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Ein 0:0, das so gar nicht nach 0:0 schmeckte: Sporting Petare und AD Zamora lieferten sich am 18. Spieltag der 1. Liga Venezuela ein Duell, das an Intensität kaum zu überbieten war - nur eben ohne das, was Fußballfans am liebsten sehen: Tore. 20.000 Zuschauer im Stadion in Caracas erlebten eine Partie, die alles bot, vom frühen Schockmoment bis zu späten Nervenproben - nur das Netz blieb unberührt. Schon nach 60 Sekunden ahnte man, dass der Abend kein Spaziergang werden würde. Zamoras Diego Mendoza prüfte den Keeper Enrique Moutinho mit einem satten Linksschuss. "Ich wollte gleich mal zeigen, dass wir da sind", grinste Mendoza nach dem Spiel. Eine Minute später hämmerte sein Kollege Noe Dominguez den Ball knapp über die Latte. Zwei Minuten gespielt, zwei Schüsse aufs Tor - und trotzdem kein Tor. So sollte es weitergehen. Petare brauchte eine Weile, um sich zu sortieren. Trainer José Luis (dessen Nachnamen man in Caracas inzwischen nur noch ehrfürchtig murmelt) brüllte in der 20. Minute: "Leute, das ist kein Trainingsspiel!" Doch erst in der 38. Minute setzte Carl Sa Pint ein Zeichen - ein wuchtiger Schuss aus 20 Metern, den Zamoras Torwart Agemar Andrade mit einer spektakulären Flugeinlage entschärfte. Das Stadion tobte, als wäre der Ball im Netz gewesen. Kurz darauf dann der Schreckmoment: In der 28. Minute blieb Zamoras junger Stürmer Oscar Viana nach einem Zweikampf liegen. Eine Verletzung am Knöchel, wie Zamora-Coach Rafael Torres später bestätigte. "Er sagte, er könne weitermachen, aber sein Knöchel war anderer Meinung." So kam der erfahrene Joseba Vaz ins Spiel - und brachte gleich neuen Schwung. Nach der Pause glich das Spiel einem taktischen Schachduell. Beide Teams standen kompakt, die Taktik-Analysten hätten ihre Freude gehabt: "balanced alignment", "balanced attacking", "sure shooting" - auf dem Papier perfekt ausbalanciert, auf dem Rasen manchmal zu brav. Dennoch: Spannung bis zur letzten Sekunde. Petare hatte leicht mehr vom Spiel, 51 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, aber kein Glück. Besonders auffällig: Manuel Galva, der dreimal in den letzten zehn Minuten abzog (86., 90.), jedes Mal brandgefährlich, jedes Mal knapp vorbei. "Ich dachte, der Ball dreht sich rein - aber anscheinend hat er heute lieber den Pfosten umarmt", lachte Galva nach dem Abpfiff und nahm’s mit Humor. Zamora konterte vor allem über die Flügel. Jean Duverger, eigentlich Linksverteidiger, tauchte in der 69. Minute urplötzlich im Strafraum auf und zwang Moutinho zu einer Parade. Der reagierte wie aus dem Torwart-Lehrbuch. "In solchen Momenten ist der Ball größer als das Tor", kommentierte er später augenzwinkernd. Ab der 75. Minute kippte das Momentum zu Petare. Alejandro Enrico zog aus der Distanz ab, Wolff und der 18-jährige Nachwuchsspieler Pedro Segura wirbelten auf der rechten Seite. Der Teenager sorgte mit seinem beherzten Auftritt für Szenenapplaus. "Ich war einfach froh, dass mir keiner den Ball gleich wieder weggenommen hat", sagte er lachend im Kabinengang. Beide Trainer waren nach dem Abpfiff erstaunlich zufrieden. "Klar, Tore fehlen, aber wir haben gezeigt, dass wir defensiv stabil stehen", meinte Petare-Coach José Luis. Zamoras Torres sah’s ähnlich: "Ein Punkt auswärts, keine Gegentore - das ist für uns fast wie ein kleiner Sieg." Die Statistik untermauert das ausgeglichene Bild: 9:6 Torschüsse, 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, Tacklingquote 51,5 zu 48,5 - wer da den Sieger erkennen will, braucht eine Lupe oder eine sehr blühende Fantasie. Und doch war’s kein langweiliges 0:0. Es war ein Spiel mit vielen Geschichten: ein verletzter Stürmer, ein Torwart im Heldenmodus, ein Teenager mit Lampenfieber und zwei Teams, die sich gegenseitig neutralisierten, als hätten sie das Drehbuch gemeinsam geschrieben. Am Ende applaudierten die Fans trotzdem. Vielleicht, weil sie spürten, dass Leidenschaft mehr zählt als Tore. Vielleicht auch, weil sie wussten, dass solche Abende die wahren Charaktertests sind. Oder, wie Petare-Spielmacher Enrico es zusammenfasste: "Wenn du 90 Minuten alles gibst und keiner meckert, dann war’s ein gutes Spiel - auch ohne Jubelmusik." Ein 0:0 also, das in Erinnerung bleibt. Nicht wegen der Tore, sondern wegen all der Beinahe-Momente, die den Fußball so herrlich unberechenbar machen. 26.08.643987 01:00 |
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