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Es war einer dieser Abende, an denen der Ball einfach nicht ins Tor wollte. 41.031 Zuschauer im Estadio Azul sahen am Sonntag ein 0:0 zwischen Les Milionaros und UD Barranquilla, das alles hatte - außer eben Tore. Wer allerdings behauptet, ein torloses Spiel sei langweilig, hat dieses hier nicht gesehen. Es wurde geschossen, geflucht, geklatscht - und am Ende gegrinst. Schon in der zweiten Minute donnerte Daniel Cunha den Ball aus 20 Metern auf das Tor der Hausherren. Keeper Diamantis Boutzikos schien davon wachgerüttelt und brüllte seinen Verteidigern ein "Jetzt seid ihr endlich da!" entgegen. Ab da übernahmen die Milionaros das Kommando - zumindest optisch. Zwar hatte Barranquilla mehr Ballbesitz (54 Prozent), doch Rodrigo Rodriguez’ Team wirkte gefährlicher: ganze 14 Abschlüsse, während die Gäste gerade mal vier zustande brachten. In der achten Minute rauschte Bruno Miguel, der 35-jährige Dauerläufer auf der rechten Seite, nach vorne und prüfte Torwart Jorge Fernandes mit einem Flachschuss - der erste von vielen Momenten, in denen der Barranquilla-Keeper seine Fanghandschuhe segnen ließ. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", witzelte Fernandes später. "Aber ich glaube, meine Hände sind jetzt ein Kunstwerk aus Schweiß und Staub." Immer wieder tauchte der 18-jährige Juan Godinez gefährlich auf. Zwischen der 26. und der 45. Minute feuerte der Teenager gleich drei Mal aufs Tor - jedes Mal knapp vorbei. Nach einem dieser Versuche blickte er ratlos in den Nachthimmel, als wolle er fragen: "Warum ich?" Trainer Rodriguez nahm’s mit Humor: "Juan wird noch viele Tore schießen", sagte er mit einem schiefen Lächeln. "Heute hat er halt schon mal das Stadion getroffen - aber von außen." Nevio Couto, der bullige Mittelstürmer der Milionaros, ackerte unermüdlich. In der 46. Minute hatte er die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber erneut am glänzend reagierenden Fernandes. Als Couto ausgepumpt in der 88. Minute noch einmal abzog, blieb der Torwart erneut Sieger. Danach klopfte er dem Portugiesen fair auf die Schulter - eines dieser kleinen Rituale zwischen Profis, die wissen, was sie geleistet haben. Barranquilla hingegen blieb offensiv erstaunlich zahm. Nach Cunhas Schuss in der zehnten Minute und einem Versuch von Nelio Gallego (19.) passierte lange nichts. Erst in der 50. Minute meldete sich Holger Johnsson auf der rechten Seite zurück - sein Schuss landete jedoch in den Armen von Boutzikos. Trainer Rodrigo Rodriguez klatschte ironisch Beifall: "Das war der gefährlichste Moment für meine Herzfrequenz." In der Schlussphase versuchten die Milionaros alles. Der junge Linksverteidiger Gianmarco Santa kam in der 75. Minute für den routinierten Joan Meireles - frischer Wind statt Erfahrung. Acht Minuten später wechselte Rodriguez dann auch Bruno Miguel aus, der unter Applaus ging. "Ich wollte eigentlich weiterspielen", grinste der Altmeister danach, "aber mein rechter Fuß hat mir eine andere Meinung erklärt." Die Zuschauer bekamen noch einige Chancen serviert: Delmas in der 90. Minute, Godinez in der 69., Schmidt in der 84. - doch der Ball fand nie den Weg über die Linie. Man hatte fast das Gefühl, das Tor sei an diesem Abend leicht versetzt montiert worden. "Wir haben offensiv gespielt, aber der Fußballgott war heute Fan der Defensive", kommentierte Rodriguez trocken. Barranquillas Coach blieb nach dem Abpfiff gewohnt ruhig. "Ein Punkt auswärts ist ein Punkt auswärts", sagte er in die Mikrofone. "Wir wollten kontrollieren, nicht brillieren." Und tatsächlich: Seine Elf spielte taktisch diszipliniert, blieb kompakt und verzichtete auf riskantes Pressing - ganz nach Lehrbuch "balanciert, aber bitte ohne Abenteuer". Die Fans der Milionaros gingen trotzdem nicht enttäuscht nach Hause. Sie hatten ein Spiel gesehen, das von Leidenschaft und Tempo lebte, auch wenn der Torjubel fehlte. "Nächstes Mal", rief ein Junge auf der Tribüne, "schießen wir doppelt so viele Tore!" - was rechnerisch immer noch null sein könnte, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zum Schluss stand auf der Anzeigetafel ein schlichtes 0:0, doch auf dem Platz blieb der Eindruck eines Teams, das mehr wollte, und eines Gegners, der genau das verhindern konnte. Les Milionaros hatten alles versucht, UD Barranquilla alles verteidigt - und irgendwo dazwischen lag der Charme dieses torlosen Spektakels. Oder, wie es der immer ironische Nevio Couto formulierte: "Wenn Fußball Kunst ist, dann war das heute vielleicht moderne Kunst - man muss sie nicht verstehen, um sie zu schätzen." 22.02.643987 17:49 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme