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Manchmal fragt man sich, was Panatinaicos auf Kreta eigentlich vorhatte. Einen netten Betriebsausflug vielleicht. Fußball gespielt hat jedenfalls fast nur einer: OFE Kreta. Die Gastgeber zeigten am 16. Spieltag der 1. Liga Griechenland eine Vorstellung, die irgendwo zwischen furios, frech und fast schon mitleiderregend für den Gegner lag. 4:0 hieß es am Ende, und wer die 35.146 Zuschauer im Stadion sah, konnte sicher sein - das war kein Zufall, sondern eine Machtdemonstration. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, wohin die Reise geht. Kreta offensiv, aggressiv, pressingbereit - Panatinaicos dagegen so passiv wie ein Strandurlauber im Liegestuhl. David Block prüfte in der 6. Minute erstmals den Gäste-Keeper Stamatis Katranas, der sich an diesem Abend noch warm halten sollte - sehr warm sogar. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass hier nur eine Mannschaft Fußball spielt", grinste Kretas Trainer Jeff Johnson später, während er genüsslich an seinem Wasser nippte. Die Gäste? Kein einziger Torschuss. Nicht einer. Null. Nada. Statistisch gesehen hätten sie auch einfach zu Hause bleiben können. Mit 44 Prozent Ballbesitz wirkten sie immerhin bemüht, das Leder gelegentlich zu streicheln, aber gefährlich wurde das nie. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Felipe Jemez zuschlug. In der 42. Minute verwandelte er nach schöner Vorarbeit von Jose Couto eiskalt zum 1:0. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Jemez hinterher bescheiden. Man hätte ihm glauben können - wenn er nicht drei Tore erzielt hätte. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, klingelte es wieder. 46. Minute - Jemez, natürlich, nach Zuspiel von Ktesias Salpingidis. Die Fans tobten, und Panatinaicos-Trainer dürfte in sich hineingeflüstert haben: "Warum bin ich eigentlich hier?" Die Antwort blieb aus, stattdessen folgte die nächste Demütigung: Nur fünf Minuten später, in der 51. Minute, schlenzte der junge David Block den Ball ins Netz. 3:0. Der Jubel hallte bis nach Heraklion. "Ich hab einfach geschossen, weil keiner mich angegriffen hat", lachte Block später. "Da dachte ich: Warum nicht?" Panatinaicos versuchte zwischenzeitlich, die Reste seiner Defensive zusammenzukratzen. In der 53. Minute musste Rechtsverteidiger Kylon Nikoloudis verletzt raus - sinnbildlich für den Zustand des Teams. Ersatzmann Alexis Van Dam konnte den Laden auch nicht retten. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte ein sichtbar ratloser Mitspieler nach dem Spiel. "Aber irgendwie standen wir nur." Kreta dagegen spielte, als wollte es den Ball nie wieder hergeben. 22 Torschüsse - ja, zweiundzwanzig! - gegen null. Felipe Jemez hatte allein mehr Chancen als Panatinaicos Ballkontakte im Strafraum. Und weil aller guten Dinge drei sind, setzte der Torjäger in der 87. Minute den Schlusspunkt. Nach schöner Vorarbeit von Block schob er lässig zum 4:0 ein. Der Jubel? Laut. Der Gegner? Leise. Trainer Johnson grinste nach Abpfiff breit: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Offenbar haben sie mich zu ernst genommen." Dann zwinkerte er, und die Presse lachte - was blieb auch anderes übrig bei einem solchen Klassenunterschied. Panatinaicos hingegen wird sich fragen müssen, ob "balanced" wirklich die richtige taktische Ausrichtung war. Laut Statistik spielten sie die ganze Partie über "ausgewogen". Ausgewogen zwischen Orientierungslosigkeit und Resignation vielleicht. Kein Pressing, keine Wucht, kein Plan B - das war Fußball auf Sparflamme. Kretas Fans feierten derweil ihren Helden Felipe Jemez, den Mann mit dem Dreierpack. "Felipe, Felipe!" hallte es durchs Stadion, und der Stürmer hob bescheiden die Hände: "Es war die Mannschaft", sagte er ins Mikrofon. "Ohne sie hätte ich höchstens einen Ball bekommen - zum Aufpumpen." Als Schiedsrichter Georgios Leontaras schließlich abpfiff, war das 4:0 eher eine Gnade als ein Ergebnis. Panatinaicos durfte endlich in die Kabine, Kreta in die Arme der Fans. Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - zumindest auf Kreta. Und während die Sonne langsam über dem Mittelmeer unterging, fasste ein älterer Fan auf der Tribüne das Geschehen zusammen: "Das war kein Spiel. Das war Tourismus mit Ball." Man kann ihm schwer widersprechen. 04.05.643994 01:53 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer