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Es war ein Abend, an dem der Wind über das Marschwegstadion pfiff, als wolle er selbst mitspielen. 11.066 Zuschauer trotzten der Kälte und wurden Zeugen eines Spiels, das weniger durch fein ziselierte Taktik als durch Leidenschaft und gelegentliche Verwirrung bestach. Am Ende jubelte der VfB Oldenburg über ein 2:1 gegen die Hammer SpVgg - ein Ergebnis, das so knapp war wie gerecht. Von der ersten Minute an war klar: Hier wollte keiner auf Sicherheit spielen. Beide Teams traten offensiv an, als hätten sie vergessen, dass das Mittelfeld auch zum Verteidigen da ist. Hammer begann stürmisch, erspielte sich früh Chancen - allein Marvin Jakob prüfte in der fünften Minute Oldenburgs Torwart Karl Koller, der mit einem Reflex alter Schule klärte. "Ich hab den Ball gar nicht gesehen, nur gespürt", grinste Koller später. Doch dann kam die 28. Minute, und der Abend bekam Farbe: Thijs Breed, 34 Jahre jung, schob nach feinem Zuspiel von Lasse Jakob zum 1:0 ein. Ein Tor aus dem Lehrbuch, wenn das Lehrbuch "Wie man einfach mal draufhält" hieße. Die Oldenburger Bank jubelte, Trainer Kurt Kurt riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Das war pure Willenskraft", sagte er später - und nickte dabei so energisch, dass man ihm glauben musste. Wer dachte, Oldenburg würde das Ergebnis verwalten, irrte. Keine 60 Sekunden später schlug Hammer zurück. Janis Rudolph, der bereits mehrfach gefährlich vor dem Tor aufgetaucht war, traf nach Vorlage von Fernando Gutierrez zum 1:1. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Rudolph bescheiden - was Trainer Wilfried Kuhse trocken kommentierte: "Dann sollten wir ihm öfter mal den Ball dahin legen." Kurz vor der Pause drückten die Gäste weiter. 13 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache, doch Präzision ist bekanntlich keine Hammer-Stärke. Gustav Horn hatte in der 43. Minute die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber an Kollers ausgestrecktem Bein. "Er hatte wohl Angst, den Ball zu fangen", witzelte ein Fan auf der Tribüne - und wurde prompt von seinem Nachbarn ermahnt, weil man so über Helden nicht spricht. Nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild kaum - doch diesmal traf der VfB. In der 48. Minute nutzte Innenverteidiger Johannes Fischer eine Standardsituation, wuchtete den Ball nach einer Ecke ins Netz. Niemand wusste so recht, wie er plötzlich so frei stand - vielleicht nicht einmal er selbst. "Ich hab einfach gehofft, dass mich keiner ruft", sagte Fischer augenzwinkernd. Hammer versuchte alles, um noch einmal zurückzukommen. Janis Rudolph ballerte weiter aus allen Lagen, Kevin Engel prüfte Koller in der 54. Minute, und Jean-Pierre Auclair versuchte es in der 86. sogar als Innenverteidiger mit einem Distanzschuss. Doch Oldenburg verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem Glück des Tüchtigen. Die Schlussphase war dann eher eine gelbe Angelegenheit: Dimosthenis Georgiou sah in der 89. Minute die Karte, Daniel Frank in der 90. gleich hinterher. Trainer Kurt nahm’s gelassen: "Das zeigt doch nur, dass wir Emotionen haben." Sein Gegenüber Kuhse sah das anders: "Emotionen schön und gut, aber Fußball ist kein Wrestling." Statistisch gesehen war Hammer das aktivere Team: 51 Prozent Ballbesitz, 13 Schüsse aufs Tor - doch Oldenburg machte mehr aus weniger. Fünf Torschüsse, zwei Tore, maximale Effizienz. Oder, wie es Thijs Breed später zusammenfasste: "Manchmal reicht ein sauberer Moment. Und ein bisschen Glück, dass der Schiri nicht zu früh abpfeift." So endete ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Karten - und eine Prise Chaos. Der VfB Oldenburg feiert seinen zweiten Saisonsieg und schiebt sich in der Tabelle nach oben. Hammer dagegen muss sich fragen, wie man aus so vielen Chancen so wenig macht. Beim Abpfiff applaudierte das Publikum, als wäre es Zeuge einer kleinen Sensation geworden. Und vielleicht war es das auch. Kurt Kurt fasste es zum Schluss so zusammen: "Wir sind Oldenburg. Wir machen’s nicht schön, aber wir machen’s." Ein Satz, der an diesem Abend alles erklärte. 22.02.643987 22:37 |
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Ich, was meine Person betrifft, entscheide für mich alleine.
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