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Wenn im Karaiskakis-Stadion die Flutlichter brennen, dann riecht es nach Drama, Schweiß - und gelegentlich nach jugendlicher Unbekümmertheit. Am 10. Spieltag der griechischen Superliga besiegte Olympiakos vor 40.136 euphorisierten Fans den mutigen Außenseiter Atromitos mit 2:1 (2:0). Es war ein Abend, an dem sich ein Teenager in die Herzen der Fans schoss, ein Verteidiger zum Torschützen wurde und ein junger Linksverteidiger erst glänzte - und dann duschen ging. Der Ton war kaum verklungen, da zappelte der Ball schon im Netz. In der 1. Minute zeigte Stefanos Venizelos, dass frühes Aufstehen manchmal doch belohnt wird. Nach einem energischen Antritt über rechts traf der 25-jährige Mittelstürmer eiskalt zur Führung. "Ich hatte noch gar nicht richtig geatmet, da war der Ball schon drin", grinste Olympiakos-Trainer Dirk Reichmann später, der offenbar selbst überrascht war, dass sein Team nicht erst nach der obligatorischen Viertelstunde wach wurde. Atromitos, von Michael Graf betreut, versuchte, mit langen Bällen und viel Herz gegenzuhalten - laut Statistik elf Torschüsse, doppelt so viele wie die Hausherren. Doch Präzision war nicht das bevorzugte Wort des Abends im Vokabular der Gäste. Mal rauschte der Ball über die Latte, mal landete er in den Armen von Olympiakos-Keeper Domenik Gancarczyk, der mit 21 Jahren eine erstaunliche Ruhe ausstrahlte. In der 21. Minute dann der nächste Paukenschlag. Der 17-jährige Marko Arnautovic, rechter Mittelfeldspieler und offenbar mit einer Sondergenehmigung für jugendliche Frechheit ausgestattet, traf nach glänzender Vorarbeit von Diogenis Karagounis zum 2:0. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Arnautovic nach dem Spiel schüchtern, "der Trainer meinte, ich soll mutig sein. Also war ich’s." Reichmann kommentierte trocken: "Wenn man jung ist, denkt man nicht nach - und manchmal ist das das Beste." Atromitos wirkte in der ersten Halbzeit wie ein Boxer, der ständig aufstehen muss. Gerhard Rieger und Connor Kinmont kamen zu Chancen, aber der Ball wollte nicht rein. Auf der Tribüne seufzte ein älterer Atromitos-Fan: "Wir schießen öfter als meine Frau mit dem Gartenschlauch - aber treffen tun wir nix!" Nach der Pause kam Leben in die Gäste. Trainer Graf brachte Carles Castano und später Daniel Celine, um die Offensive zu beleben. Und tatsächlich: In der 54. Minute gelang das, was zuvor wie ein Wunschtraum klang. Innenverteidiger Alkinoos Mitroglou, sonst eher Spezialist für rustikale Klärungsaktionen, stand nach einem Eckball goldrichtig und drückte das Leder zum 2:1 über die Linie. Vorlagengeber Rieger jubelte mit geballter Faust - und Graf brüllte Richtung Bank: "Siehst du, wir können’s doch!" Das Spiel kippte nun phasenweise. Olympiakos verlor an Kontrolle, Atromitos roch den Ausgleich. In der 81. Minute dann der Dämpfer: Diogenis Karagounis, der Vorlagengeber des zweiten Tores, sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. "Er ist jung, er wollte’s zu genau wissen", verteidigte ihn Kapitän Venizelos, "der Schiri hatte wohl noch was gegen jugendlichen Eifer." Die letzten Minuten gehörten Atromitos. Rieger, Aydemir und Kinmont feuerten eine Salve von Schüssen Richtung Gancarczyk, doch der junge Torwart hielt, als stünde er schon zwanzig Jahre im Geschäft. In der 93. Minute setzte Kinmont den Ball über das Tor - und Graf sank entnervt auf die Bank. "Wir hätten heute mindestens einen Punkt verdient", murmelte er nach Abpfiff. "Aber Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz - du lachst, obwohl’s weh tut." Olympiakos verteidigte den knappen Vorsprung mit zehn Mann und feierte am Ende einen Sieg, der mehr Arbeit war als Glanz. 54 Prozent Ballbesitz, aber weniger Torschüsse - es war Effizienz in Reinform. "Das war kein Sahneabend, eher ein Espresso - kurz, stark, bitter", fasste Trainer Reichmann zusammen. Und während die Fans nach Abpfiff "Marko, Marko!" skandierten, grinste der 17-Jährige in die Kameras und sagte: "Ich hab noch Mathe-Hausaufgaben, aber das hier war wichtiger." Ein Satz, der vielleicht sinnbildlich steht für diesen Abend in Piräus: jung, wild, unvollkommen - und am Ende siegreich. Schlusswort: Atromitos kann sich trösten - wer so oft aufs Tor schießt, wird irgendwann belohnt. Aber nicht an diesem Abend. Da gehörte das Rampenlicht einem Teenager, einem Torwart mit Nerven aus Stahl und einem Stadion, das wusste: Fußball ist manchmal einfach schöner, wenn er ein bisschen weh tut. 11.09.643990 06:30 |
Sprücheklopfer
Mein Sohn ist wegen dem Rennen hier, ich nur wegen den Boxenludern.
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