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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Runde wirklich noch ins Eckige will. 33.589 Zuschauer im Estádio Nabizão in Bragança Paulista sahen beim 0:0 zwischen UD Bragantino und UD Internacional ein Spiel, das zwar keine Tore, dafür aber reichlich Dramatik, Schweiß und ironischerweise auch Humor bot - allerdings meist unfreiwillig. Schon die ersten Minuten gaben die Richtung vor: Rafael Ferreira, der rechte Flügelstürmer der Gastgeber, prüfte nach nicht einmal 60 Sekunden den jungen Internacional-Keeper Nelio Mocana. Der 19-Jährige bestand seine Feuerprobe mit einem Reflex, der an eine Mischung aus Katzenreflex und Panikreaktion erinnerte. "Ich hab einfach instinktiv irgendwas gemacht - und der Ball war plötzlich nicht drin", grinste Mocana später. Internacional antwortete sofort. Duarte Cunha und Nael Ze Castro feuerten innerhalb weniger Minuten gleich dreimal aufs Bragantino-Tor. Doch Mateo Xavier, der 33-jährige Schlussmann der Hausherren, zeigte, dass Erfahrung manchmal eben doch wichtiger ist als Frische. "Ich springe nicht mehr so oft, aber wenn, dann richtig", kommentierte er trocken. Nach einer Viertelstunde war klar: Hier würde kein Team taktisch ins Risiko gehen. Beide Trainer - deren Namen man sich auf der Pressekonferenz vergeblich auf den Zetteln suchte, da sie lieber wortlos in ihre Notizblöcke starrten - setzten auf "balanced alignment", also die diplomatische Mitte zwischen Angriffslust und Sicherheitsdenken. Wer den Mut hatte, ein bisschen mehr Offensive zu wagen, wurde meist vom eigenen Unvermögen gestoppt. Bragantino hatte insgesamt 14 Schüsse aufs Tor, Internacional nur sieben. Doch die Statistik erzählt nicht, wie oft Ingo Nani den Ball aus ähnlicher Position über das Fangnetz drosch. Zwischen der 50. und 73. Minute wirkte der linke Angreifer wie in einer persönlichen Fehde mit der Physik: fünf Mal zog er ab, fünf Mal flog der Ball in eine Umlaufbahn, die wahrscheinlich noch von der Raumstation aus sichtbar war. "Ich hab einfach zu viel Kraft trainiert", meinte Nani und lachte - der Humor, den man nach so einem Abend braucht. Kurz vor der Pause wurde es kurz hitzig: Rafael Ferreira sah Gelb, weil er den Ball nach einem Pfiff noch einmal ins Seitenaus drosch. Der Schiedsrichter verstand keinen Spaß. "Ich wollte nur testen, ob der Ball noch rund ist", rechtfertigte sich Ferreira später mit einem Grinsen. Nach dem Seitenwechsel blieb Bragantino leicht feldüberlegen (Ballbesitz 52,5 Prozent), doch Internacional verteidigte clever. Besonders Verteidiger Karoly Baroti zeigte in der 29. Minute, dass auch ein Rechtsverteidiger schießen darf - sein Versuch aus 25 Metern rauschte allerdings so knapp vorbei, dass einige Fans schon aufsprangen. Die zweite Halbzeit gehörte klar den Gastgebern. Zwischen der 59. und 85. Minute reihte sich Chance an Chance. Pierre Fournier sorgte mit zwei gefährlichen Schüssen in der Schlussphase noch einmal für Hoffnung, bevor Internacional in der Nachspielzeit mit dem letzten Konter beinahe den Spielverlauf auf den Kopf stellte: Pedro Caneira tauchte allein vor Keeper Xavier auf, doch der blieb cool und parierte. Die Zuschauer quittierten das torlose Remis mit einem durchaus wohlwollenden Applaus. Kein Spektakel, aber kämpferisch solide - ein typisches Nullnull, das man in Brasilien wohlwollend als "partida guerreira" bezeichnet. Nach dem Abpfiff fasste Bragantinos erfahrener Innenverteidiger Joseba Semprun das Spiel in einem Satz zusammen: "Wir wollten alles, aber der Ball wollte nichts." Internacional-Kapitän Duarte Cunha sah’s ähnlich: "Wenn man 90 Minuten rennt und am Ende trotzdem 0:0 steht, weiß man, dass man wenigstens was fürs Herz getan hat." Taktisch blieb es ein Abend der Balance. Beide Teams agierten über weite Strecken kontrolliert, ließen Pressing und Risiko weitgehend bleiben. Stattdessen dominierten Ordnung, Disziplin und ein Hauch von kreativer Ideenlosigkeit. Für die Zuschauer war es am Ende ein Abend, der weniger durch Tore als durch Charakter glänzte. Fußball in seiner pursten Form: zwei Mannschaften, ein Ball, null Tore - aber jede Menge Geschichten dazwischen. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen lachend formulierte: "Wenn Fußball Kunst ist, dann war das heute Minimalismus." 06.03.643987 00:53 |
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Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
Fritz Walter Junior