Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Olympiakos siegt in Chaidari - trotz roter Karte und Chaos in der Abwehr

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott ein Faible für griechische Tragödien hat. 27.000 Zuschauer im kleinen Stadion von Chaidari erlebten beim 33. Spieltag der 1. Liga Griechenlands ein Spiel voller Wucht, Wut und wunderlicher Wendungen - und am Ende jubelte der Favorit aus Piräus: Olympiakos gewann mit 2:1 bei Chaidari FC.

Die Partie begann, wie man es von einem Außenseiter erwartet, der keine Angst vor großen Namen hat: Chaidari stand kompakt, ließ den Ball laufen und hatte sogar mehr Ballbesitz (53,5 Prozent). Trainer Dirk Reichmann von Olympiakos sah anfangs nicht begeistert aus. "Wir wollten früh pressen, aber Chaidari hat uns den Ball einfach nicht gegeben - ausgesprochen unhöflich", grinste er später.

Doch Ballbesitz ist bekanntlich kein Tor. Olympiakos schoss im Laufe des Abends ganze 20 Mal aufs Tor - ja, zwanzig! -, während Chaidari sich mit sieben zarten Abschlüssen begnügte. Und so war es fast folgerichtig, dass in der 39. Minute ein Abwehrspieler das Heft in die Hand nahm: Aris Kirastas, der Innenverteidiger mit der Lunge eines Marathonläufers, rauschte nach einer Ecke von Karolos Labropoulos heran und nickte den Ball kompromisslos ins Netz. 1:0 für Olympiakos - und plötzlich klang das Stadion stiller als eine Bibliothek am Montagmorgen.

Chaidari antwortete mit Kampfgeist und einigen rustikalen Grätschen. Bereits in der 13. Minute hatte sich Linksverteidiger Anaximenis Kampantais eine gelbe Karte abgeholt, und sein Kollege Kleanthes Fyssas auf rechts wollte offenbar nicht hinten anstehen: Gelb in der 47., Gelb-Rot in der 53. Minute - Applaus vom Publikum, wütende Gesten vom Trainer. "Er sagte, er habe nur den Ball gespielt", seufzte ein Mitspieler. "Leider war der Ball zu diesem Zeitpunkt schon im Aus."

Mit einem Mann weniger wurde die Aufgabe für Chaidari nicht einfacher. Olympiakos roch Blut und erhöhte den Druck. In der 67. Minute war es dann soweit: Emmanouil Vassiliadis, der routinierte Mittelfeldstratege, zog aus 18 Metern ab. Der Ball zischte durch eine Wolke aus Beinen, küsste den Innenpfosten und landete im Netz. 2:0 - und Reichmann ballte an der Seitenlinie die Faust.

Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, kannte Chaidari nicht. Nur zwei Minuten später überraschte Philippos Galitsios alle, inklusive seiner eigenen Ersatzbank. Nach einem klugen Pass von Minos Kyrastas drehte er sich elegant um die eigene Achse und schob den Ball am herausstürzenden Torhüter Domenik Gancarczyk vorbei ins linke Eck. 1:2, und plötzlich roch es nach Hoffnung, Schweiß und Popcorn auf den Rängen.

"Ich dachte ehrlich gesagt, wir holen noch was", sagte Galitsios später. "Aber dann fiel mir ein, dass wir nur noch zu zehnt waren."

Olympiakos aber blieb cool - fast zu cool. In den letzten 20 Minuten hatten sie Chancen im Minutentakt: Margaritis, Dranias, Xanthopoulos - sie alle prüften Torwart Duarte Mendes, der mit jeder Parade ein Stück größer zu werden schien. In der 82. Minute flog er sogar artistisch in die Ecke und fischte den Schuss von Kleanthes Dranias heraus, als wolle er sich für eine Zirkuskarriere bewerben.

Chaidari versuchte in Unterzahl noch einmal alles, doch der letzte Schuss von Kassandros Giannopoulos in der 86. Minute war eher ein Symbol für den Abend: kraftvoll gemeint, aber in den Armen des gegnerischen Keepers gelandet.

Am Ende blieb es beim 1:2. Olympiakos nahm die drei Punkte mit, Chaidari die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt und dass rechte Verteidiger manchmal zu temperamentvoll sind.

Reichmann zeigte sich nach dem Spiel zufrieden - zumindest so weit, wie ein deutscher Trainer in Griechenland zufrieden sein kann. "Wir haben uns viele Chancen erarbeitet, aber ehrlich gesagt: Das war kein Spiel für schwache Nerven. Meine Armbanduhr hat jetzt einen höheren Puls als ich."

Der Chaidari-Coach, der lieber anonym bleiben wollte, hatte dagegen andere Sorgen: "Wir hatten sie im Griff, bis wir uns selbst besiegt haben. Wenn du gegen Olympiakos spielst, musst du zu elft bleiben - wir haben das Konzept missverstanden."

So endet ein Abend, der alles hatte: Emotionen, Karten, Tore - und eine Abwehr, die zwischendurch mehr Löcher hatte als ein alter Schwamm. Olympiakos bleibt in der Spur, Chaidari bleibt charmant erfolglos. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan: "Vielleicht nächstes Jahr."

Fazit: Fußball kann grausam sein - aber wenigstens war’s unterhaltsam.

13.04.643990 17:26
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Toni Polster
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