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Wenn 59.000 Zuschauer im Estadio Hidalgo aufspringen, ist klar: Es gibt wieder Grund zur Freude. Deportivo Pachuca bot am 9. Spieltag der 1. Liga Mexico ein Feuerwerk, das Atletico Chetumal noch lange in den Ohren dröhnen dürfte. Am Ende leuchtete ein sattes 5:1 (3:0) auf der Anzeigetafel - und das war sogar schmeichelhaft für die Gäste. Schon in der fünften Minute begann das Unheil für Chetumal. Xavi Velasquez, der Regisseur im Mittelfeld, nahm einen feinen Pass von Xabi Ordonez auf, tanzte einen Gegenspieler aus und drosch den Ball trocken ins Eck. "Ich wollte einfach sehen, ob der Torwart wach ist", grinste Velasquez später. Spoiler: Er war’s nicht. Pachuca spielte danach wie in Trance - oder besser gesagt: wie in einem Rausch. In der 14. Minute legte Adriano Almeida nach, nach einem butterweichen Zuspiel von Markos Kalogeropoulos. Wenn Fußball Kunst wäre, hätte Almeida sich hier einen Platz in der Nationalgalerie verdient. 2:0. Und Chetumal? Stand irgendwo zwischen ratlos und resigniert. Nur elf Minuten später wiederholte sich das Schauspiel: Velasquez, wieder er, diesmal nach Vorlage von Innenverteidiger Bruno Ouellet. 3:0. Trainer Bernd Franke drehte sich am Spielfeldrand um, als wolle er sagen: "Ich hab’s euch doch gesagt." Tatsächlich hatte er vor dem Spiel gewarnt: "Wir trainieren nicht für den Schönheitspreis, sondern für Tore." Nun, seine Jungs kombinierten beides. Atletico Chetumal hingegen wirkte, als stünde noch die Anreise auf dem Trainingsplan. Fünf Torschüsse in 90 Minuten - das ist ungefähr so viel Offensivdrang wie ein Parkplatzschild. Der Ballbesitz von 43 Prozent sagt zwar, dass sie mitspielen durften, aber nicht, dass sie wussten, was damit anzufangen war. In der Pause versuchte Gästecoach Bastian Roemmler, seine Spieler mit markigen Worten zurück ins Leben zu rufen. "Wir sind keine Touristen!", soll er gebrüllt haben. Vielleicht hätte er besser gesagt: "Wir sind keine Statisten." Denn Pachuca machte nach dem Seitenwechsel einfach weiter. Nach einer Stunde begann Chetumal immerhin, etwas robuster zu werden. Silvestre Esclapez und Dominique Pare sammelten in der 65. und 68. Minute fleißig Gelbe Karten - vermutlich aus purer Sehnsucht nach Erwähnung im Spielbericht. Und tatsächlich, in der 70. Minute flackerte kurz so etwas wie Hoffnung auf: Morgan Cort sorgte nach Vorlage von eben jenem Pare für den 3:1-Anschlusstreffer. Ein schöner Schuss, keine Frage. Trainer Roemmler riss die Arme hoch, als hätte man gerade die Liga gewonnen. Leider währte die Freude kürzer als ein mexikanischer Sommerregen. Denn Pachuca hatte noch Lust - und Xavi Velasquez noch Ideen. In der 82. Minute steckte er den Ball perfekt auf Nelio Henrico durch, der eiskalt vollendete. "Xavi könnte mir im Schlaf einen Pass zuspielen", schwärmte Henrico hinterher. Kaum hatte man das Tor zu Ende bejubelt, rappelte es erneut: Nur eine Minute später erhöhte Adam Gunn nach Vorlage von Almeida auf 5:1. Ein Doppelpack in 60 Sekunden - das nennt man wohl Effizienz auf höchstem Niveau. Danach spielte Pachuca Katz und Maus, und Chetumal hechelte hinterher. 23 Torschüsse der Hausherren standen 5 kümmerliche Versuche der Gäste gegenüber, Ballbesitz 56 zu 44 Prozent, Zweikampfquote 55 zu 45 - Zahlen, die so klar sind wie der Himmel über Hidalgo. "Wir haben heute gesehen, was passiert, wenn wir unser Potenzial abrufen", sagte Bernd Franke später mit einem zufriedenen Lächeln. "Und was passiert, wenn der Gegner das nicht tut", fügte er trocken hinzu. Bastian Roemmler hingegen wirkte, als hätte er gerade einen besonders schlechten Zahnarzttermin hinter sich. "Wir waren in der ersten Halbzeit nicht existent", räumte er ein. "In der zweiten immerhin anwesend." Pachuca-Fans sangen noch lange nach Abpfiff, während auf der Anzeigetafel die Zahlen 5:1 glühten. Xavi Velasquez wurde zum Spieler des Tages gewählt - zwei Tore, eine Vorlage, eine Spielweise wie aus einem Lehrbuch für gepflegte Dominanz. Und irgendwo in der Mixed Zone hörte man einen Journalisten murmeln: "Wenn Pachuca so weitermacht, braucht die Liga bald einen neuen Tabellenführer." Ein anderer antwortete trocken: "Oder Chetumal einen neuen Torwart." So oder so - dieser Abend gehörte ganz eindeutig den Tuzenos. Ein Spiel, das man in Pachuca wohl noch eine Weile erzählen wird. Und in Chetumal vermutlich lieber nicht. 12.02.643994 00:45 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll