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Ein lauer Frühlingsabend in Villarreal, 25.383 Zuschauer, Flutlicht, ein Hauch von Vorentscheidung in der Luft - und dann dieses Feuerwerk: Der SC Villarreal fertigte Bites Sevilla am 29. Spieltag der 1. Liga Spanien mit 3:0 ab, und das schon zur Pause. Danach war es eher ein gemütlicher Spaziergang für die Gelben, die sich mit der Effizienz eines Uhrwerks und der Spielfreude einer Straßenfußballtruppe präsentierten. Held des Abends war ohne Zweifel Roman Petrenko. Der 23-jährige Ukrainer, normalerweise bekannt für seine bescheidene Mimik und seine unauffällige Art, entschied früh, seine eigene kleine Gala zu feiern. In der 13. Minute vollstreckte er eiskalt nach einem langen Ball von Innenverteidiger Guillermo Arredondo - ein Treffer, der so gar nicht nach Abwehr aussah. "Ich hab’ einfach gesehen, dass Roman startet. Und gedacht: Warum nicht?", grinste Arredondo später. Acht Minuten später wieder Petrenko. Diesmal war es Isidoro Miro, der von rechts eine butterweiche Flanke brachte. Petrenko stieg hoch, ließ den Ball über die Stirn gleiten, und das Netz zappelte. 2:0. Trainer Marcus Herrmann sprang an der Seitenlinie so in die Luft, dass man kurz dachte, er wolle selbst eingewechselt werden. "Wir haben endlich mal das gespielt, was wir trainieren", sagte er nach dem Spiel, halb stolz, halb überrascht. Sevilla? Nun ja. Die Andalusier hatten mit 51 Prozent Ballbesitz zwar mehr vom Spiel, aber ungefähr so viel Durchschlagskraft wie ein nasser Schwamm. Acht Torschüsse, keiner drin. In der 14. Minute versuchte Innenverteidiger Jorge Hermenegildo sein Glück - aus 25 Metern, mit der Eleganz eines Mannes, der eigentlich lieber hinten bleiben sollte. Der Ball flog auf die Südtribüne, wo ihn ein Junge mit Popcorn auffing. Sinngemäß der Abend der Gäste. Das 3:0 in der 37. Minute war dann die perfekte Pointe: Rechtsverteidiger Vicente Castro, sonst eher der stille Malocher, fasste sich nach einem Pass von Federico Girardi ein Herz und zog einfach mal ab. Der Ball schlug präzise unten links ein - Torwart Pedro de los Reyes sah dabei so unglücklich aus, dass man ihm am liebsten einen Trostkaffee gebracht hätte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Castro später mit einem Grinsen zu. "Aber manchmal hilft der Zufall." Nach der Pause schaltete Villarreal in den Verwaltungsmodus - und Sevilla in den Frust. Vitor Tiago kassierte in der 28. Minute Gelb für ein eher übermotiviertes Grätschen, Castro sah kurz vor Schluss ebenfalls Gelb, wohl weil er die 88. Minute mit "wir haben’s eh" kommentierte. Auf der anderen Seite erwischte Hermenegildo noch eine Verwarnung in der Nachspielzeit - symbolisch für einen Abend, an dem Sevilla aus lauter Ärger fast das Tackling verlernte. Die Statistik erzählte am Ende eine fast komische Geschichte: Villarreal mit 15 Torschüssen, Sevilla mit 8. Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste, aber das Ergebnis zeigte, wer hier Fußball spielte und wer nur so tat. Herrmanns Mannschaft presste clever, blieb aggressiv, ohne unfair zu werden, und nutzte jede Lücke. "Wir hatten heute Lust auf Flügelspiel", erklärte der Coach und deutete auf seine Außen: "Vitor, Isidoro, Timon - das war wie ein Schnellzug ohne Haltestellen." Sevillas Trainer, der lieber anonym bleiben wollte (wohl aus Selbstschutz), analysierte nüchtern: "Wir haben offensiv gespielt, aber irgendwie nur auf dem Papier." Dann lächelte er bitter: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal auch ein Tor treffen. Nur als Idee." Petrenko dagegen stand nach dem Spiel mit einem unschuldigen Grinsen vor den Kameras. "Drei zu null, zwei Tore, keine Verletzung - das ist ein guter Sonntag", sagte er. "Meine Mutter hat geschrieben, ich soll mal wieder jubeln. Hab ich gemacht." Als die Zuschauer das Estadio de la Cerámica verließen, hörte man Sätze wie "So spielt man Fußball" und "Endlich wieder Spaß!". Und ja - das war er, dieser seltene Abend, an dem Statistik, Stil und Stimmung im Einklang waren. Fazit: Villarreal spielte wie eine Mannschaft, die wusste, dass sie besser ist - und es auch zeigen wollte. Sevilla biss, aber ohne Zähne. Wenn Petrenko so weitermacht, wird bald nicht nur seine Mutter schreiben, sondern auch halb Europa anklopfen. Bis dahin darf Trainer Herrmann ruhig ein bisschen träumen - von Champions-League-Nächten, in denen sein Stürmer wieder zwei Mal trifft und danach mit trockenem Humor sagt: "War doch nur ein normaler Tag im Büro." 10.08.643993 23:30 |
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Mario Basler