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Wenn 33.382 Zuschauer auf Kreta ein Fußballspiel sehen wollen, dann wissen sie: Es wird heiß. Und das lag am Freitagabend nicht nur an der Mittelmeerluft, sondern vor allem an OFE Kretas Offensivfeuerwerk gegen Astra Agrotikos. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Sieg für die Gastgeber - und ein Publikum, das schwitzend, jubelnd und mit heiserer Stimme nach Hause ging. Von der ersten Minute an versuchte OFE, die Gäste aus dem Norden in Atem zu halten. Schon in der ersten Minute prüfte der junge Vyron Stephanopoulos den gegnerischen Keeper Mateo Costa mit einem satten Schuss. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir hier nicht zum Spaß spielen", grinste der 20-Jährige später, als er mit dem Spielball in der Hand durch die Katakomben stolzierte - verdient, denn er sollte noch zweimal treffen. Trainer Jeff Johnson hatte seine Elf offensiv eingestellt, und das sah man in jeder Bewegung. 19 Torschüsse, fast 54 Prozent Ballbesitz, Pressing in jeder Lebenslage - Kreta war ein Wirbelwind in Weiß. Astra Agrotikos stemmte sich tapfer dagegen, doch mehr als ein kurzes Aufflackern um die 31. Minute herum sprang nicht heraus. Zuvor hatte Stephanopoulos in der 25. Minute das 1:0 besorgt. Maurice Bergeron hatte sich auf der rechten Seite durchgetankt, flach in die Mitte gespielt, und Vyron schob überlegt ein. Costa im Astra-Tor streckte sich vergeblich. "Ich dachte, der Ball rollt vorbei, aber er küsste das Netz - da konnte ich nur lachen", erzählte Stephanopoulos später. Doch Astra zeigte Moral. Sechs Minuten nach dem Rückstand kombinierten sich Evripidis Margaritis und Mittelstürmer Alkinoos Giannopoulos sehenswert durch die Abwehr, und letzterer traf trocken zum 1:1. Ein Raunen ging durchs Stadion - und manch einer auf der Haupttribüne griff nervös zur Wasserflasche. Kreta ließ sich davon aber nicht beirren. In der 43. Minute war es wieder Stephanopoulos, diesmal nach einem Pass des rechten Verteidigers Fernando Longas, der den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck zirkelte. 2:1 - und das Stadion stand Kopf. Astra wirkte in dieser Phase überfordert, das eigene Offensivkonzept verpuffte in Schönspielerei. "Wir wussten, dass sie hinten anfällig sind, wenn wir Druck machen", erklärte Trainer Johnson später mit einem Lächeln. "Also sagten wir den Jungs: ’Weiter drauf!’" Und genau das taten sie. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, vollendete der 18-jährige David Block eine sehenswerte Linksflanke von Joel Anderson zum 3:1. Sein erstes Profitor - noch bevor er den Rasenduft richtig eingeatmet hatte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass ich treffe", scherzte der Teenager, während sein Coach ihm auf die Schulter klopfte. Danach war Kreta Herr im eigenen Haus. Astra Agrotikos kam kaum noch über die Mittellinie, produzierte nur noch harmlose Schüsschen - drei Torschüsse insgesamt sprechen Bände. Kreta dagegen ließ Ball und Gegner laufen, wie eine Katze, die mit einer erschöpften Maus spielt. Selbst eine frühe Verletzung des jungen Rechtsverteidigers Theagenis Lekkas (14.) brachte das Team nicht aus dem Rhythmus. "Fernando musste rein, und er hat’s fantastisch gemacht", lobte Johnson. Die Zuschauer dankten es mit Gesängen, die selbst die Zikaden kurz verstummen ließen. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne soll gerufen haben: "Lasst sie nicht mehr vom Inselhafen weg!" - wohl wissend, dass Astra diesen Abend nicht so schnell vergessen wird. Statistisch war alles klar: 56,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast doppelt so viele Abschlüsse, und eine Spielfreude, die ansteckte. Astra-Coach - der Name blieb im Nebel des Abends, wohl auch, um sich der Fragen zu entziehen - soll in der Pressekonferenz nur kurz gemurmelt haben: "Wir haben gegen eine Welle gespielt." So bleibt festzuhalten: Kreta hat mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte eingefahren, sondern auch ein Ausrufezeichen gesetzt. Stephanopoulos wird man sich merken müssen, Block sowieso. Und während die Sonne über dem Mittelmeer langsam unterging, sagte Trainer Johnson mit einem Augenzwinkern: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald aufpassen, dass die Fans nicht das Stadion übernehmen." Ein Satz, der an diesem Abend so sonnig klang wie der ganze Insel-Fußball - leidenschaftlich, laut, und mit einem Lächeln im Gesicht. 11.07.643987 21:37 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund