93. Minute kombinierte er sich mit Pascal Parent durch den müden Londoner Abwehrblock und schob zum 3:0 ein. Da stand schon längst niemand mehr auf der Blues-Bank ruhig. Lindemann umarmte seinen Co-Trainer, während Torwart Jerome Leachman vom anderen Ende des Feldes jubelnd heransprintete.

"Das war ein Statement", meinte Bolsius nach dem Spiel, während er noch Grasreste aus dem Bart zupfte. "Wir haben gezeigt, dass Quebec wieder da ist." Und Lindemann ergänzte mit einem Zwinkern: "Ich sag’s mal so: Wenn wir weiterhin so verteidigen und die Außenverteidiger anfangen, Tore zu schießen, dann wird’s schwer, uns zu stoppen."

Auch die Statistik spricht Bände: 17:6 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei Tore - alles deutet auf eine Mannschaft hin, die nicht nur kämpft, sondern Spaß dabei hat. London United hingegen blieb farblos. Zwei Gelbe Karten, kaum Durchschlagskraft, zu viel Ballgeschiebe. "Wir hatten mehr Ballbesitz", murmelte Santoz bitter, "aber sie hatten mehr Fußball."

So endete ein Abend, an dem Quebec die Blues nicht nur im Namen trug, sondern im Rhythmus spielte - mit Tempo, Witz und Präzision. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen, während die Londoner Spieler in die Kabine trotteten, als wäre der Rückflug schon in der Verlängerung gebucht.

Und irgendwo in der Pressekonferenz grinste Lutz Lindemann, hob sein Glas Wasser und sagte trocken: "Drei Tore, null Gegentore - das ist Musik in meinen Ohren. Nur schade, dass ich kein Musiker bin."

Ein Spiel also, das in Erinnerung bleibt - weniger wegen der Spannung, sondern weil Quebec an diesem Abend einfach zu gut war.

16.12.643993 07:03
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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