Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Olympiokos stolpert gegen Kreta - ein Tor, viele Fragen

41758 Zuschauer im vollbesetzten Olympiokos-Stadion rieben sich am Dienstagabend verwundert die Augen: Ihr Team, der große Favorit der 1. Liga Griechenland, unterlag am 2. Spieltag dem forschen Außenseiter OFE Kreta mit 0:1 (0:1). Und das, obwohl die Hausherren fast 60 Prozent Ballbesitz hatten und doppelt so viel "Tiki-Taka" versuchten wie der Gast. Doch Fußball spielt man bekanntlich nicht mit dem Statistikbogen, sondern mit Toren - und davon schoss Kreta genau eines.

Es war die 17. Minute, als Guillermo Yanez, ein 25-jähriger Linksaußen mit der Lässigkeit eines Strandurlaubers, plötzlich Ernst machte. Nach einem klugen Steilpass von Mittelfeldmotor Ktesias Salpingidis nahm Yanez Maß und drosch den Ball mit links in die kurze Ecke. Torwart Sakis Kostikos streckte sich, aber die Kugel rauschte vorbei. Kreta führte - und Olympiokos schien kurzzeitig zu vergessen, dass Heimspiele eigentlich Vorteile bieten sollten.

"Nach dem Tor war’s, als hätten wir das Licht ausgemacht", brummte Trainer Dirk Reichmann später. "Wir haben den Ball, ja, aber was bringt’s, wenn keiner weiß, wohin damit?" Seine Worte trafen den Kern: 59,7 Prozent Ballbesitz, aber kaum zwingende Chancen. Neun Torschüsse standen am Ende zu Buche, viele davon aus der zweiten Reihe - oder, wie ein Kollege auf der Pressetribüne süffisant bemerkte, "aus der dritten Etage des Parkhauses".

Kretas Coach Jeff Johnson dagegen grinste nach Schlusspfiff wie ein Mann, der gerade seinen Urlaub verlängert bekommen hat. "Wir wussten, dass Olympiokos Druck machen würde. Aber Druck ist gut - er formt Diamanten", sagte der US-Amerikaner und prostete mit einer Wasserflasche in die Kameras.

Das Spiel selbst war eine seltsame Mischung aus Geduldsspiel und Slapstick. Schon in der Anfangsphase deutete Kreta an, dass sie sich nicht verstecken würden: Blagoj Karaslawow prüfte in der 3. Minute den Torwart, Yanez schoss zweimal knapp vorbei, bevor er dann traf. Olympiokos antwortete mit wütenden Angriffen - Marios Papaioannou und die Brüder Margaritis rissen das Spiel an sich -, doch die Gäste verteidigten mit Leidenschaft und gelegentlichem Chaos. "Manchmal sah das aus wie Rugby ohne Ball", witzelte ein Fan auf der Tribüne.

Kurz vor der Pause erhielt Kretas Salpingidis Gelb, nachdem er Paris Xanthis, der später selbst eine Verwarnung kassierte, fast in den Werbebereich befördert hatte. Reichmann schrie an der Seitenlinie so laut, dass sogar die Kameramänner zusammenzuckten: "Das ist kein Kampfsport!" Johnson konterte trocken: "Er hat doch getroffen - nur leider nicht den Ball."

Die zweite Halbzeit begann mit viel Hoffnung, aber wenig Klarheit. Olympiokos blieb defensiv ausgerichtet - ungewöhnlich für ein Team im Rückstand. "Wir wollten nicht ins offene Messer laufen", erklärte Reichmann. Kritiker könnten sagen: Man lief einfach gar nicht. Zwar kamen Schüsse von Argyros (60.) und Kampantais (61.), doch Kretas Keeper Kian Boutin blieb unbeeindruckt und pflückte die Bälle wie reife Oliven.

Kreta verlegte sich aufs Kontern, Karaslawow scheiterte mehrfach knapp, und in der 83. Minute hätte Duarte Caneira fast alles klargemacht. Doch sein Schuss landete auf der Latte - und ließ Johnson kurz die Sonnenbrille absetzen.

In der Schlussphase wurde’s hektisch: Gelbe Karten für Karagounis (85.) und zuvor für Kirastas (58.), ein verletzter Manuel Da Cru in der Nachspielzeit, der unter Applaus durch den jungen Sami Khedira ersetzt wurde - kein Witz, tatsächlich ein 19-jähriger Namensvetter. "Ich hoffe, er spielt mal so wie der andere", grinste Johnson, "aber heute hat er erstmal gelernt, wie griechische Nachspielzeit funktioniert."

Nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und ein Raunen ging durchs Stadion. Olympiokos hatte verloren, ohne wirklich schlecht zu sein - aber auch, ohne wirklich gefährlich zu wirken. "Wir waren wie ein Orchester ohne Dirigent", sagte Kapitän Emmanouil Margaritis zerknirscht. "Jeder spielte sein Instrument, aber keiner wusste, welches Stück."

Kreta feierte derweil auf dem Rasen, als wäre es der Titelgewinn. Yanez wurde zum Mann des Abends gewählt, Salpingidis entschuldigte sich charmant für seine Gelbe Karte ("Ich hatte kurz die Orientierung verloren - und den Gegner auch"), und Trainer Johnson versprach, "noch ein paar Tage Sonne zu genießen, bevor uns die Realität wieder einholt".

Olympiokos dagegen muss sich hinterfragen. 59 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, keine Tore - das ist wie ein Drei-Gänge-Menü ohne Hauptspeise. Vielleicht sollte Reichmann seinem Team nächste Woche weniger Defensive und mehr Mut verordnen.

Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions seufzte: "Wenn Ballbesitz Punkte gäbe, stünden wir ganz oben."

Ein Satz, der an diesem Abend wohl treffender kaum sein konnte.

23.11.643993 02:06
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