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Wenn in Piräus Flutlicht und Erwartungshaltung gleichzeitig angehen, dann weiß man: Es wird wieder ein Abend zwischen Euphorie und Ekstase - oder, wie diesmal, zwischen Hoffnung und Ernüchterung. 43.500 Zuschauer sahen am 12. Spieltag der 1. Liga Griechenland, wie Olympiokos gegen OFE Kreta mit 1:2 (1:1) unterlag. Ein Spiel, das alles bot: frühe Führung, sehenswerte Kombinationen, eine Verletzung, reichlich Gelb - und am Ende den bitteren Abgang eines frustrierten Mittelfeldspielers. Dabei begann alles nach Maß für die Rot-Weißen. Schon in der 12. Minute jubelte das Stadion, als Kleanthes Dranias, der quirlige Rechtsaußen, den Ball nach mustergültiger Vorlage von Stavros Margaritis über die Linie drückte. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Dranias später - was allerdings nach 90 Minuten wie eine bittere Ironie klang. Denn Kreta hatte die passende Antwort schon 15 Minuten später. In der 27. Minute kombinierte sich OFE Kreta mit mediterraner Leichtigkeit über die Flügel: Duarte Caneira flankte von rechts, Minos Theodoridis nahm die Kugel volley - Ausgleich! Die 500 mitgereisten Fans der Inselmannschaft ließen die Heimkurve für einen Moment verstummen. Trainer Jeff Johnson, ein Mann mit Baseballkappe und Dauerlächeln, kommentierte trocken: "Wir wollten zeigen, dass Kreta nicht nur für Urlaub steht." Das gelang. Für Olympiokos lief es danach unrund. Innenverteidiger Aris Kirastas musste kurz nach dem Gegentor verletzt raus - Muskulatur, wie man so schön sagt, "macht nicht mehr mit". Ersatzmann Tasos Zagorakis kam rein, aber die Abwehr wirkte fortan nervös. Trainer Dirk Reichmann gestikulierte an der Seitenlinie wild, manchmal sah es aus, als wolle er selbst eingewechselt werden. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", behauptete Reichmann später trotzig. Statistisch hatte er nicht ganz unrecht: 10 Torschüsse gegenüber 9 des Gegners, 47,8 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote fast auf den Punkt gleich (49,99 %). Nur - auf der Anzeigetafel stand’s anders. Denn in der 69. Minute kam der Moment, der Kreta drei Punkte und den Heldenstatus für Duarte Caneira brachte. Nach einem schnellen Doppelpass mit Theodoridis zog Caneira von rechts in den Strafraum und schlenzte den Ball in die lange Ecke. 2:1 für Kreta - und das Stadion wurde plötzlich sehr, sehr leise. Nur eine kleine Gruppe in Blau hüpfte ekstatisch auf der Tribüne. Olympiokos versuchte alles, schob die Formation nach vorn, spielte lange Bälle, wie es das taktische Protokoll später bestätigte. Doch das Glück blieb auf Urlaub. Dranias scheiterte in der 72. Minute erneut am glänzend reagierenden Kreta-Keeper Kian Boutin. "Ich hab ihn schon drin gesehen", murmelte der Stürmer nach dem Spiel, "aber dann kam dieser verdammte Handschuh." Die Schlussphase wurde hitzig. Paris Xanthis, der junge Linksaußen, sah zunächst Gelb (65.) und dann, nach einem rustikalen Einsteigen in der 83. Minute, Gelb-Rot. "Er wollte nur zeigen, dass er kämpfen kann", verteidigte ihn Reichmann - was allerdings wenig Trost für die dezimierte Mannschaft brachte. Kreta zog das Spiel clever runter, ließ den Ball laufen und provozierte die Gastgeber mit Passstafetten, die beinahe schon frech wirkten. Zwischendurch ein kleiner Dialog am Spielfeldrand: "Jeff, spielst du eigentlich auf Zeit?", rief Reichmann seinem Kollegen zu. Johnson konterte grinsend: "Nein, auf Sieg - aber danke für die Idee!" Nach dem Abpfiff jubelten die Gäste, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. "Wir sind stolz, in Piräus zu gewinnen - das passiert nicht alle Tage", sagte Torschütze Caneira, während er sich ein Stück Rasen als Souvenir in die Socke stopfte. Olympiokos dagegen suchte nach Erklärungen. "Vielleicht brauchen wir mehr Geduld - oder weniger Gelb", meinte Kapitän Emmanouil Margaritis, der sich wie viele ratlos den Schweiß von der Stirn wischte. So bleibt für die Rot-Weißen eine bittere Erkenntnis: Wer 1:0 führt, muss noch kein Spiel gewonnen haben - schon gar nicht gegen eine Mannschaft, die Sonne, Meer und taktische Disziplin vereint. Ein sarkastischer Fan fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "Kreta hat uns heute nicht nur den Ball, sondern gleich die ganze Insel weggenommen." Und so war es. Ein Abend, der in die Kategorie "aus Niederlagen lernt man" fällt - wobei man bei Olympiokos wohl lieber das Kapitel "Wie man eine Führung über die Zeit bringt" noch einmal liest. 04.10.643990 07:13 |
Sprücheklopfer
Mein Sohn ist wegen dem Rennen hier, ich nur wegen den Boxenludern.
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