Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Nullnummer mit Unterhaltungswert - Maracaibo und Caracas teilen sich die Punkte

Es war ein Spiel, das man als Fußballromantiker wohlwollend als "taktisch diszipliniert" bezeichnen könnte - oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne kopfschüttelnd meinte: "Wenn die Bälle wenigstens mal reingehen würden, wär’s ja schön." CF Maracaibo und Real Caracas trennten sich am 23. Spieltag der 1. Liga Venezuela vor 20.000 Zuschauern mit einem torlosen 0:0, das trotzdem alles andere als langweilig war.

Schon nach vier Minuten zischte der erste Schuss von Joseph Krebs knapp am Pfosten vorbei. Der Rechtsaußen von Maracaibo war an diesem Abend offenbar in Dauerfeuer-Laune - drei weitere Male (16., 21., 69.) prüfte er den Keeper von Caracas. "Ich dachte irgendwann, das Tor bewegt sich", grinste Krebs hinterher. "Aber es blieb einfach da, wo es war."

Caracas hielt mit jugendlicher Unbekümmertheit dagegen. Der erst 17-jährige Rafael Leao versuchte es in der 10. Minute beherzt aus 18 Metern - drüber. Trainer Eiko Henke klatschte trotzdem anerkennend: "Ich mag Mut. Präzision kommt später." Leider kam sie auch später nicht. Sein Team brachte es auf 13 Schüsse, Maracaibo auf 12 - ein Beweis dafür, dass beide Torhüter einen ruhigen, aber nicht entspannten Abend hatten.

In der 12. Minute hielt das Publikum kurz den Atem an: Der junge Silvestre Meireles von Caracas blieb nach einem Zweikampf liegen, griff sich ans Knie und musste ausgewechselt werden. Julian de Almeida kam für ihn - und brachte sofort Schwung über die linke Seite. "Ich war noch gar nicht warm, da brüllte Eiko schon: ’Julian, rein da!’", erzählte de Almeida später lachend. "Ich hatte noch den Reißverschluss vom Trainingsanzug in der Hand."

Maracaibo dominierte das Spiel mit 57 Prozent Ballbesitz, kombinierte gefällig über die Flügel, doch im Strafraum war Schluss. Jacinto Derlei hatte gleich mehrere gute Gelegenheiten (15., 18., 54., 55., 69., 83. Minute), scheiterte aber immer wieder am glänzend reagierenden Torwart Sergio Cortes. "Der Typ war überall", stöhnte Derlei, "ich hab ihn sogar im Traum noch fliegen sehen."

Auch Caracas wusste zu gefallen. Besonders auffällig: der 21-jährige Rechtsaußen Agemar Manuel, der gleich dreimal gefährlich abschloss (58., 67., 80.), aber ebenfalls ohne Erfolg blieb. In der 52. Minute sah der 17-jährige Lukasz Piszczek Gelb, nachdem er Joseph Krebs rustikal vom Ball trennte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", rechtfertigte sich der Youngster nach Abpfiff. Kurz darauf wurde er von seinem Trainer liebevoll "mein kleiner Terrier" genannt.

Die zweite Halbzeit war geprägt von Tempo und - ja, man kann es sagen - Verzweiflung. Beide Teams spielten offensiv, ohne ihre defensive Ordnung aufzugeben. In der 85. Minute musste auch Maracaibos Rechtsverteidiger Cesc Antunes den gelben Karton sehen, nachdem er Francisco Gallardo taktisch vom Ball trennte. "Das war Taktik-Foul deluxe", kommentierte Trainer Henke mit einem Augenzwinkern.

Die Zuschauer honorierten den Einsatz beider Mannschaften mit Applaus, obwohl das ersehnte Tor ausblieb. "Ein 0:0, das Spaß gemacht hat", fasste ein Fan zusammen. Und tatsächlich: Während viele Nullnummern in die Kategorie "Schlafmittel ohne Rezept" fallen, war dieses Spiel ein lebendiges Hin und Her, das nur das eine fehlte - den Treffer.

Statistisch gesehen war das Remis gerecht. Maracaibo hatte etwas mehr vom Spiel, Caracas die etwas besseren Zweikämpfe (50,3 Prozent gewonnen). Beide Teams agierten taktisch nahezu identisch - ausgewogen, mit kontrolliertem Passspiel und ohne übermäßiges Pressing. Man könnte sagen: zwei Spiegelbilder im Mittelfeld.

Nach Abpfiff standen die Trainer noch minutenlang zusammen. "Wir haben beide kein Tor geschossen, aber immerhin nicht verloren", lachte Henke. Sein Kollege - der sich hinter seinem Notizblock versteckte und nur meinte: "Ich schreibe mir jetzt auf, wie man aus 57 Prozent Ballbesitz wenigstens ein Tor macht."

So bleibt die Erkenntnis eines Abends, an dem alles fehlte - außer Spannung, Laufbereitschaft und Ironie. Wer weiß, vielleicht treffen sich beide Teams im Rückspiel wieder zu einem dieser Spiele, über die man sagt: "Kein Tor, aber jede Menge Geschichten."

Und irgendwie hatte der alte Herr auf der Tribüne am Ende doch recht - schön wär’s gewesen, wenn mal einer reingegangen wäre.

12.06.643993 23:13
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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