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Ein milder Februarabend, 29.765 Zuschauer im Stadion von Heraklion, und ein Spiel, das so heiß war wie der Asphalt vor der Taverne "To Mythos". OFE Kreta besiegte Ioniktos FC mit 3:1 - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es die nackten Ballbesitzzahlen (49 zu 51 Prozent) vermuten lassen. Doch wer 19 Torschüsse abfeuert, darf sich eben auch mal als Herr im eigenen Haus fühlen. Trainer Jeff Johnson grinste nach dem Schlusspfiff wie ein Mann, der gerade eine erfolgreiche Grillsaison eröffnet hat: "Wir wollten zeigen, dass Kreta nicht nur Olivenöl exportiert, sondern auch Offensivkraft." Und seine Jungs lieferten. Vor allem ein Mann glänzte so hell, dass selbst die Flutlichtanlage neidisch wurde: Guillermo Yanez, der flinke Linksaußen, traf doppelt (37., 70.) und bereitete das zweite Tor durch Blagoj Karaslawow (48.) gleich noch mit vor. Doch der Reihe nach: Ioniktos begann giftig, schon nach zwei Minuten sah Jason Berndt Gelb - "Ein taktisches Zeichen", wie Trainer Serkan Recber später erklärte. Leider interpretierte seine Mannschaft das Zeichen offenbar als Aufruf zur Passivität. Denn danach spielte fast nur noch Kreta. Felipe Jemez prüfte früh den Keeper Özer Seyhan (12.), Yanez tanzte seine Gegenspieler gleich mehrfach schwindelig, und spätestens nach Karaslawows Doppelchance (22., 24.) roch es nach Tor. In der 37. Minute war es soweit: Ktesias Salpingidis steckte durch, Yanez zog aus spitzem Winkel ab - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, weil ich dachte, der Ball will das auch", sagte Yanez später mit einem Schulterzucken, das nur Spieler mit zwei Toren wagen dürfen. Kurz nach der Pause legte Kreta nach: Jemez setzte sich zentral durch, flankte butterweich auf Karaslawow, der die Kugel per Direktabnahme in den Winkel drosch (48.). Ioniktos-Schlussmann Seyhan schüttelte nur den Kopf, als wolle er sagen: "So etwas trainiert man nicht - das passiert einem einfach." Dann allerdings kam Unruhe auf: Linksverteidiger Markos Kirastas, der bereits in der 60. Minute Gelb gesehen hatte, rauschte zwei Minuten später erneut in einen Zweikampf wie ein Tourist in den All-inclusive-Bereich - Ergebnis: Gelb-Rot. "Ich wollte nur den Ball spielen", erklärte er nach dem Spiel. Trainer Johnson kommentierte trocken: "Er hat ihn wohl in der Zuschauerreihe vermutet." Doch statt in Panik zu verfallen, spielte OFE weiter munter nach vorn. Und wer sonst als Yanez sollte den Deckel draufmachen? In der 70. Minute nahm er Karaslawows Querpass auf, ließ noch einen Verteidiger stehen und schob zum 3:0 ein. Das Stadion bebte, der Trainer jubelte, und irgendwo auf der Tribüne bestellte jemand die nächste Runde Raki. Ioniktos versuchte in der Schlussphase noch, wenigstens kosmetische Korrekturen vorzunehmen. Xabi Godinez gelang in der 92. Minute tatsächlich der Ehrentreffer - nach Vorlage von Abwehrmann Joseph Poe, der sich offenbar dachte: "Wenn vorne keiner trifft, mach ich’s halt selbst." Zu spät, um das Spiel noch einmal spannend zu machen, aber gerade rechtzeitig, um in der Statistik nicht ganz zu verschwinden. "Wir haben zu brav gespielt", knurrte Ioniktos-Coach Recber später. "Kreta war bissiger, zielstrebiger, und ihr Stürmer hatte wohl einen Espresso zu viel." Statistisch gesehen war das Spiel kurios: Ioniktos hatte leicht mehr Ballbesitz, aber nur drei Torschüsse - so viele wie Kreta in den ersten 25 Minuten. Dafür gewann der Gastgeber 56 Prozent seiner Zweikämpfe und zeigte, dass auch mit einem Mann weniger noch Druck möglich ist. Und dann war da noch die Szene in der 80. Minute, als Felipe Jemez nach einem vergebenen Schuss lautstark den Ball beschimpfte. "Er hat mich beleidigt", grinste der Stürmer später, "da musste ich zurückbrüllen." Am Ende war der Sieg verdient, die Stimmung ausgelassen, und Trainer Johnson fasste den Abend zusammen wie ein Tourist, der gerade den Sonnenuntergang über Knossos gesehen hat: "Das war schön. Und das Beste - wir kriegen dafür drei Punkte." Ioniktos hingegen trat die Heimreise an mit dem Gefühl, dass Kreta diesmal nicht nur landschaftlich, sondern auch sportlich eine Nummer zu schön war. Fazit: Drei Tore, ein Platzverweis, ein bisschen Drama - und das alles an einem Freitagabend. Der Fußballgott hatte wohl gute Laune. 15.07.643990 06:40 |
Sprücheklopfer
Er hatte plötzlich Sehstörungen. Vielleicht hat er deshalb das Tor getroffen.
Matthias Sammer über Lars Ricken, der nach einen Zusammenprall ein Tor schoss und dann mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste