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Manchmal reicht ein Schuss - und manchmal nicht einmal zwanzig. Beim 0:1 zwischen Surrey City und den Quebec Blues am 29. Spieltag der 1. Liga Kanada war das Drehbuch klar: Die Gäste ballerten, die Hausherren hielten dagegen, und am Ende jubelten die Blues über einen Arbeitssieg, der härter erkämpft war, als es die Statistik vermuten lässt. Vor 40.000 Zuschauern im Surrey-Dome begann das Spiel mit einem Paukenschlag - allerdings nur in Form eines Distanzversuchs von Marwin Sonnenschein in der zweiten Minute, der mehr in die Kategorie "Frühaufsteher-Weckruf" fiel. "Ich wollte sehen, ob der Keeper schon wach ist", grinste der Blues-Stürmer nach Abpfiff. Torwart Stephane Bosworth war es - und blieb es über weite Strecken des Abends. Die Gäste aus Quebec legten los wie ein Eishockeyteam im Powerplay: 20 Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto, gegenüber mageren drei von Surrey City. Dennoch blieb die erste Halbzeit torlos. Surrey verteidigte mit stoischer Ruhe und gelegentlicher Verzweiflung, während Trainer Lutz Lindemann an der Seitenlinie wild gestikulierte. "Wir haben Chancen für zwei Spiele gehabt", knurrte er in der Pause, "aber der Ball wollte einfach nicht rein." Seine Mannschaft setzte auf Offensive, Aggressivität und aktives Pressing - eine Taktik, die so aussah, als würde sie Surrey City irgendwann erdrücken. Und tatsächlich: Nach 52 Minuten fiel das logische - und doch mühselig erarbeitete - 0:1. Yves Crichton flankte mustergültig von links, Kobe Piersens stieg hoch und köpfte den Ball mit einer Mischung aus Eleganz und Entschlossenheit ins Netz. Ein Tor, das in seiner Schlichtheit perfekt zu diesem Abend passte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er reinfliegt", lachte Piersens hinterher. Es funktionierte. Surrey City, bis dahin mit 50 Prozent Ballbesitz statistisch auf Augenhöhe, hatte kaum Mittel, dem Spiel eine Wende zu geben. Weder Manuel Futre noch Bailey Morrison fanden Wege durch die dichte Abwehr der Blues, die nach der Führung clever auf Kontrolle umschalteten. Lediglich in der 74. Minute sorgte Akakios Charisteas für Aufregung - allerdings mehr durch seine Gelbe Karte als durch einen Geistesblitz am Ball. "Das war kein Foul, das war ein leidenschaftlicher Schritt in die Zukunft", verteidigte er sich später mit einem Augenzwinkern. Während Lindemann an der Seitenlinie immer wieder seine Spieler nach vorne peitschte, wirkte Surrey-Trainer ungenannt, aber sichtbar frustriert. "Wir haben das Spiel nicht verloren, wir haben es einfach nicht gewonnen", sagte er nachdenklich in der Pressekonferenz. Eine Formulierung, die auch Philosophie sein könnte - oder schlicht die Beschreibung eines Abends, an dem das Runde einfach nicht ins Eckige wollte. Die Blues dagegen wechselten klug: Leon Bureau, nach einer Gelben Karte in der 25. Minute und einigen Wacklern, musste zur Pause raus, Rhys Hamlin stabilisierte die Defensive. Und als Lindemann in der 74. Minute Detlev Herrmann brachte, um Fabio Makukula zu ersetzen, war klar: Jetzt wird Beton angerührt. Der Plan ging auf. Surrey rannte, Quebec lauerte - und Bosworth blieb beschäftigungslos, während Leachman im Tor der Blues mit stoischer Ruhe die wenigen Bälle pflückte, die sich in seine Nähe verirrten. Statistisch liest sich das wie ein Klassenunterschied: 57,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Blues, fast sieben Mal so viele Abschlüsse, und doch nur ein Tor. Aber Fußball ist manchmal eben kein Zahlenspiel, sondern eine Geduldsprobe mit Ball. "Wenn du so oft schießt, ist irgendwann einer drin", kommentierte Lindemann trocken. "Heute war’s der 13., glaub ich. Oder der 14. - ich hab aufgehört zu zählen." Für Surrey City bleibt die Erkenntnis, dass man mit Mut und Organisation gegen offensivstarke Gegner bestehen kann - nur nicht unbedingt punkten. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus und einem leisen Seufzen, das man als "Nächstes Mal klappt’s" deuten konnte. Am Ende jubelten die Blues über drei Punkte und eine Rückkehr in die Spitzengruppe, während Surrey City weiter im Niemandsland der Tabelle verharrt - zwischen Hoffnung und Harmlosigkeit. Und irgendwo in der Kabine von Quebec soll Piersens nach dem Spiel gesagt haben: "Ein Tor ist kein Tor des Monats, aber drei Punkte sind drei Punkte." Recht hat er. 11.08.643993 08:40 |
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