// Startseite
| Athlitiki Icho |
| +++ Sportzeitung für Griechenland +++ |
|
|
|
Ein lauer Februarabend auf Kreta, 34.676 Zuschauer im Stadion - und ein Spiel, das mehr Schweiß als Sonne bot. Am 19. Spieltag der griechischen Superliga besiegte OFE Kreta den Gast Niki Volos mit 2:1. Ein Ergebnis, das knapper klingt, als es tatsächlich war, aber Fußball hat nun einmal seine eigenen Gesetze - und manchmal auch seine eigenen Komiker. Von Beginn an war klar: Kreta wollte. Schon nach zwei Minuten prüfte José Couto den gegnerischen Keeper Samaras mit einem Distanzschuss, der allerdings eher an eine Begrüßungskarte als an einen Torschuss erinnerte. "Ich wollte nur mal Hallo sagen", grinste Couto später in der Mixed Zone. Volos hingegen begnügte sich zunächst mit dem Beobachten - Ballbesitz fast ausgeglichen, aber die Initiative lag klar bei den Gastgebern. In der 37. Minute dann der erste Lacher - äh, Treffer: Rechtsverteidiger Fernando Longas, zuvor noch wegen eines ruppigen Einsteigens verwarnt, rauschte nach vorne, bekam von Guillermo Yanez den Ball serviert und drosch ihn trocken ins Netz. 1:0. "Ich dachte, ich hätte gar keine Lizenz fürs Toreschießen", witzelte Longas nach dem Abpfiff. Trainer Jeff Johnson kommentierte trocken: "Wir haben ihn extra nach vorne geschickt, weil er hinten schon alles kaputtgetreten hatte." Kurz vor der Pause musste OFE dann doppelt wechseln - Torhüter Boutin verletzte sich leicht, für ihn kam der junge Marios Ioannou. Außerdem durfte Teenager Sami Khedira (nein, nicht der) für Ktesias Salpingidis ran. "Ich habe ihm gesagt, er soll einfach rennen", so Johnson. "Er hat’s wörtlich genommen - leider manchmal ohne Ball." Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag. Gerade 30 Sekunden waren gespielt, da bediente Manuel Da Cru den agilen Blagoj Karaslawow, der eiskalt zum 2:0 einschob. Das Stadion tobte. Der Torschütze selbst meinte später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn es schön aussieht, sag ich natürlich: gewollt." Danach schaltete Kreta einen Gang zurück - vielleicht zu früh. Linksverteidiger Markos Kirastas sammelte zunächst Gelb (51.), dann Gelb-Rot (68.) und verabschiedete sich mit einem Winken Richtung Gegentribüne. "Er wollte sich wohl beim Publikum bedanken", murmelte ein genervter Johnson. Zehn Minuten in Unterzahl reichten, um das Spiel wieder spannend zu machen. Denn in der 70. Minute schlug Niki Volos plötzlich zu: Joshua Wyler, 34 Jahre alt und offenbar noch mit den Lungen eines Marathonläufers gesegnet, traf nach Vorarbeit von Savvas Dimoutsos zum 2:1. Es war der zweite Torschuss der Gäste - und der erste, der wirklich gefährlich wurde. "Manchmal braucht man nur einen Moment", sagte Wyler danach mit einem Lächeln, "und manchmal 70 Minuten, um ihn zu finden." In der Schlussphase wurde es hektisch. Yanez ballerte aus allen Lagen (zwischen 84. und 93. Minute ganze fünf Abschlüsse), doch Samaras im Tor von Volos hielt, was zu halten war. Auf der anderen Seite versuchte Wyler noch einmal den Lucky Punch, aber der Ball flog in die ionische Nacht. Die Statistik spricht dennoch eine klare Sprache: 19 Torschüsse für Kreta, nur zwei für Volos. Ballbesitz nahezu ausgeglichen, aber die Zweikampfquote von 58 Prozent zugunsten der Hausherren zeigt, wer hier das Kommando hatte. Dass es am Ende zittrig wurde, lag weniger an der Stärke des Gegners als an Kretas Hang zur Selbstdramatik. "Wir machen’s halt spannend für die Fans", lachte Trainer Johnson auf der Pressekonferenz. "Sonst geht ja keiner mehr ins Stadion." Joshua Wyler von Volos konterte trocken: "Wenn Spannung Punkte gäbe, hätten wir heute gewonnen." Und so bleibt von diesem Abend ein Spiel in Erinnerung, das alles bot - Tore, Karten, Slapstick, ein Torwartwechsel und eine gehörige Portion Selbstironie. Kreta festigt mit diesem Sieg den Platz im oberen Tabellenmittelfeld, während Volos weiter auf den erlösenden Befreiungsschlag wartet. Das Publikum verließ das Stadion zufrieden, manche mit heiserer Stimme, andere mit Sonnenbrand vom Flutlicht. Einer rief noch: "Fernando for President!" - und man hatte fast das Gefühl, der Verteidiger hätte nichts dagegen. Ein Fazit mit Augenzwinkern: OFE Kreta gewinnt verdient, aber nicht ohne Chaos. Fußball kann manchmal Kunst sein - auf Kreta ist er eher Theater. Doch solange das Publikum applaudiert, ist das Ende gelungen. 04.01.643991 20:20 |
Sprücheklopfer
Da haben Spieler auf dem Spielfeld gestanden, gestandene Spieler.
Günter Netzer