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Wenn 39.519 Zuschauer im ausverkauften Karaiskakis-Stadion den Atem anhalten, dann weiß man: Es riecht nach Drama, nach Leidenschaft, nach leicht verbranntem Gyros und nach einem dieser Abende, an denen der Fußball wieder zum Theater wird. Olympiakos besiegte am 3. Spieltag der griechischen Superliga das wackere Team aus Giannina mit 2:1 - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es über weite Strecken war. Schon ab der ersten Minute pressten die Rot-Weißen, als ginge es um die nationale Ehre. Emmanouil Margaritis, der bullige Mittelstürmer mit dem Gesicht eines antiken Helden, prüfte Gianninas Keeper Alejandro Ronaldo gleich zweimal in den ersten zehn Minuten. "Ich wollte ein frühes Zeichen setzen", grinste Margaritis später, "aber der Torwart hat wohl noch seinen Espresso intus gehabt." Giannina, von Trainer Kai Häntsch gewohnt sachlich eingestellt, versuchte es eher mit kontrolliertem Spielaufbau. Doch Olympiakos spielte offensiv, aggressiv, fast trotzig. 16 Torschüsse und ein Ballbesitz von 51,9 Prozent - Zahlen, die nur andeuten, wie sehr die Heimmannschaft das Geschehen diktierte. In der 38. Minute fiel die längst überfällige Führung: Ein flinker Doppelpass mit Asimakis Nafpliotis, ein kurzer Haken, und Margaritis vollstreckte trocken ins rechte Eck. 1:0, das Stadion bebte, während Trainer Dirk Reichmann an der Seitenlinie die Faust ballte - ganz der preußische Stratege im griechischen Chaos. Doch wer dachte, das Spiel sei damit entschieden, wurde vier Minuten später eines Besseren belehrt. Gianninas Rechtsverteidiger Morgan Desjardins, sonst eher für rustikale Grätschen zuständig, überraschte plötzlich alle - inklusive sich selbst - und drosch den Ball nach Vorarbeit von Diego Albentosa aus spitzem Winkel in die Maschen. 1:1 - und der Gästeblock, ohnehin in der Unterzahl, feierte, als hätte er gerade den Titel geholt. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Desjardins später lachend zu. "Aber wenn’s drin ist, sagt keiner was." Die Pause kam Olympiakos ungelegen. Reichmanns Mannschaft wollte mehr, doch Giannina klammerte sich an das Remis wie ein Fischer an sein Netz. Nach dem Seitenwechsel brachten die Griechen frische Kräfte: Aris Kirastas kam für Margaritis und sollte prompt eine entscheidende Rolle spielen. In der 57. Minute flankte der Innenverteidiger (!) präzise auf Nafpliotis, der den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte - 2:1. "Ich hab’ ihn einfach angeschossen", witzelte Nafpliotis, der sich danach vom Publikum feiern ließ, als hätte er die Akropolis eigenhändig restauriert. Giannina versuchte zu antworten, blieb aber zahnlos. Jack Sutherland und Franck Rochefort scheiterten mehrfach am glänzend reagierenden Torwart Omiros Nafpliotis (nein, kein Verwandter von Asimakis - auch wenn manche Journalisten das eilig googeln wollten). Olympiakos dominierte, ohne zu glänzen, und schien das Spiel am liebsten in einem feinen Ouzo ertränken zu wollen. Die Schlussphase brachte noch etwas gelbe Farbe ins Spiel: Joris Vandenhoff sah nach einem taktischen Foul Gelb, später auch Glenn Verbeke - vermutlich für übermäßige Verzweiflung. Und als auch Olympiakos’ Verteidiger Kirastas in der 87. Minute verwarnt wurde, ahnte man: Jetzt nur kein dummes Eigentor mehr. Doch Reichmanns Team brachte den Sieg über die Zeit - mit Einsatz, Erfahrung und einer Spur Zynismus. "Wir hätten das 3:1 machen müssen, aber am Ende zählt der Sieg", sagte Reichmann nach Abpfiff, während er sich demonstrativ die Ärmel hochkrempelte. Sein Gegenüber Häntsch sah’s gelassen: "Wir hatten unsere Momente. Aber Olympiakos war heute einfach einen Ouzo stärker." So endet ein Abend, an dem der Fußball in Piräus wieder einmal sein altes Gesicht zeigte: laut, emotional, leicht chaotisch - und am Ende erfolgreich. Olympiakos bleibt damit in der Spitzengruppe, während Giannina immerhin mit erhobenem Haupt abreist. Reichmann verabschiedete sich mit einem verschmitzten Lächeln und den Worten: "Wenn meine Jungs so weiterspielen, brauche ich bald keine Taktiktafel mehr - nur noch ein Megafon." Man darf gespannt sein, ob er es im nächsten Spiel wirklich ausprobiert. 22.06.643990 05:58 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand