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Es war ein frostiger Abend im Myresjöhus Arena, doch die 12.500 Zuschauer ließen sich die Stimmung nicht verderben. Schließlich versprach das Duell zwischen Östers FF und Ersboda BK am 21. Spieltag der 1. Liga Schweden schon vor dem Anpfiff Dramatik - und das hielt es auch. Am Ende stand ein 1:2 (1:1) aus Sicht der Hausherren, die zwar mehr Ballbesitz (53 %) hatten, aber weniger Effektivität im Abschluss zeigten. Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Keine zehn Minuten waren gespielt, als Ersbodas linker Flügel Henrik Sundström den Ball nach feiner Vorarbeit von Jack Maxwell ins rechte Eck nagelte. "Ich hab einfach draufgehalten - der Ball wollte wohl auch mal ins Tor", grinste Sundström später verschmitzt. Östers wirkte kurz geschockt, sortierte sich aber schnell. Nur acht Minuten später machte Felix Mattson das, was er am besten kann: von links ziehen, kurz antäuschen, und dann mit links ab ins lange Eck - 1:1. Henri Nowak hatte den Treffer mit einem cleveren Querpass vorbereitet. Ab da entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Östers kombinierte gefällig und brachte es bis zur Pause auf acht Torschüsse, doch es fehlte an der letzten Konsequenz. "Wir spielen schön, aber Fußball ist kein Kunstwettbewerb", knurrte Mattson nach dem Spiel. Auf der anderen Seite setzte Ersboda auf schnelles Umschalten - und vor allem auf die unbändige Energie ihrer Stürmer. Sundström und Urban Karlson wirbelten die Östers-Abwehr ein ums andere Mal durcheinander, während Trainer Piel Juergen an der Seitenlinie unentwegt gestikulierte und sein Team nach vorne peitschte. Die zweite Halbzeit begann mit einem Déjà-vu: Östers hatte mehr Ballbesitz, mehr Passsicherheit, aber weniger Durchschlagskraft. Ersboda lauerte, biss sich in die Zweikämpfe (Zweikampfquote 52 %) und wartete geduldig auf den Moment. Und der kam in Minute 81: Sigmund Eriksson zog auf rechts durch, flankte butterweich - und Urban Karlson köpfte den Ball humorlos ins Netz. 2:1 für die Gäste. Der Jubel im Ersboda-Block war so laut, dass man kurz dachte, der Frühling sei ausgebrochen. Östers versuchte in den letzten Minuten alles. Der eingewechselte Yannick Koller prüfte in der 86. Minute den jungen Ersatztorwart Alrik Anderson, der erst kurz zuvor für den verletzten Jorn Halvorsen gekommen war - doch Anderson parierte mit der Ruhe eines 30-Jährigen. "Ich dachte, der Ball sei durch die Kälte steif geworden", scherzte er später, "aber mein Handschuh war zum Glück warm genug." Trainer Juergen zeigte sich nach dem Abpfiff sichtlich zufrieden: "Wir wollten mutig sein und haben’s durchgezogen. Östers ist heimstark, aber wir haben gezeigt, dass wir nicht nur mitspielen, sondern gewinnen können." Sein Gegenüber - Östers’ Coach, der sich nach Schlusspfiff demonstrativ in seinen Schal wickelte - wirkte weniger begeistert. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Kontrolle bringt dir keine Punkte", sagte er trocken. Statistisch gesehen war das Spiel fast ein Paradoxon: Östers hatte elf Schüsse aufs Tor, Ersboda sechzehn. Der Ball lief gefällig durch die Reihen der Hausherren, doch die Gäste schossen aus allen Lagen ("ANYTIME" war bei ihnen offenbar nicht nur taktischer Eintrag, sondern Lebensmotto). Die Fans quittierten die vergeblichen Versuche ihrer Mannschaft mit einem kollektiven Seufzer - und einem kurzen Aufbäumen in der Nachspielzeit, als Nowak noch einmal frei durch war, den Ball aber über den Querbalken jagte. "Vielleicht hätten wir weniger schön spielen und mehr hässlich treffen sollen", meinte Nowak hinterher halb lachend, halb fluchend. Felix Mattson nickte neben ihm: "Ersboda war heute einfach galliger." Und so endete der Abend, wie viele kalte Februarnächte in Växjö enden: mit roten Nasen, heißen Getränken und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal kein Geduldsspiel, sondern ein Glücksfall ist. Ersboda BK nimmt drei Punkte mit nach Hause, Östers FF bleibt das Gefühl, mehr vom Spiel, aber weniger vom Glück gehabt zu haben. Zum Abschied sagte ein Fan auf der Tribüne treffend: "Ballbesitz ist schön - Tore sind schöner." Recht hat er. 28.01.643991 02:57 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme