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Ein 0:0 kann vieles sein - langweilig, taktisch geprägt, oder schlicht eine Aneinanderreihung verpasster Chancen. Das Duell zwischen dem SC Villarreal und dem Sevilla CF am 26. Spieltag der Primera División gehörte eindeutig zur dritten Kategorie. 25.364 Zuschauer im Estadio de la Cerámica sahen am Samstagabend ein torloses Spektakel, das zwar keine Treffer, dafür aber 25 Torschüsse, drei Gelbe Karten und eine verletzungsbedingte Auswechslung bot. Schon in den ersten Minuten machte Villarreal klar, dass es an diesem Abend nicht zum gemütlichen Ballgeschiebe kommen würde. Mason Cort prüfte Sevillas Keeper César Carracedo bereits in der siebten Minute - eine dieser Szenen, bei denen man im Stadion erst den Atem anhält, dann aber nur das metallische Klirren des Pfostens hört. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", grinste Trainer Marcus Herrmann nach dem Spiel. "Aber der Pfosten hatte wohl andere Pläne." Villarreal blieb am Drücker. Sergi Calderon, der 20-jährige Mittelfeldmotor, zog in der 9. und 21. Minute aus der Distanz ab - zweimal scheiterte er am glänzend reagierenden Carracedo. Otto König, der bullige Linksaußen, hämmerte den Ball in der 10. Minute aus spitzem Winkel übers Tor und versuchte es später gleich mehrfach (55., 56., 59., 88., 94.). Der Mann hatte mehr Abschlüsse als so mancher Mittelstürmer in einem Monat, aber der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Sevilla brauchte fast 20 Minuten, um ins Spiel zu finden. Inigo Martinez sorgte mit einem strammen Schuss (19.) erstmals für Gefahr. Kurz darauf zückte der Schiedsrichter Gelb gegen Villerreals Vicente Castro (16.) - ein Foul der Kategorie "zu spät, aber immerhin mit Einsatz". Michel Tremblay legte kurz vor der Pause (37.) nach, ebenfalls Gelb, aber ohne weitere Folgen. Die Gäste aus Andalusien hielten sich an ihren Matchplan: ausgewogener Aufbau, wenig Risiko, kein Pressing. Trainer Marcos Jiménez - ein Mann, der schon durch seine Körpersprache "kontrollierte Langeweile" ausstrahlt - erklärte nach dem Spiel: "Wir wollten das Tempo rausnehmen und Villarreal laufen lassen. Das hat im Prinzip funktioniert - nur das Tor fehlte." Nach der Pause ging es weiter wie zuvor. Federico Girardi zog aus 44 und 65 Metern - pardon, Minuten - ab, während Sevilla über seine Flügelspieler kam. Besonders Christiano Granero (31., 76.) und der junge Asier Flores (62.) zeigten, dass auch kontrolliertes Spiel durchaus gefährlich werden kann. In Minute 75 dann die Szene, die zum Sinnbild des Spiels wurde: Sergio Verdasco foult, sieht Gelb, diskutiert minutenlang und schüttelt schließlich lachend den Kopf. "Ich wollte den Ball spielen", beteuerte er später, "aber der Ball wollte mich wohl nicht." Dramatisch wurde es in der 59. Minute, als Sevillas junger Linksverteidiger Bernardo Vico nach einem Zweikampf liegen blieb. Die Diagnose steht noch aus, aber die Szene sah nach Muskelverletzung aus. Für ihn kam der erfahrene Ethan Callahan - und brachte die linke Seite wieder in Balance. In den Schlussminuten warf Villarreal alles nach vorn. Mason Cort (92.) und Otto König (94.) hatten den Siegtreffer auf dem Fuß, doch Carracedo im Sevilla-Tor war an diesem Abend schlicht unüberwindbar. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich ihn angeschossen habe", meinte Cort trocken. Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 49 Prozent Ballbesitz für Villarreal, 51 für Sevilla, 15:10 Torschüsse, Tacklingquote leicht zugunsten der Gastgeber (51,2 zu 48,8 Prozent). Und trotzdem blieb es beim torlosen Remis. Trainer Herrmann nahm es mit Humor: "Wenn wir das nächste Mal so spielen, gewinnen wir 3:0. Nur eben nicht heute." Jiménez konterte charmant: "Dann hoffe ich, dass ich morgen kein Déjà-vu habe, wenn ich das Spiel im Fernsehen sehe." Am Ende war es ein 0:0 der unterhaltsameren Sorte - mit Tempo, Emotion und einem Hauch Tragikomik. Kein Sieger, keine Verlierer, aber viele Geschichten. Und irgendwo in Villarreal klopft gerade ein unermüdlicher Otto König an die Kabinenwand und fragt: "War der Ball wirklich nicht drin?" Man kann es ihm nicht verdenken. In einem Spiel, das so viel versprach und doch 0:0 endete, bleibt wenigstens eines sicher: Das Netz hat heute Abend eine verdiente Pause bekommen. 25.11.643987 13:00 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund