Heraldo de Mexico
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Pachuca dominiert Atlante - ein Abend der frühen Entscheidungen

Wenn 57.979 Zuschauer in der "Hidalgo-Hölle" von Pachuca das Flutlicht angehen sehen, dann darf man mit Leidenschaft rechnen. Am 8. Spieltag der 1. Liga Mexiko lieferte Deportivo Pachuca unter Trainer Bernd Franke eine erste Halbzeit ab, die man getrost als taktische Lehrstunde bezeichnen darf. Das 2:0 gegen UD Atlante war in Zahlen klar - 21:4 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz - und in der Wirkung beinahe noch deutlicher.

Dabei begann alles harmlos: Atlante zog sich tief zurück, spielte das "Pressing BEHIND"-Konzept seines exzentrischen Trainers Till Lindemann (ja, der Name ist Programm) mit der Präzision eines müden Rockers nach der Zugabe. "Wir wollten erstmal sehen, was die können", sagte Lindemann später mit einem Grinsen, das zwischen Trotz und Selbstironie schwankte. Was Pachuca konnte, zeigte sich dann in Minute 15.

Linksverteidiger Bruno Beaupre, sonst eher für rustikale Tacklings bekannt, fasste sich nach einem Doppelpass mit Oscar Ximenes ein Herz - oder vielleicht war es auch einfach Übermut - und zirkelte das Leder aus 18 Metern in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehauen, weil Oscar geschrien hat, dass er sich versteckt", lachte Beaupre nach dem Spiel. Das Stadion bebte, und Atlante schien kurzzeitig die Orientierung verloren zu haben.

Nur vier Minuten später der nächste Schlag: Diesmal über rechts. Außenverteidiger Isidoro Simao sprintete die Linie entlang, flankte scharf nach innen, und Franck Wyler, der bullige Routinier im Sturm, drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 2:0 - und noch bevor Atlante überhaupt in der Partie angekommen war, war sie praktisch entschieden. "Da war die Luft draußen", gestand Atlantes Kapitän Jorge Albinana, der sich später noch eine Gelbe Karte abholte - vielleicht aus Frust, vielleicht, um wenigstens einmal aufzufallen.

Pachuca spielte in der Folge wie im Training: kontrolliert, überlegt, gelegentlich verspielt. 21 Torschüsse insgesamt, davon gefühlt die Hälfte durch Duarte Ramallo, der auf links unermüdlich rackerte. Nur der Torjubel blieb ihm verwehrt. "Ich hab alles versucht - sogar den Ball angeschrien", witzelte Ramallo nach Abpfiff. Atlante hingegen kam auf vier zaghafte Abschlüsse, meist durch den jungen Rui Teixeira, der sich an Pachucas Defensive die Zähne ausbiss. Einmal, in der 12. Minute, musste Pachuca-Keeper Aitor Goncalves richtig zupacken - das war’s dann aber auch schon.

Die zweite Hälfte war ein Muster an Spielkontrolle. Bernd Franke, ein Mann, der bei Interviews selten Emotionen zeigt, ordnete an: "Kurzpassspiel, keine Heldentaten." Seine Mannschaft gehorchte brav. Die Statistik unterstreicht das: 53,7 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, kein Gegentor. Nur bei den Gelben Karten gab’s Gleichstand - je eine pro Team.

In der 45. Minute wechselte Franke den leicht angeschlagenen Bruno Ouellet aus - Jozef Gresko übernahm und brachte noch mehr Ruhe ins Spiel. Später durfte Nachwuchsstürmer Laurent Peltier ran, der zweimal gefährlich abschloss (87. und 90. Minute), aber am glänzend reagierenden Atlante-Keeper Carl Galan scheiterte. "Ich wollte einfach nicht, dass es zu deutlich wird", scherzte Galan später - ein Humor, den man nach so einem Abend braucht.

Coach Lindemann hingegen beschrieb seinen Frust auf seine ganz eigene Weise: "Ich hab den Jungs gesagt, dass wir mehr Explosion brauchen. Aber ich glaube, sie haben das wörtlich genommen und sind innerlich explodiert." Ein paar Fans auf der Tribüne lachten herzlich - andere rieben sich die Augen über die Harmlosigkeit des Traditionsklubs.

Pachuca hingegen darf zufrieden sein. Zwei frühe Tore, souveräne Kontrolle, keine Verletzten, ein taktisch disziplinierter Auftritt. "So stelle ich mir Fußball vor - kein Spektakel, aber klare Linie", sagte Franke. Dabei klang er fast ein wenig stolz, was bei ihm selten vorkommt.

Als die Spieler nach Abpfiff in die Kabine gingen, rief ein Fan aus der ersten Reihe: "Wyler, nächstes Mal bitte Hattrick!" Der Stürmer drehte sich um, grinste und antwortete: "Dann müsst ihr früher kommen!"

Ein Spiel, das früh entschieden war, aber dennoch unterhielt - weil Pachuca zeigte, dass Effizienz auch schön aussehen kann. Atlante muss sich derweil fragen, ob "Pressing BEHIND" vielleicht doch eher ein Lebensmotto als eine Taktik ist.

Ein augenzwinkerndes Schlusswort gefällig? In Pachuca weiß man jetzt wieder: Wer früh aufsteht - oder früh trifft - hat am Ende weniger Stress.

10.04.643987 03:43
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