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Es war ein lauer Abend in Torreón, 43.500 Zuschauer, die Sonne verschwand gerade hinter den Tribünen - und mitten hinein in diese mexikanische Fußballidylle platzte Deportivo Pachuca mit chirurgischer Präzision. Am Ende stand ein 3:1-Auswärtssieg, der auf dem Papier souverän aussieht, in Wahrheit aber ein zähes Ringen war. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass Pachuca an diesem 15. Spieltag der "1. Liga Mexico" kein Geduldsspiel zu führen gedachte. Filipe Carvalho, der 33-jährige Linksaußen mit mehr Erfahrung als ein ganzes Jugendinternat, prüfte den jungen Laguna-Keeper Joseba Cunha gleich mehrfach. In der 19. Minute war es dann so weit: Oscar Ximenes legte feinfühlig quer, Carvalho zog ab - 0:1. "Ich habe einfach geschossen, bevor ich nachdenken konnte", grinste Carvalho später. "Wenn ich nachdenke, geht’s meistens daneben." Die Guerreros Laguna wirkten zunächst überrascht, beinahe beleidigt, dass der Gast ihre Arena wie ein eigenes Wohnzimmer behandelte. Doch kurz vor der Pause kam der Moment, der das Stadion zum Kochen brachte. Paulo Arias, der bullige Rechtsaußen, setzte sich auf dem Flügel durch, flankte scharf - und Xavier Dominguez wuchtete den Ball volley ins Netz (45.). 1:1. Der Jubel war ohrenbetäubend, das Bier floss, und Trainer Bernd Franke von Pachuca schüttelte nur den Kopf. "Wir hatten das Spiel im Griff und kassieren dann so ein Sonntagstor - am Donnerstagabend!", brummte er in der Pause. Doch wer dachte, Laguna würde nun das Momentum nutzen, wurde eines Besseren belehrt. Pachuca kombinierte weiter geduldig, fast überheblich, während Laguna zunehmend auf Konter lauerte. Die Statistiken erzählen die Geschichte nüchtern: 24 Torschüsse für die Gäste, nur sieben für die Hausherren, fast ausgeglichenes Ballbesitzverhältnis (51 zu 49 Prozent). Aber nüchtern war hier keiner - schon gar nicht auf der Tribüne, wo jeder missglückte Pass mit einem kollektiven Stöhnen quittiert wurde. In der 85. Minute fiel dann die Entscheidung. Nach einer Ecke von Salvador Alvaro stieg Innenverteidiger Jozef Gresko am höchsten - und nickte den Ball wie ein erfahrener Mittelstürmer ins Eck. 1:2. "Ich dachte, jemand anderes steht hinter mir", murmelte Lagunas Torwart Cunha nach dem Spiel entschuldigend. "Leider stimmte das - Gresko." Laguna warf nun alles nach vorne, was noch laufen konnte. Trainer der Guerreros (dessen Name im Protokoll unauffällig fehlt, was vielleicht besser so ist) brüllte seine Männer nach vorne. Doch statt des Ausgleichs kam der Knockout: In der 92. Minute machte Xavi Velasquez nach Vorlage von erneut Ximenes den Deckel drauf. 1:3 - und die Heimfans gingen mit hängenden Köpfen Richtung Parkplatz. "Wir haben’s versucht, aber Pachuca war einfach eiskalt", meinte Lagunas Torschütze Dominguez und blickte in den Nachthimmel. "Vielleicht hätten wir mehr schießen sollen - oder wenigstens öfter aufs Tor." Ein Seitenhieb, der bei sieben eigenen Abschlüssen durchaus Berechtigung hat. Pachuca dagegen zeigte, warum sie in dieser Saison zum erweiterten Titelkreis zählen: abgezockt, körperlich präsent und mit einem Mittelfeld, das den Ball laufen ließ, als wäre er an der Schnur. Bernd Franke, der deutsche Coach mit der Miene eines Mathematiklehrers, bilanzierte trocken: "Wir hatten den Plan, das Spiel zu kontrollieren. Das hat 89 Minuten funktioniert. Minute 45 war ein Ausrutscher." Apropos Kontrolle: Drei Gelbe Karten sammelte Pachuca ein - Joao Jorge, Sergio Alvarez und Joseba Costa - alle nach rustikalen Zweikämpfen, die an früheren Straßenfußball erinnerten. Lagunas Juanito Vasquez wollte offenbar nicht zurückstehen und holte sich in der 79. Minute ebenfalls Gelb ab. Die Schlussphase war trotz des Rückstands noch sehenswert. Filipe Carvalho und Ximenes wirbelten, als ginge es um ein Torfestival, während Laguna mit langen Bällen hoffte, dass sich das Schicksal doch noch umentscheidet. Tat es nicht. Stattdessen jubelte Pachuca ausgelassen vor dem Gästeblock - etwa 200 Fans, die ihre Trommeln mitgebracht hatten und in der lauten Nacht von Torreón ein kleines Fest feierten. Was bleibt? Ein Guerrero-Herz, das kämpfte, aber an Effizienz scheiterte. Ein Pachuca-Team, das mit Geduld, Tempo und Routine letztlich jede Lücke fand. Und ein Trainer Franke, der zum Schluss nur lakonisch meinte: "Wenn du 24-mal aufs Tor schießt, darfst du dich nicht beschweren, wenn drei reingehen." Laguna dagegen wird sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Ballbesitz und Leidenschaft keine Punkte garantieren. Vielleicht hilft ihnen Frankes Trostpflaster: "Sie haben uns geärgert, bis zur letzten Minute. Und das ist auch eine Qualität." Ein lauer Abend, drei Tore für den Gast, ein Tor für den Stolz - und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach ungerecht schön ist. 30.06.643987 02:31 |
Sprücheklopfer
Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund