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Wenn ein Derby in die Geschichtsbücher eingeht, dann meist, weil es knapp, hitzig und dramatisch war. Dieses hier war nur eines davon - hitzig. Und das lag nicht etwa an den Flutlichtlampen, sondern an Olympiakos Piräus, der beim 7:0 (4:0) gegen ein völlig überfordertes Panathinaikos ein Offensivfeuerwerk zündete, das die 20.000 Zuschauer im Athener Stadion abwechselnd staunen und verzweifeln ließ. Schon nach 60 Sekunden war der grün-weiße Albtraum perfekt. Asimakis Nafpliotis stürmte von links in den Strafraum, ließ zwei Verteidiger stehen, als wären sie Pappaufsteller, und drosch den Ball ins Eck. 1:0 - und der Abend hatte kaum begonnen. "Ich dachte, wir hätten noch Einlaufmusik", witzelte Panathinaikos-Torwart Stamatis Katranas später mit Galgenhumor. Was folgte, war ein einziger roter Wirbel. Olympiakos spielte mit der Selbstverständlichkeit einer Mannschaft, die beschlossen hatte, Fußball neu zu definieren. In der 23. Minute erhöhte der 20-jährige Aris Antoniadis nach feinem Zuspiel von Stavros Margaritis auf 2:0. Panathinaikos? Kurze Verwirrung, dann hilfloses Hinterherlaufen. In der 36. Minute setzte Ktesias Kampantais noch einen drauf - diesmal nach Vorlage von Antoniadis. Und als Nafpliotis in der 42. Minute mit seinem zweiten Treffer auf 4:0 stellte, war die Partie im Grunde entschieden. Ein Fan hinter der Trainerbank rief resigniert: "Schiri, pfeif ab - uns reicht’s!" Die Statistik zur Pause las sich wie ein schlechter Scherz: 12:1 Torschüsse für Olympiakos, 4:0 Tore, 54 Prozent Ballbesitz. Panathinaikos spielte zwar "balanciert", wie es im Taktikzettel stand, doch das Gleichgewicht bestand offenbar nur zwischen Ratlosigkeit und Resignation. Nach dem Seitenwechsel ging es unbarmherzig weiter. Nafpliotis, der an diesem Abend alles traf, was sich bewegte, netzte in der 51. Minute zum dritten Mal ein - diesmal nach Vorarbeit von Kampantais. Und als der überragende Linksaußen in der 65. Minute auch noch seinen vierten Treffer erzielte, fragte man sich auf der Pressetribüne, ob er heimlich Doppelgänger eingesetzt hatte. Trainer Dirk Reichmann grinste später: "Ich sag’s immer wieder - der Junge schießt nicht, er signiert den Ball mit seiner Schuhsohle." Panathinaikos wehrte sich, soweit es die Moral zuließ. In der 49. Minute sah Pantelis Leontiou Gelb, vielleicht aus purer Frustration. Zwei Torschüsse in der zweiten Halbzeit - mehr ließen die Gäste nicht zu. Und als Emmanouil Margaritis in der 71. Minute das 7:0 erzielte, war die Stimmung im Stadion endgültig gespalten: Jubel im roten Block, Schweigen im grünen. "Das war kein Spiel, das war ein Statement", sagte Reichmann nach Abpfiff und klopfte seinem Starstürmer Nafpliotis auf die Schulter. "Wir wollten zeigen, dass Offensive nicht nur ein Wort im Wörterbuch ist." Der vierfache Torschütze selbst blieb bescheiden: "Ich wollte einfach Spaß haben. Und wenn der Ball reingeht, lache ich halt ein bisschen." Panathinaikos-Trainer - der Name blieb an diesem Abend besser ungenannt - wirkte dagegen wie ein Mann, der gerade erfahren hat, dass sein Auto abgeschleppt wurde. "Das war… schwierig", presste er hervor, während im Hintergrund ein Reporter flüsterte: "Das war Mord auf offener Rasenfläche." Taktisch war es eine Lehrstunde: Olympiakos durchgehend offensiv, aggressiv und mit Pressing, das selbst in der Nachspielzeit noch funktionierte. Panathinaikos dagegen blieb bei seiner "balancierten" Linie - eine Balance, die ungefähr so stabil war wie ein Stuhl mit zwei Beinen. Und doch hatte das Debakel fast etwas Versöhnliches. Nach dem Schlusspfiff applaudierten viele Fans ihrem Team - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Trotz. Ein älterer Herr im grünen Schal murmelte: "So schlecht kann’s nächstes Mal nicht mehr werden." Ein Satz, der Hoffnung klingt. Oder Verzweiflung. Oder beides. Olympiakos hingegen darf feiern - zurecht. 18 Torschüsse, 7 Tore, 53,7 Prozent Ballbesitz, viermal Nafpliotis, dazu Treffer von Antoniadis, Kampantais und Margaritis - eine Bilanz, die jedem Statistikliebhaber Freudentränen in die Augen treibt. Bleibt nur die Frage, ob die Panathinaikos-Abwehr inzwischen wiedergefunden wurde. Zuletzt wurde sie irgendwo zwischen der ersten und der 65. Minute gesichtet. Ein Spiel, das in die Annalen eingehen wird - nicht als Derby der Spannung, sondern als Mahnung, dass Fußball manchmal grausam ehrlich ist: Wer offensiv denkt, gewinnt. Wer "balanciert" denkt, verliert 0:7. 21.03.643990 14:28 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer