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Es gibt Fußballabende, die in die Vereinsgeschichte eingehen - und es gibt solche, die man am liebsten sofort aus dem Gedächtnis streichen möchte. Der 29. März 2026 in Athen dürfte für Ilisiakos eher in die zweite Kategorie fallen. Vor 20.000 Zuschauern im heimischen Stadion ging das Team von Trainer Karim Benzema mit 0:5 gegen OFE Kreta unter - und das Ergebnis war noch schmeichelhaft. Schon früh zeichnete sich ab, dass die Gäste aus Kreta nicht zum Ouzo-Trinken gekommen waren. Während Ilisiakos in den ersten Minuten immerhin zwei harmlose Versuche auf das Tor brachte, spielte Kreta von Beginn an wie entfesselt. 23 Torschüsse, fünf Tore, jede Menge Spielfreude - und ein Mann, der an diesem Abend alles überstrahlte: Guillermo Yanez. Der 25-jährige Linksaußen schnürte nicht nur einen Hattrick (44., 51., 60. und weil’s so schön war, noch mal in der 73. Minute), sondern legte auch noch eine Vorlage für seinen Teamkollegen Markos Kirastas auf, der in der 70. Minute mit einem wuchtigen Linksschuss das 4:0 erzielte. "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich entschieden, lieber reinzugehen", grinste Kirastas nach dem Spiel. Die Geschichte dieses Spiels lässt sich in einem Satz zusammenfassen: OFE Kreta spielte, Ilisiakos schaute zu. Der Ballbesitz war mit 53 zu 47 Prozent zwar nicht völlig einseitig, aber während Kreta mit jedem Angriff Torgefahr ausstrahlte, wirkte Ilisiakos, als spiele es ein anderes Spiel - vielleicht Schach, aber sicher nicht Fußball. "Wir hatten heute einfach keinen Zugriff", seufzte Karim Benzema, der seit Saisonbeginn an der Seitenlinie steht. "Kreta hat uns in jeder Hinsicht dominiert. Ich hatte irgendwann das Gefühl, selbst ein Einwurf von denen war ein Torschuss." Sein Gegenüber Jeff Johnson zeigte sich hingegen als Gentleman-Sieger: "Ich bin stolz auf meine Jungs. Wir wollten mutig auftreten, und das haben wir getan. Vielleicht war’s ein bisschen zu mutig, aber wer beschwert sich schon über fünf Tore?" Das Publikum sah ein einseitiges Spektakel mit gelegentlichem Slapstick-Faktor. In der 59. Minute etwa, als Ilisiakos-Stürmer Miguel Mocana aus fünf Metern über das Tor schoss - ein Moment, in dem sich selbst die Stadionkatze kurz versteckte. "Ich hab den Ball perfekt getroffen - nur leider nicht den richtigen Teil davon", erklärte Mocana später mit Galgenhumor. Kretas Taktik war ebenso konsequent wie kompromisslos: offensiv, aggressiv, schussfreudig. Die Mannschaft presste früh, ließ nie locker und kombinierte sich mit einer Leichtigkeit durch Ilisiakos’ Defensive, als wäre sie nur eine Trainingshürde. Besonders auffällig: das Zusammenspiel zwischen Duarte Caneira und Yanez über die rechte Seite, das gleich zwei Tore einleitete. Selbst die späten Gelben Karten für Theagenis Lekkas (84.) und Christopher Lineback (94.) konnten den Spielfluss kaum trüben. "Na gut, ein bisschen Farbe musste ja ins Spiel", witzelte Johnson in der Pressekonferenz, während Benzema nur den Kopf schüttelte und murmelte: "Wenn wir so verteidigen, brauchen wir bald keine Gelben mehr - dann kommen die Gegentore direkt mit rotem Teppich." Die Zuschauer quittierten die Demütigung mit einer Mischung aus Resignation und schwarzem Humor. Ein Fan rief in der 80. Minute lautstark: "Gebt uns wenigstens einen Eckball!" - das lauteste Echo an diesem Abend. Statistisch gesehen war Kreta in jeder Kategorie überlegen: mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe (58,7 Prozent gewonnen), und vor allem 23 (!) Torschüsse gegenüber nur zwei des Heimteams. Ilisiakos wirkte, als hätte man vergessen, dass man Tore schießen darf. Für Ilisiakos bleibt nach diesem 0:5-Debakel vor allem die Frage, wie man mental wieder aufsteht. Benzema versprach jedenfalls Kampfgeist: "Ich weiß, das war heute schlimm. Aber wir werden zurückkommen. Vielleicht nicht mit fünf Toren - aber wenigstens mit fünf Pässen in Folge." Währenddessen sonnten sich die Gäste aus Kreta in ihrem Triumph. Guillermo Yanez, der Mann des Abends, bekam Standing Ovations, als er in der 88. Minute endlich ausgewechselt wurde - nicht, weil er müde war, sondern wohl, weil Johnson Angst hatte, er könnte noch zwei Tore nachlegen. "Ich hätte gern weitergespielt", sagte Yanez lachend. "Aber der Trainer meinte, er will mir den Ball fürs Museum aufheben." Am Ende stand ein 0:5, das sich wie 0:8 anfühlte. OFE Kreta verlässt Athen als Tabellenkletterer und mit breiter Brust, während Ilisiakos sich an die alte Fußballweisheit erinnern darf: Wer keine Tore schießt, bekommt sie eben rein. Oder, um es mit den Worten eines sarkastischen Fans zu sagen, der beim Ausgang in sein Handy diktierte: "Wir haben heute Geschichte geschrieben - leider als Kapitel im Lehrbuch ’Wie man nicht verteidigt’." 10.04.643994 21:42 |
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Mario Basler