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Wer am Samstagabend in Tripolis im Stadion saß, wird sich wohl noch lange an dieses Spiel erinnern - zumindest die Fans von Olympiakos. 37.425 Zuschauer sahen, wie Astra Tripolis im eigenen Haus von einer rot-weißen Offensivmaschine regelrecht überrollt wurde. 0:7 hieß es am Ende, und das war kein Scherz, sondern ein Protokollfall aus der Kategorie "Lehrstunde in Effizienz". Schon in den ersten Minuten war klar: Olympiakos war nicht gekommen, um sich mit Ballgeschiebe im Mittelfeld aufzuhalten. Trainer Dirk Reichmann hatte seine Mannschaft offensichtlich auf Angriff programmiert - "Offensiv, bis die Rasenfarbe verblasst", wie er später lachend sagte. Und genau so sah es auch aus. Die Gäste feuerten 25 Torschüsse ab, während Astra Tripolis mit zwei zaghaften Versuchen eher das Tornetz auf Standfestigkeit prüfte. In der 22. Minute eröffnete Innenverteidiger Tasos Zagorakis das Feuerwerk - nach einem Eckball von Spyridon Giannopoulos köpfte er eiskalt zum 0:1 ein. "Ich bin Verteidiger, aber manchmal muss man den Jungs vorne zeigen, wie’s geht", grinste Zagorakis nach dem Spiel. Kaum hatte sich Tripolis von dem Schock erholt, klingelte es schon wieder: Emmanouil Vassiliadis traf in der 40. Minute nach feiner Vorarbeit von Karolos Nikolopoulos. 0:2 zur Pause - und das war noch schmeichelhaft. Trainer Kostas Karagounis versuchte in der Kabine offenbar, seine Spieler zu motivieren. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen mutiger werden", erklärte er später mit stoischer Ruhe. "Leider hat Olympiakos wohl dieselbe Ansprache bekommen - nur mit besseren Spielern." Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, da traf wieder Zagorakis (46.), diesmal nach einer Vorlage von Mittelstürmer Emmanouil Margaritis. Und ab da wurde es für Astra Tripolis bitter. Giannopoulos (73.), Venizelos (78.), Saravakos (90.) und schließlich Odysseas Nioplias (92.) erhöhten das Ergebnis zum Endstand von 0:7. Das Publikum in Tripolis reagierte mit einer Mischung aus Unglauben und Galgenhumor - einige Fans klatschten bei den letzten Treffern sogar Beifall. "Wenn man schon untergeht, dann wenigstens stilvoll", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Die Statistiken untermauern die Überlegenheit der Gäste: 55 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Angriffslust, die selbst in der Nachspielzeit nicht nachließ. Olympiakos’ Pressing funktionierte wie aus dem Lehrbuch, während Astra Tripolis in der Defensive wirkte, als sei jeder Angriff eine unangenehme Überraschung. Torwart Raphael Baillon bekam kaum Verschnaufpausen, und sein wütender Schrei nach dem sechsten Gegentor - "Kann mir mal jemand helfen?!" - hallte noch minutenlang durchs Stadion. Taktisch war der Unterschied ebenso deutlich. Olympiakos spielte durchweg offensiv, aggressiv und mit "Anytime"-Schusslaune - egal ob 20 oder 90 Minuten. Astra dagegen blieb bei seiner "balancierten" Philosophie, die an diesem Abend ungefähr so effektiv war wie ein Regenschirm im Orkan. Kapitän Brandon Shepherd versuchte nach dem Spiel, die Fassung zu wahren: "Wir sind jung, wir lernen. Und hoffentlich schnell." Trainer Reichmann hingegen war bester Laune. "Ich hätte nicht gedacht, dass meine Abwehrspieler heute zwei Tore machen. Vielleicht lasse ich sie nächste Woche im Sturm spielen", scherzte er auf der Pressekonferenz, während Karagounis neben ihm seufzte und meinte: "Ich hätte lieber gar keinen meiner Spieler vorne gesehen - die waren ja nie hinten." Ein kleines Trostpflaster für Astra Tripolis: Die Fans blieben bis zum Schluss, pfeiften kaum und spendierten den eigenen Spielern beim Abpfiff sogar Applaus. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht als Zeichen, dass man auch nach einem 0:7 noch stolz sein kann, den Mut nicht zu verlieren. Und Olympiakos? Die marschieren mit breiter Brust aus Tripolis, sieben Tore im Gepäck, und wahrscheinlich noch genug Selbstvertrauen für den Rest der Saison. "Das war Fußball wie im Rausch", meinte Torschütze Venizelos, "wir hätten wohl auch mit verbundenen Augen getroffen." Ein Abend, der in Tripolis eher unter "schmerzhafte Erfahrung" verbucht wird - und in Piräus als glorreicher Ausflug in die Geschichte. Oder, wie ein Fan beim Rausgehen sagte: "Wenn du 0:7 verlierst, kannst du wenigstens nicht behaupten, es sei knapp gewesen." 23.09.643990 02:55 |
Sprücheklopfer
Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel