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Ein warmer Abend in Jamaicas 1. Liga, 50.000 Zuschauer im Portmore-Stadion, und zwei Mannschaften, die sich partout nicht entscheiden konnten, wer denn nun das bessere Team ist. Am Ende hieß es 1:1 - ein Ergebnis, das so gerecht war, dass selbst der Schiedsrichter beim Abpfiff zufrieden nickte. Whistling FC, trainiert vom charmant-verschmitzten Gus Hidding ("Wir wollten Spaß haben - bis Portmore das Tor gemacht hat"), begann forsch. Schon in der 4. Minute zwang William Carey mit einem satten Linksschuss Portmores Keeper Liam Payne zu einer ersten Flugshow. Payne, der später lächelnd erklärte: "Ich wollte einfach mal zeigen, dass ich noch springen kann", hielt seine Mannschaft früh im Spiel. Die Gäste blieben gefährlich. Eduardo Henrico, der rechte Flügelstürmer mit dem Selbstbewusstsein eines ganzen Karibik-Archipels, prüfte Payne in der 15. Minute erneut - diesmal mit einem Schuss, der nur knapp am Pfosten vorbeizischte. Henning, der Kapitän der Whistler, rief ihm lachend zu: "Zielscheibe ist das Tor, nicht der Zaun!" Doch in der 41. Minute klappte es dann doch: Albert Dorland, eigentlich linker Verteidiger, schlug einen butterweichen Ball in den Strafraum - und Henrico verwandelte eiskalt. 0:1. "Das war wie im Training", grinste Henrico später, "nur dass ich da öfter daneben schieße." Portmore Towns Trainer Klaus Kartoffel sah das naturgemäß anders: "Das war ein taktischer Ausrutscher. Wir wollten eigentlich nicht zuschauen, sondern verteidigen." Seine Elf - bis dahin eher ausgeglichen mit minimal mehr Ballbesitz (51,7 Prozent) - suchte nach einer Antwort, fand sie aber erst nach der Pause. In der Halbzeit, so erzählt man sich, habe Kartoffel seine Spieler mit dem Satz verabschiedet: "Wenn ihr schon spielt wie im Urlaub, dann bringt wenigstens ein Souvenir mit - ein Tor vielleicht." Offenbar hat’s gewirkt. Nach Wiederanpfiff übernahm Portmore das Kommando. Jacques Marshal wirbelte auf rechts, Tiago Doreste zog immer wieder nach innen, und Christian Letourneur, der erfahrene Franzose im Mittelfeld, begann, das Spiel zu diktieren. In der 57. Minute scheiterte Marshal noch knapp am glänzend reagierenden Gästekeeper Jay Billet, doch zwölf Minuten später wurde Portmores Geduld belohnt. Axel Rotthier, ein Innenverteidiger mit dem Herz eines Spielmachers, schlug einen präzisen Pass in die Schnittstelle. Letourneur nahm den Ball technisch fein herunter, drehte sich - und traf trocken ins lange Eck. 1:1 in der 70. Minute. Das Stadion bebte, Kartoffel ballte die Fäuste, und Letourneur rief in Richtung Tribüne: "Voilà! Man muss nur wollen!" Danach wogte das Spiel hin und her. Whistling FC drückte noch einmal, Eduardo Henrico schoss in der 82. und 83. Minute zweimal gefährlich aufs Tor - Payne parierte spektakulär. Der Portmore-Keeper, mittlerweile Publikumsliebling, kommentierte später trocken: "Zweimal derselbe Winkel - irgendwann merkt man sich das." Die letzten Minuten gehörten dann wieder Portmore. Doreste (68.) und Letourneur (70.) hatten Chancen, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Vielleicht, weil der Fußballgott an diesem Abend einfach ein Freund des Gleichgewichts war. Statistisch gesehen ein Duell auf Augenhöhe: 11:10 Torschüsse für die Hausherren, minimal mehr Ballbesitz, aber keine Überlegenheit, die einen Sieg zwangsläufig gerechtfertigt hätte. Beide Teams spielten mit ausgewogener Taktik, keine übertriebene Härte, kein wildes Pressing - ein strategisches Schachspiel mit karibischem Flair. Trainer Hidding fasste es nach Abpfiff charmant zusammen: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und solange niemand verletzt ist, trinken wir danach gemeinsam einen Rum." Kartoffel nickte später auf der Pressekonferenz: "Ich nehme auch einen - aber bitte erst, wenn wir das nächste Spiel gewonnen haben." Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte - mit Sonne, Stimmen, und einem Pfeifkonzert (diesmal von den Fans, nicht von Whistling FC). Man könnte sagen: Beide Teams pfiffen auf die Tabelle und spielten lieber Fußball. Und das - in Zeiten taktischer Rechenspiele - ist fast schon eine kleine Sensation. 10.04.643987 01:45 |
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