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Ein lauer Januarabend in Athen, 20.000 Zuschauer im Stadion, die Lichter brennen, der Mythos Panathinaikos will aufblühen - und dann kommt Atromitos. Drei Tore später steht der Traditionsklub im eigenen Stadion da wie ein Tourist im Akropolis-Museum: staunend, aber ratlos. 1:3 hieß es am Ende, und das war, trotz 53 Prozent Ballbesitz, kein Zufall, sondern eine Lektion in Effizienz und Konterkunst. Die Partie begann furios. Schon in der zweiten Minute prüfte Panathinaikos-Stürmer Tommaso Cosentino den gegnerischen Keeper Jannis Lee, der mit einer Flugeinlage Marke "Fototapete" glänzte. Doch während die Hausherren versuchten, das Spiel zu diktieren, lauerte Atromitos auf seine Momente - und die kamen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. In der 26. Minute war es Heinz Kroll, der nach feinem Pass von Innenverteidiger Isidoro Beto (!) das 0:1 erzielte. Kroll, der auffällig oft grinste, als wüsste er etwas, das die Verteidiger nicht wussten, erklärte später: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man zu viel denkt, trifft man die Eckfahne." Ein Satz, den man sich in Gold auf jedes Trainingsleibchen drucken sollte. Panathinaikos wirkte irritiert, aber nicht geschlagen. Der Ball lief gefällig durch die eigenen Reihen, Odysseas Papastathopoulos und Anthimos Salpingidis versuchten, das Zentrum zu ordnen, doch vorne fehlte die letzte Präzision. 12 Torschüsse, aber nur einer fand später ins Netz - das sagt einiges. "Wir wollten sicher spielen", meinte ein sichtlich zerknirschter Trainer der Gastgeber nach der Partie. "Aber sicher ist im Fußball nur, dass man am Ende schwitzt." Nach der Pause kam kurz Hoffnung auf. In der 56. Minute vollendete der 18-jährige Stelios Ninis einen schönen Spielzug über Carl Mascarenhas zum 1:1. Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Mascarenhas klopfte dem Teenager auf die Schulter: "Ab jetzt gehörst du zur Familie." Leider schien die Familie ein paar Minuten später kollektiv einzuschlafen. Atromitos, vom umtriebigen Coach Michael Graf perfekt eingestellt, blieb cool, spielte weiter auf Konter. "Wir wussten, dass sie kommen würden - also haben wir gewartet", grinste Graf hinterher. Und das Warten sollte sich lohnen: In der 79. Minute kam der frisch eingewechselte Connor Kinmont, bedient vom wuseligen Carles Castano, frei zum Schuss - 1:2. Kaum hatten sich die Grünen vom Schock erholt, klingelte es erneut. Wieder Kroll, diesmal in der 83. Minute, eiskalt, trocken, unaufgeregt. "Ich bin kein Künstler", sagte der Doppeltorschütze später, "aber manchmal malt man eben ein schönes Tor." Panathinaikos versuchte noch einmal alles, schob die Abwehrreihe nach vorn, doch das Offensivspiel blieb Stückwerk. Mascarenhas hatte in der 88. Minute noch eine gute Gelegenheit, doch Lee im Atromitos-Tor parierte glänzend. Die Statistik erzählte am Ende eine kuriose Geschichte: 52,6 Prozent Ballbesitz für Panathinaikos, 12 Torschüsse. Atromitos dagegen mit 19 Abschlüssen - und einer Chancenauswertung, die jedem Buchhalter Tränen der Freude in die Augen treiben würde. Auch in den Zweikämpfen lag das Team von Graf leicht vorne (51,6 Prozent). Ein kleiner Zwischenfall sorgte in der 65. Minute für erhitzte Gemüter: Papastathopoulos sah Gelb, weil er meinte, der Schiri brauche "eine Brille und ein Wörterbuch für griechische Flüche". Der Referee verstand ihn offenbar gut genug. "Wir haben uns clever angestellt", resümierte Atromitos-Kapitän Humberto Ferreira nach dem Spiel. "Panathinaikos hat schön gespielt, wir haben richtig gespielt." Das Publikum verließ das Stadion mit gemischten Gefühlen - zwischen Ärger und Respekt. Ein älterer Fan brachte es auf den Punkt: "Wenn man den Ball hat, aber nicht das Tor trifft, ist das wie ein schöner Tanz ohne Musik." So endet der 18. Spieltag für Panathinaikos mit Ernüchterung, für Atromitos dagegen mit einem kleinen Fußballmärchen. 3:1 auswärts in Athen - das schmeckt wie Ouzo nach einem langen Tag. Und während die Gastgeber ihre Wunden lecken, wird man in Peristeri wohl noch lange von Heinz Krolls kühlem Doppelschlag erzählen. Oder, wie Trainer Graf es mit einem Augenzwinkern ausdrückte: "Wir hatten heute einfach den besseren Plan - und vielleicht auch den besseren Humor." 15.08.643987 11:09 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler