Athlitiki Icho
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OFE Kreta siegt dramatisch: Oliveira wird zum Wunderknaben der Nachspielzeit

Es war einer dieser Abende, an denen die Sonne über Kreta in tiefem Orange unterging und 34.137 Zuschauer im Stadion "Iraklion Park" das Gefühl hatten, Zeugen eines kleinen Fußballdramas zu werden. OFE Kreta gewann mit 2:1 (1:0) gegen Chaidari FC - doch das Wie dieses Sieges wird man auf der Insel so schnell nicht vergessen.

Trainer Jeff Johnson, sonst eher ein Mann der trockenen Worte, grinste nach dem Schlusspfiff wie ein Kind, das heimlich Weihnachten vorverlegt hat. "Ich wollte gerade den Punkt akzeptieren - und dann macht der Junge das!", rief er in Richtung Dimas Oliveira, des 18-jährigen Rechtsmittelfeldspielers, der in der 95. Minute mit einem satten Rechtsschuss den Siegtreffer erzielte.

Oliveira selbst wirkte nach dem Abpfiff fast verlegen. "Guillermo hat mir zugerufen: ’Mach einfach!’ Und ich hab gemacht", lachte der Teenager, während ihm Mannschaftskollege Guillermo Yanez halb im Spaß, halb im Stolz den Kopf wuschelte.

Dabei hatte das Spiel lange Zeit nach einem soliden Arbeitssieg ausgesehen. OFE Kreta, von Beginn an mit offensiver Ausrichtung und aggressivem Auftreten, dominierte leicht das Geschehen. 14 Torschüsse gegenüber nur vier von Chaidari sprechen eine deutliche Sprache. Doch Tore fielen spät - und in Momenten, in denen man sie fast schon nicht mehr erwartet hatte.

In der 43. Minute war es Linksverteidiger Markos Kirastas, der das Stadion erstmals zum Beben brachte. Nach einer Flanke von Felipe Jemez, die wohl eher als Verzweiflungstat gedacht war, rauschte Kirastas aus dem Hinterhalt heran und hämmerte den Ball volley ins Netz. Ein Treffer, der so schön war, dass selbst der Stadionsprecher kurz vergaß, wer eigentlich am Mikrofon war. "Das war der Moment, in dem wir gemerkt haben: Heute läuft’s", meinte Jemez später mit einem Grinsen.

Nach der Pause jedoch verlor Kreta etwas den Faden. Chaidari FC, von Trainer Nikos Mavridis (der sich nach dem Spiel trotzig weigerte, den Journalisten seinen Nachnamen buchstabieren zu lassen) defensiv ordentlich eingestellt, nutzte das zögerliche Verhalten der Gastgeber, um sich heranzutasten.

Der 30-jährige Innenverteidiger Stelios Samaras, bereits in der vierten Minute mit Gelb verwarnt, warf in der Schlussphase alles nach vorne - und traf tatsächlich in der 91. Minute nach einer Hereingabe von Rechtsverteidiger Athinagoras Argyros zum 1:1. Plötzlich war das Stadion still wie ein griechischer Tempel in der Mittagshitze.

"Ich dachte, wir nehmen wenigstens einen Punkt mit nach Hause", meinte Samaras später, "aber dann kam dieser Junge mit dem Babygesicht." Gemeint war natürlich Oliveira, der nur vier Minuten nach dem Ausgleich den Ball nach einem Zuspiel von Yanez aufnahm, kurz verzögerte - und ihn dann unhaltbar ins lange Eck setzte. Torwart Simcha Bischara streckte sich vergeblich, während die Tribünen explodierten.

Statistisch betrachtet war Kreta das aktivere Team: 51,6 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von knapp 55 Prozent und fast dreimal so viele Abschlüsse wie der Gegner. Doch Zahlen erzählen nicht, wie laut 34.000 Kehlen jubeln, wenn ein 18-Jähriger zum Helden wird.

"Wir wollten von Anfang an offensiv spielen, vielleicht ein bisschen zu mutig", gab Trainer Jeff Johnson zu. "Aber unsere Jungs haben Herz gezeigt. Und Herz schlägt Taktik - zumindest heute."

Chaidari-Coach Mavridis dagegen blieb sachlich: "Wir haben gut verteidigt, aber am Ende fehlte uns das Quäntchen Glück. Vielleicht auch das Quäntchen Kondition." Dann zog er die Stirn kraus. "Und dieser Oliveira - den kannte ich vorher nicht. Jetzt kenne ich ihn."

Am Rande des Spielfelds versuchte Felipe Jemez, der unermüdliche Mittelstürmer, die Szene in Worte zu fassen: "Ich habe in der 70. Minute gedacht, wir spielen hier noch bis Mitternacht, ohne dass was passiert. Aber dann… Boom!"

Ein "Boom", das in Kreta noch lange nachhallen wird. OFE Kreta klettert mit diesem Sieg weiter in der Tabelle der 1. Liga Griechenland und beweist, dass Leidenschaft manchmal mehr wert ist als Routine.

Und während die Fans nach dem Spiel noch auf den Rängen tanzten und jemand ein Transparent mit der Aufschrift "Dimas - unser kleiner Zeus" hochhielt, murmelte Verteidiger Kirastas in die Journalistenmikros: "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach draufhalten. Ich wusste, der Ball geht rein."

Vielleicht war das gar kein Zufall - sondern einfach Fußballpoesie in der 95. Minute.

15.10.643990 20:53
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