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Es war ein frostiger Abend im Februar im Stadion von Trois-Rivières, doch auf dem Rasen ging es heiß her. 27.000 Zuschauer sahen am 15. Spieltag der 1. Liga Kanada, wie die Trois Wolves gegen die Quebec Blues mit 1:2 unterlagen - ein Ergebnis, das so knapp war, wie es das Spielbild nicht ganz vermuten ließ. Schon nach kaum 60 Sekunden schauten sich viele Fans noch suchend nach ihren Sitzplätzen um, als der Ball bereits im Netz zappelte. Hanns Lauer, der rechte Mittelfeldmotor der Blues, ließ nach einer Flanke von Aaron Wyler den Ball volley über die Linie rauschen - 0:1! Der Jubel aus dem Gästeblock hallte wie eine Lawine durch die Arena. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Lauer später, "aber wenn’s so reingeht, sag ich nicht nein." Die Wolves schüttelten sich kurz, sortierten sich - und bissen zurück. Der 19-jährige Serge Letourneur, ein Wirbelwind auf der rechten Seite, brachte in der 22. Minute nach schöner Vorarbeit von Stille Van Vranken den Ball im Tor unter. 1:1, und endlich tobte auch das heimische Rudel. Van Vranken, der erfahrene Stürmer, grinste später: "Ich wollte Serge eigentlich anschreien, er soll passen - gut, dass er mich ignoriert hat." Doch die Blues hatten an diesem Abend mehr Zielwasser getrunken. Nur sechs Minuten nach dem Ausgleich schlug Julio Ordonez zu - ein herrlicher Schlenzer ins lange Eck nach Doppelpass mit Jaime Mourino. 1:2, und Trainer Lutz Lindemann ballte an der Seitenlinie die Faust. "Wir wollten den Gegner früh unter Druck setzen", sagte der Coach nach der Partie. "Das frühe Pressing hat funktioniert, auch wenn mir bei manchen Aktionen das Herz stehen blieb." Danach entwickelte sich ein Spiel, das von Emotionen, Gelben Karten und jugendlichem Übermut geprägt war. Michel Hawn sah früh Gelb (11.), und der junge Pierre Cauchon tat es ihm später gleich. Insgesamt vier Gelbe und eine Gelb-Rote kassierten die Wolves - Letztere traf ausgerechnet den 19-jährigen Rechtsverteidiger Nelson Semedo in der 85. Minute, der binnen zwei Minuten erst Gelb sah und dann zu viel wollte. "Ich dachte, ich hätte den Ball gespielt", murmelte der sichtlich geknickte Teenager in der Mixed Zone. Sein Trainer - der aus Vereinsgründen lieber anonym bleiben wollte - sagte trocken: "Er hat ihn schon gespielt. Nur leider den falschen." Statistisch sah das Ganze knapper aus, als es war: 53 Prozent Ballbesitz für Trois Wolves, aber nur sieben Torschüsse gegenüber 15 der Blues. Letztere wirkten reifer, abgeklärter und nutzten ihre Chancen effizient. Torwart Duarte Aguas verhinderte Schlimmeres, als er in der 68. Minute einen platzierten Schuss von Julien Malfoy über die Latte lenkte - eine Parade, die sogar Gästecoach Lindemann anerkennend beklatschte. Auf der Gegenseite fehlte den Wolves im Abschluss die Kaltschnäuzigkeit. Stille Van Vranken versuchte es gleich viermal, aber immer fehlte das berühmte Quäntchen. Einmal rauschte der Ball hauchdünn am Pfosten vorbei, einmal rettete Blues-Keeper Thomas Trottier mit dem Fuß, und einmal schien der Ball einfach keine Lust zu haben, ins Tor zu gehen. "Wir haben uns Chancen erarbeitet, aber der Ball wollte nicht hören", sagte Van Vranken mit einem bitteren Lächeln. Das Spiel hatte seine dramatischen Momente: In der 49. Minute verletzte sich der junge Mittelfeldmann Taylor Darabont, humpelte vom Platz, wurde durch Aaron Amyot ersetzt. Bei den Blues erwischte es später den 18-jährigen Destiny Udogie, der sich nach einem energischen Zweikampf an die Hüfte fasste und ausgewechselt werden musste. Lindemann meinte dazu: "Willkommen im Männerfußball, Destiny. Aber er hat’s ordentlich gemacht." Am Ende blieb es beim 1:2. Die Wolves versuchten in Unterzahl noch einmal alles, schoben die Defensive nach vorn, doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Quebec verteidigte clever, zog das Tempo heraus - und feierte den dritten Auswärtssieg in Serie. "Wir haben das Spiel in den ersten 30 Minuten gewonnen", resümierte Lindemann. "Danach haben wir es mit Erfahrung zu Ende gespielt." Auf der anderen Seite war die Stimmung gedrückt. "So ist Fußball", meinte Van Vranken, "mal frisst du den Wolf, mal frisst er dich." Ein sarkastisches Schlusswort des Abends lieferte ein älterer Fan im Ausgang: "Wenn wir schon Wolves heißen, sollten wir vielleicht mal das Beißen trainieren." Und während die Blues jubelnd im Bus verschwanden, blieb den Wolves nur das Heulen im eigenen Stadion - zumindest bis zum nächsten Spieltag. 08.11.643990 05:35 |
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