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Manchmal sagt ein 0:0 mehr als tausend Tore. So geschehen am Freitagabend im Karlsruher Wildpark, wo sich der Karlsruher SV und der SV Bremen einen munteren Schlagabtausch ohne Vollstrecker lieferten. 16.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles hatte - außer den finalen Jubel. Schon die ersten Minuten machten klar, wohin die Reise geht: nach vorn. In der vierten Minute prüfte Bremens Istvan Viola mit einem wuchtigen Linksschuss Karlsruhes Keeper Jonatan Sundström - der wehrte ab, als hätte er den Ball persönlich beleidigt. Nur eine Minute später drehte sich das Spiel: Lewis Caviness donnerte den Ball aus 20 Metern aufs Bremer Tor, und erstmals musste Gästekeeper Lennart Kjeldsen zeigen, warum er Handschuhe trägt. Karlsruhe drückte weiter. Heinrich Scharf, gerade 19 und offenbar mit jugendlicher Unbekümmertheit ausgestattet, feuerte gleich mehrfach drauflos (6., 14., 22., 64.). Leider blieb das Zielwasser wohl im Mannschaftsbus. "Ich hab’s versucht, aber der Ball wollte heute einfach nicht rein", gestand Scharf später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Frust und Fassungslosigkeit pendelte. Bremen hingegen verlegte sich auf das, was Trainer Jack Schlakowski nach dem Spiel "kontrollierte Defensive mit intelligentem Nichtstören" nannte. Übersetzt: hinten dicht, vorne hoffen. Und tatsächlich hatte wieder Viola die besten Szenen der Gäste, als er zwischen der 47. und 60. Minute gleich dreimal gefährlich abzog, aber stets einen Karlsruher Fuß oder die Fäuste von Sundström fand. In der 30. Minute hielt der ganze Wildpark den Atem an, als Bremens Torhüter Kjeldsen nach einem Zusammenprall liegen blieb. Nach kurzer Behandlung musste er raus - Ersatzmann Lewis Clancy kam, grinste und brüllte seinem Team zu: "Jetzt haltet mir mal den Laden sauber!" Gesagt, getan: Clancy parierte kurz darauf einen Schuss von Pedro Alvarez (27., 29., 32.) so spektakulär, dass selbst die Heimfans kurz klatschten. Karlsruhes Offensivdrang war ungebrochen. In fast jeder Statistik lag die Mannschaft vorn: 13 Torschüsse gegenüber Bremens 8, 51 Prozent Zweikampfquote, und mindestens doppelt so viele "Beinahe-Tore", wie Trainer Schlakowski süffisant bemerkte. Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 49 zu 51 Prozent. Nur in Sachen Effizienz blieb’s ein Trauerspiel. Die wohl kurioseste Szene lieferte Bremens Paulo Meireles in der 63. Minute. Erst sah er Gelb nach einem rustikalen Einsteigen ("Ich hab doch nur den Ball getroffen - er stand halt im Weg", verteidigte er sich später), dann wurde er zwei Minuten später ausgewechselt. Ob aus taktischen Gründen oder um den Innenverteidiger vor sich selbst zu schützen, blieb offen. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel fahriger, aber nie langweilig. Karlsruhe rannte, Bremen konterte, und irgendwo dazwischen standen die Fans, die sich ab der 70. Minute mit ironischen "Schieß doch mal!"-Rufen beteiligten. In der 83. Minute sorgte der erst 18-jährige Kay Buchholz für den letzten Aufreger, als er aus spitzem Winkel knapp vorbeizog. Die Bremer Bank sprang trotzdem auf, als wär’s das Siegtor gewesen. Nach dem Schlusspfiff stand es, wie es das Schicksal offenbar vorgesehen hatte: 0:0. Kein Tor, keine Entscheidung, aber immerhin keine Langeweile. "Wir haben heute alles gemacht, außer treffen", fasste Karlsruhes Coach trocken zusammen. "Wenn’s nach Chancen geht, gewinnen wir 3:0. Wenn’s nach Toren geht, tja - Unentschieden eben." Sein Gegenüber Schlakowski grinste: "Ich bin zufrieden. Wir wollten einen Punkt, und den haben wir - sauber verteidigt, sauber geputzt." So endete ein Abend, an dem keiner der Torhüter wirklich schlafen dürfte - der eine, weil er zu viel zu tun hatte, der andere, weil er sich fragt, ob seine Stürmer heimlich Ballverweigerer sind. Und während die Zuschauer nach Hause gingen, hörte man einen Fan murmeln: "Nächstes Mal bring ich ein Tor mit - vielleicht hilft’s ja." Ein 0:0 also, das keiner wollte, aber irgendwie alle verdienten. In Karlsruhe nennt man das wohl: ein ehrliches Unentschieden mit Unterhaltungswert. 27.10.643990 10:39 |
Sprücheklopfer
Die Alte ist trotzdem unheimlich in Ordnung! Ich habe sie kennengelernt, als ihr Zahnarzt mir das Esszimmer neu tapeziert hat. Kerstin merkte sofort, dass ich bei der Behandlung ein bißchen Schiss hatte. Sie hielt mir ganz lieb das Händchen.
Rudi Assauer über seine neue 24-jährige Lebensgefährtin, die als Zahnarzthelferin arbeitet