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Ein Freitagabend in Piräus, Flutlicht, 20.000 Zuschauer, ein sattes "Na los, Piräus!" hallt durchs Stadion - und am Ende jubeln die anderen. AEL Athen, bis dato eher Reisende in Sachen Mittelmaß, entführt beim 12. Spieltag der griechischen Superliga mit einem beherzten 2:0 drei Punkte aus dem Hafen. Piräus FC dagegen wirkte, als hätte man den Kompass verlegt. Bereits nach 21 Minuten bahnte sich an, was kommen sollte: Evangelos Choutos, der unscheinbare Mittelfeldmotor Athens, zog nach feinem Doppelpass mit Silvestre Carcedo aus 18 Metern ab - zack, 0:1. Der Ball zischte wie ein griechischer Espresso in den Winkel, während Piräus-Keeper Artemios Philippidis nur noch die Flugbahn bestaunen konnte. "Ich dachte, er geht drüber", murmelte der Torwart später, "aber dann hat er sich entschieden, mich zu blamieren." Piräus hatte sogar mehr Ballbesitz - 52,6 Prozent -, aber was nützt das, wenn der Ball behandelt wird, als sei er ein rohes Ei? Vier kümmerliche Schüsse aufs Tor standen am Ende 16 der Athener gegenüber. AEL-Coach Ryan Mystery, der seinem Namen alle Ehre machte, grinste nach dem Spiel: "Wir haben offensiv gespielt, aber nicht kopflos. Manchmal denke ich, meine Jungs sind wie Katzen - sie landen einfach auf den Füßen." Nach der Pause wollte Piräus das Ruder herumreißen, aber kaum war wieder angepfiffen, da klingelte es erneut. 47. Minute: Luís Travassos, der portugiesische Mittelstürmer Athens, stand nach einer butterweichen Vorlage von Carcedo goldrichtig und schob trocken zum 0:2 ein. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - nur dass Piräus offensichtlich die falsche Ausgabe gelesen hatte. Trainer Ryan Mystery klatschte frenetisch, während sich Piräus’ Abwehrspieler Stamatis Firos gegenseitig mit Blicken strafte. "Kommunikation ist alles", maulte Firos später, "aber wenn alle gleichzeitig schreien, hört keiner was." Piräus versuchte es dann mit Herz, aber nicht mit Hirn. Damian Quiles (61.) prüfte Keeper Tyler Hannigan mit einem satten Schuss, Xabi Eusebio (69.) und erneut Quiles (70.) folgten - doch der Ball wollte einfach nicht rein. Hannigan, sonst eher bekannt für seine unorthodoxen Rückpässe, hatte einen dieser Abende, an denen selbst Fliegen Angst hatten, ins Tor zu fliegen. "Ich habe einfach alles gesehen", erklärte er nach der Partie, "sogar die Sorgen in den Augen der Stürmer." Athen blieb dabei gefährlicher, schneller und - man muss es so sagen - frecher. Die jungen Wilden Sergi Ronaldo (19) und Tiago Antonio (18) wirbelten auf den Flügeln, als wollten sie beweisen, dass Alter wirklich nur eine Zahl ist. Ronaldo hätte in der 83. Minute beinahe das 0:3 erzielt, scheiterte aber an Philippidis, der wenigstens diesen Ball festhielt - und von den Fans dafür Applaus bekam, als hätte er das Spiel gewonnen. In der 74. und 75. Minute wurde es noch etwas rustikal: Alkinoos Kyrastas und James Badham sahen Gelb - beide wegen "leidenschaftlicher" Zweikampfführung, wie der Schiedsrichter es nannte. Badham verletzte sich kurz vor Schluss, humpelte vom Feld, winkte aber lächelnd ins Publikum. "Ich wollte eigentlich noch treffen", sagte er, "aber der Oberschenkel hatte andere Pläne." Statistisch gesehen war Piräus nicht schlechter - nur ineffektiver. Mehr Ballbesitz, dafür weniger Ziel. Athen schoss 16-mal aufs Tor, Piräus viermal. Die Tacklingquote sprach mit 57 zu 43 Prozent ebenfalls für die Gäste - wer will, kann sagen: Athen war einfach giftiger. "Wir haben die Chancen genutzt, Piräus eben nicht", fasste Mystery nüchtern zusammen. Sein Gegenüber, der sichtlich angefressene Trainer des FC Piräus, meinte nur: "Manchmal fliegt dir der Ball um die Ohren, manchmal fliegt er einfach weg." Und so endete ein Abend, an dem AEL Athen mit jugendlichem Elan und taktischer Disziplin einen Favoriten alt aussehen ließ. Piräus blieb ratlos zurück - und die Fans verließen das Stadion mit dem Gefühl, dass man auch mit 52 Prozent Ballbesitz keine Spiele gewinnt, sondern nur Statistiken. Zum Schluss murmelte ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen: "Früher hat Piräus wenigstens verloren, aber dabei schön gespielt." Heute bleibt nur das Verlieren. Und ein Hauch von Athen in der Luft. 19.03.643994 01:16 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer