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53402 Zuschauer im Okanagan Stadium sahen am Dienstagabend ein 0:0, das alles hatte - außer Toren. Die Okanagan Bulls und die Quebec Blues lieferten sich beim 11. Spieltag der 1. Liga Kanada ein intensives, manchmal hektisches, aber nie langweiliges Duell, das von zwei Dingen geprägt war: vergeblichen Versuchen und verbissener Defensive. Schon in der ersten Minute testete Barend Veeder von den Blues Torhüter Marcio Futre - und der musste gleich fliegen wie ein junger Adler, um den frühen Rückstand zu verhindern. "Der war wach, bevor ich es war", grinste Veeder nach dem Spiel. Futre lachte später zurück: "Wenn du in der ersten Minute schon so einen Schuss bekommst, brauchst du keinen Kaffee mehr." In den ersten 20 Minuten war es ein Spiel der schnellen Umschaltmomente. Quebec startete forsch, aber die Bulls antworteten mit einer Serie von Abschlüssen durch Vincent Travassos, der gleich dreimal (7., 9. und 15. Minute) gefährlich auftauchte. "Ich dachte, einer davon geht sicher rein", sagte der 29-Jährige kopfschüttelnd. "Aber manchmal steht der Torwart einfach im Weg - oder das Tor ist zu klein." Eine Gelbe Karte für den jungen Christian Lockwood (13.) brachte kurz Unruhe ins Spiel. Trainer Markus Merk schüttelte an der Seitenlinie den Kopf: "Er hat einfach zu viel Energie. Ich sag ihm immer: Heb dir das für den Strafraum auf, nicht für die Außenlinie." Francisco Butragueño scheiterte in der 20. und 37. Minute ebenfalls knapp, und Jean Bethune (32.) prüfte Blues-Keeper Thomas Trottier aus der Distanz. Die Bulls verzeichneten zur Pause 7 Torschüsse, die Blues 4 - und doch blieb das Ergebnis so blütenweiß wie der Schnee auf den Bergen hinter dem Stadion. In der zweiten Halbzeit schien Quebecs Trainer Lutz Lindemann seine Männer etwas aggressiver eingestellt zu haben. Die taktischen Daten bestätigen es: Die Blues schalteten vom "Pressing behind" auf "aktives Pressing" um und wurden mutiger. Besonders Veeder blieb gefährlich, schoss in der 56. und 62. Minute erneut aufs Tor, ohne Futre bezwingen zu können. "Ich hab ihm irgendwann zugerufen: Versuch’s doch mal mit der anderen Ecke!", erzählte Bulls-Verteidiger Serge Leblanc lachend. Doch Veeder blieb bei seiner Linie - und Futre bei seiner. Auf der Gegenseite kam Antonio Arrondo nach seiner Einwechslung in der 52. Minute zu einer guten Gelegenheit (68.), die Trottier mit den Fingerspitzen entschärfte. Kurz darauf musste Lindemann reagieren - Jaime Mourino kam (60.) für Polikarp Iwanow, was den Blues einen offensiveren Anstrich geben sollte. Doch trotz aller Bemühungen: Der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Manchmal fehlt nur ein Zentimeter. Und manchmal drei Meter", brummte Lindemann nach dem Spiel. "Heute war’s wohl eher Letzteres." In den Schlussminuten war die Luft raus, auch wenn die Bulls noch einmal alles versuchten. Butragueño wich in der 89. Minute für Hanns Bouchard, der sich gleich mit einem Abschluss (90.) meldete - und das Publikum stand schon halb auf, als der Ball knapp über die Latte rauschte. Statistisch war’s eine enge Kiste: 12:8 Torschüsse für die Bulls, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz - fast wie mit dem Lineal geteilt. Nur bei der Zweikampfquote hatten die Gastgeber leicht die Nase vorn (52 zu 48 Prozent). Trainer Merk zeigte sich zufrieden mit der Einstellung: "Wir haben gekämpft, gerackert, und wenn man die Null hält, ist das wenigstens die halbe Miete." Sein Gegenüber Lindemann konterte trocken: "Ich hätte lieber die ganze Miete - in Form eines Tores." Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - wohl auch, weil man spürte, dass hier zwei Mannschaften wirklich alles versucht hatten. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es treffend zusammen: "Das war wie ein Western ohne Schuss, aber gut gespielt haben sie trotzdem." Und so bleibt nach 90 Minuten ein torloses Remis, das mehr Spannung bot, als das Ergebnis vermuten lässt. Die Bulls stabilisieren sich in der Tabelle, die Blues bleiben auswärts ungeschlagen - und beide Trainer dürfen weiter träumen: der eine vom ersten Heimsieg, der andere vom ersten Auswärtstor seit Weihnachten. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal - wenn der Ball wieder rund ist und das Tor ein bisschen größer scheint. 22.09.643990 18:45 |
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