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Ein kalter Januarabend, 20.000 Zuschauer im Athener Stadion, Flutlicht, Spannung - und am Ende ein Ergebnis, das die Heimfans frösteln ließ: Panathinaikos verliert am 7. Spieltag der 1. Liga Griechenland mit 0:2 gegen mutige Gäste aus Giannina. Zwei Tore, beide für die Gäste, ein Spiel voller verpasster Chancen, und ein Heimteam, das zwar den Ball hatte, aber nicht wusste, was es damit anfangen sollte. "Wir waren da, aber irgendwie auch nicht", sagte Panathinaikos-Trainer Zuba Zuma nach dem Spiel und kratzte sich am Kopf, als habe er selbst noch nicht ganz verstanden, wie seine Mannschaft 90 Minuten lang so brav in die Falle tappte. Sein Gegenüber, Kai Häntsch, grinste: "Wir wollten einfach Fußball spielen - und Panathinaikos hat uns gelassen." Von Beginn an zeigte Giannina, dass sie nicht als Touristen angereist waren. Schon nach zehn Minuten prüfte Amaury Figo den Heimkeeper Asimakis Theotokis - erster Warnschuss. Es sollte nicht der letzte bleiben. Insgesamt 21 Schüsse auf das Tor feuerten die Gäste ab - eine Zahl, die Panathinaikos’ vier kümmerliche Versuche fast mitleiderregend wirken ließ. Doch trotz all dieser Offensivlust dauerte es bis zur 40. Minute, ehe der Ball endlich zappelte: Robert Ramsay, der schon früh Gelb gesehen hatte, legte mustergültig quer, und der 33-jährige Jose Enrique Rivilla schob eiskalt ein. 0:1, und auf der Tribüne hörte man ein kollektives Seufzen, das bis zum Akropolis-Hügel reichte. "Ich hab’s gerochen, dass der Ball so kommt", erklärte Rivilla später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und mediterraner Lässigkeit pendelte. Panathinaikos versuchte, nach der Pause das Ruder herumzureißen, aber die Versuche wirkten wie Noten eines vergessenen Orchesters: viele Einsätze, wenig Harmonie. Zwar hielt man mit 50,5 Prozent Ballbesitz optisch das Gleichgewicht, doch Giannina war das klar gefährlichere Team - bissiger in den Zweikämpfen (57,7 Prozent Erfolgsquote) und zielstrebiger im Abschluss. In der 59. Minute setzte Amaury Figo den Deckel drauf. Nach einem Abpraller im Strafraum reagierte der 30-Jährige am schnellsten, zog trocken ab - 0:2. Kein Abseits, kein Zögern, einfach Fußball pur. Danach ließ Häntschs Team nichts mehr anbrennen. "Das war der Moment, in dem wir verstanden haben, dass wir heute Geschichte schreiben können", meinte Figo später. Panathinaikos dagegen kämpfte - oder versuchte es zumindest. Der 18-jährige Avraam Mitropoulos sorgte mit zwei beherzten Schüssen für kurze Hoffnungsmomente (1. und 39. Minute), doch Torwart Alejandro Ronaldo - ja, er heißt wirklich so - hielt alles, was kam. "Ich habe ihm gesagt: Wenn du heute null hältst, gibt’s Gyros auf meine Rechnung", verriet Coach Häntsch lachend. Man darf annehmen, dass Ronaldo gut gegessen hat. Das Publikum in Athen verabschiedete seine Mannschaft mit höflichem Applaus, der mehr nach Pflicht als nach Überzeugung klang. "Wir müssen an unserer Zielstrebigkeit arbeiten", erklärte Trainer Zuma in der Pressekonferenz. "Ballbesitz ist schön, aber Tore sind schöner." Ein Journalist murmelte trocken: "Vielleicht mal schießen statt streicheln." Giannina zeigte dagegen, dass man mit klarem Plan und mutigem Fußball auch auswärts bestehen kann. Ihr Offensivkonzept - offensive Ausrichtung, sicheres Passspiel, keine Angst vor Abschlüssen - ging voll auf. Nicht einmal die beiden Gelben Karten für Ramsay (11.) und Kessler (74.) konnten den Rhythmus brechen. In der Schlussphase wurde’s fast gemütlich. Giannina verwaltete, Panathinaikos resignierte. Der eingewechselte Joao Morte brachte noch einmal frische Beine, aber keine Unruhe ins Spiel - was in diesem Fall ein Kompliment ist. Nach Abpfiff feierten die Gäste ausgelassen, während Zuma seine Spieler einsammelte wie ein Lehrer, der nach der Klassenarbeit die Köpfe hängen sieht. "Wir werden zurückkommen", versprach er trotzig. "Aber vielleicht sollten wir vorher mal aufs Tor schießen." Ein Abend, an dem Statistik und Gefühl selten so einig waren: Giannina war besser, wacher, mutiger. Ein 0:2, das klarer nicht hätte ausfallen können. Und so reisten die Nordgriechen mit drei Punkten im Gepäck nach Hause - und Panathinaikos blieb mit der Erkenntnis zurück, dass Ballbesitz ohne Ideen ungefähr so nützlich ist wie ein Regenschirm im Windkanal. Oder, wie Giannina-Kapitän Diego Assis mit einem Augenzwinkern sagte: "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Aber heute waren wir die Hübscheren." 29.03.643987 13:58 |
Sprücheklopfer
50 Prozent der Spieler hassen mich.
Mario Basler